„So ein Kleid wollte ich schon immer mal tragen“, freut sich Jagoda, als sie gemeinsam mit ihren Mitschülern die historischen Kostüme anzieht. Zuerst war die Skepsis bei den Achtklässlern der Schule am Kraichbach groß, als Klassenlehrer Manuel Schlosser den Lerngang ins Mannheimer Schloss verkündete. Der Ausflug an sich kam als Idee zum Abschluss der Unterrichtseinheit „Leben am Hof und Französische Revolution“ gut an - aber warum in Kostümen? „Herr Schlosser, Sie schreiben dann aber bitte keinen Zeitungsartikel mit Fotos, das ist peinlich“, baten gleich mehrere Jugendliche. Sobald die Kostüme aber passten und die Diademe, Kronen und Hüte saßen, wurden ad hoc die ersten Selfies geschossen und die anfänglichen Sorgen vergessen. Es war schließlich keine klassische Schlossführung, die die Klasse unternahm. In der speziell für Schulklassen konzipierten Führung schlüpfen die Schüler als „Schauspieler“ in die Rolle des Hofstaates und spielen in Kostümen den Empfang eines Botschafters im repräsentativen Treppenhaus des Schlosses nach. Zunächst lernten die Schüler, wie man sich richtig verbeugt. In verschiedenen Rollen innerhalb der höfischen Hierarchie begrüßten sie ihren Klassenlehrer als Botschafter, der sich höflich zurück verbeugte. Die begleitende Lehramtsanwärterin Marlene Fischer-Rasokat stellte alle Adligen dem Botschafter vor, bis man schließlich bei Kurfürst Karl Theodor im Prunksaal des Schlosses angekommen war. „Das dauert aber ganz schön lange, bis alle begrüßt wurden“, stellte Mirac fest. Nur der Botschafter durfte dem Kurfürsten in die Augen sehen. Der restliche Hofstaat musste gesenkten Blickes rückwärtslaufen, da sie nicht „auf Augenhöhe“ mit dem Kurfürsten waren. In altersgerechter Sprache erfuhren die jungen Besucher viele weitere Informationen über Karl Theodor, die Wittelsbacher das Mannheimer Schloss - immerhin die zweitgrößte Barockschlossanlage Europas. „Der Kurfürst durfte den Kaiser wählen“, teilte Melda ihr in der Schule erworbenes Wissen. Die Schlossführerin zeigte sich erstaunt, was die Jugendlichen noch alles aus dem Geschichtsunterricht wussten. Nach Porträtaufnahmen im Treppenhaus und einem Gruppenfoto im Prunksaal folgte dann die offizielle Erlaubnis von Jana und anderen Mitschülern: „Herr Schlosser, das Foto ist gut. Das können Sie doch gerne für die Zeitung verwenden.“ (ms)


