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Ein Ort des Austauschs

Karlsruher Vesperkirche: Wo Menschen zusammenkommen

Vier Wochen lang wurde sie auch dieses Jahr wieder zur Vesperkirche: die Johanniskirche in der Karlsruher Südstadt. Ein Ort des Austauschs.
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Pfarrerin Lara Pflaumbaum (Mitte) setzt sich mit Leidenschaft für die Besucherinnen und Besucher der Vesperkirche ein. An diesem Tag verschenkt sie ihnen warme Jacken.Foto: war

Bunte Plakate zieren den Eingang zur Johanniskirche in der Karlsruher Südstadt. Vier Wochen lang wurde sie auch dieses Jahr zur Vesperkirche. Es ist ein Gewusel, ein Kommen und Gehen. 250 bis 300 Menschen pro Tag sind es, die das Angebot mit warmem Mittagessen und Broten für einen Euro in Anspruch nehmen. Das berichtet Pfarrerin Lara Pflaumbaum. 250 Mitarbeiter, 50 pro Tag, versorgen die Menschen hier mit Kaffee, Gebäck, Getränken und Mahlzeiten. Menschen aller Klientel kommen hier zusammen. Viele fühlen sich hier fast wie eine Familie miteinander verbunden, sagt die Pfarrerin. „Mir ist es ein Herzensanliegen, dass die Menschen wissen, wo sie hingehören, dass sie einen Platz haben. Ganz oft sagen sie: Das ist unsere Familie“, sagt Pflaumbaum. Highlight ist die Schlussandacht am Samstag vor Ende der Vesperkirche. Jeder wird gesegnet und jeder bekommt ein Kuscheltier. „Manche haben ein Kuscheltier noch aus dem letzten Jahr. Mein Eindruck ist, dass wir die Leute hier auf Augenhöhe abholen und ihnen ein bisschen Wärme verschaffen“, sagt Pflaumbaum. „Auch die Mitarbeiter sind alle verschieden, aus sehr unterschiedlichen Milieus. Sie kommen von überall her. Viele sind aus dem Pfinztal, der Nähe von Ettlingen, Herrenalb, Waldbronn, Karlsruhe und Region. Manche radeln hierher“, stellt sie fest.

Anekdotenreich

Manche Menschen besuchen schon jahrelang die Vesperkirche. Zwei davon begegneten sich hier. Heute sind sie ein Ehepaar. Dieses Jahr habe sie mit ihren Team-Kollegen so viele Krankheitsgeschichten erlebt. Da sei diese Erfahrung einfach sehr herzerfrischend. „Eine andere schöne Erfahrung ist es, wie unser Arzt anderen hilft, die sonst keine Hilfe bekommen“, sagt Pflaumbaum. Der Arzt ist nur eines von vielen Angeboten, wie dem Tierarzt, der an diesem Donnerstag da ist. Eine Friseurmeisterin lehrt an der Carl-Hofer-Schule und möchte, dass die Lehrlinge mal ein anderes Klientel bekommen.

Rundumversorgung

„Die Vesperkirche ist eine Rundumversorgung für vier Wochen. Das ist für viele Leute sehr wichtig, auch um eine Tagesstruktur zu bekommen. Auch die Ärzte sind notwendig, weil man als sehr hinterher sein muss, damit die Leute zum Beispiel zu einer Magenspiegelung kommen, wenn sie diese brauchen“, berichtet die Pfarrerin. Alle, auch die Ärzte, arbeiten dabei ehrenamtlich. „Unser Ziel ist es, die Leute zu unterstützen, auf dass sie sich irgendwann selbständig versorgen können.“ Die Diakonische Beratungsstelle in der Nähe der Kirche soll zum Beispiel dabei helfen. „Wir möchten den Menschen gute Kleidung anbieten, sodass sie gar nicht so aussehen, als würden sie vorwiegend auf der Straße leben“, sagt Pflaumbaum. Auch die tägliche Andacht und weitere innerhalb der vier Wochen dürfen nicht fehlen. Denn eines ist die Vesperkirche natürlich auch: ein seelsorgerliches Angebot. Dieses solle den Blick weiten, dass nicht nur das Materielle zähle, sagt Pflaumbaum.

Begeistert mit dabei

Sabine Kuppinger ist seit sieben Jahren als Mitarbeiterin bei der Vesperkirche dabei. Über eine Bekannte, die hier auch gearbeitet hat, ist sie auf die Vesperkirche gekommen. Sie hilft überall mit, ist Ordner, „Kaffeeläufer“, d.h. diejenige, die immer für Nachschub sorgt. Das Wichtigste ist ihr der Servierwagen, weil man durch diese Art der Tätigkeit immer in Kontakt mit den Leuten kommt. „Die Vesperkirche ist ein Ort der Barmherzigkeit und der gelebten Nächstenliebe. Jeder ist hier willkommen“, sagt sie und strahlt dabei. Viele Leute kennen sie vom letztem Jahr und freuen sich, dass sie wieder hier ist und sie sich begegnen können. So wird die Evangelische Johanniskirche in der Südstadt an diesem Tag wieder einmal nicht nur zu einem Ort, an dem man miteinander essen und sich austauschen kann, sondern auch zu einem Ort des Auftankens und der Seelenruhe. Im Anschluss daran gibt es das Café Dia mit verschiedenen Angeboten, Gebäck und einmal in der Woche ein warmes Mittagessen.

Weitere Infos unter vesperkirche-karlsruhe.de (war)

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