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Cybergroomer in BW

Kinder vor Internet-Groomern schützen: 6 Fragen & Antworten

Immer mehr Kinder werden im Netz Opfer sogenannter Groomer. Experten erklären, wie Täter vorgehen und wie Eltern ihre Kinder schützen können.
Tochter vertraut sich ihren Eltern an.
Ein offenes Gespräch kann schon ausreichen. Wenn man mit seinen Kindern in Kontakt bleibt und über ihre Internetaktivitäten redet, verringert man die Gefahr.Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Cybergroomer sprechen Minderjährige im Internet gezielt an, erschleichen sich ihr Vertrauen und drängen sie zu intimen Handlungen. Laut einer Umfrage hat bereits jedes vierte Kind unter 18 Jahren entsprechende Erfahrungen gemacht, Mädchen und Jungen sind dabei gleichermaßen betroffen. Experten warnen, dass die Dunkelziffer hoch ist.

Wer ist gefährdet?

Das FBI weist darauf hin, dass besonders Jugendliche mit Depressionen, Suizidgedanken oder Angehörige der LGBTQ+-Community sowie ethnischer Minderheiten gefährdet sein können. Unterm Strich: Kinder mit unerfülltem Nähebedürfnis und mangelhaftem sozialen Netz fallen den Groomern besonders häufig zum Opfer. Gefährdet seien aber alle.

Wo sind Groomer aktiv?

Die Täter nutzen soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Online-Spiele, um ihre Opfer ausfindig zu machen. Meist geht es in den Gesprächen dann zuerst um das Spiel oder Allgemeines, bald aber um das Privatleben der Kinder, erklärt die Hilfsorganisation „Dunkelziffer“. Hat der Täter das Vertrauen gewonnen, versucht er häufig, die Kommunikation auf privatere Plattformen zu verlagern, zum Beispiel WhatsApp oder Telegram.

Wie gehen sie vor?

Auf privateren Plattformen steigt der Druck: Kinder werden aufgefordert, Nacktfotos zu senden, sich selbst zu verletzen oder Gewalt gegen Haustiere auszuüben. Mit der Drohung, Bilder oder Videos zu verbreiten, üben die Täter Kontrolle aus – häufig über Monate hinweg.

Was sind die Warnsignale?

Warnsignale, die auf eine problematische Situation hinweisen, sind vielfältig: Kinder ziehen sich zurück und verändern ihre Stimmung. Sie vernachlässigen ihr Aussehen, schlafen oder essen anders, brechen Hobbys ab und verbringen immer mehr Zeit allein auf ihrem Zimmer.

Wenn die Noten der Kinder schlechter werden, könnte das ein Hinweis auf eine psychische Verstimmung sein. Wenn das Kind seine Arme selbst bei heißem Wetter mit Kleidung verdeckt, könnte das auf selbstverletzendes Verhalten hinweisen.

Besonders alarmierend wird es, wenn Eltern zusätzlich von geheimen Online-Freundschaften erfahren, z.B. durch den Empfang anonymer Geschenke. Problematisch ist zudem, wenn das Kind plötzlich Interesse an Verschwörungserzählungen oder anderen extremistischen Themen zeigt.

Wie kann man es verhindern?

Eltern und Bezugspersonen spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz ihrer Kinder. Offene Gespräche über Online-Aktivitäten und Freundschaften sowie regelmäßige Kontrolle von Accounts können helfen, Gefahren frühzeitig zu erkennen. Technische Hilfsmittel wie jugendgerechte Datenschutzeinstellungen, familiengeführte Accounts oder eingeschränkte Chat-Funktionen können zusätzliche Sicherheit bieten.

Schon bei der Art und Weise, wie man Accounts im Internet anlegt, sollte man darauf achten, keine personenbezogenen Daten, wie etwa den echten Vornamen, zu offenbaren. Täter wissen, dies oft gekonnt auszunutzen.

Was tun im Extremfall?

Fachleute betonen, dass Betroffene niemals die Schuld tragen. Wichtig sei, Vertrauen aufzubauen und Kindern zu vermitteln, dass sie Hilfe bekommen können, ohne dass über sie geurteilt oder ihnen die Nutzung von Netzwerken verboten wird.

Bei konkretem Verdacht sollten Eltern und Erziehende frühzeitig die Polizei einschalten – in akuten Gefahrensituationen unter der Nummer 110. Dabei besser nicht zögern: Eine Meldung bei den Behörden kann das Kind vor tiefgreifenderen Folgen bewahren.

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MAZ – Das Wochenmagazin für Malsch, Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier
Ausgabe 08/2026
von Redaktion NUSSBAUMJustin Schick
16.02.2026
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