Wer den Krug der Frau Marthe zerbrochen hat, ist den Schülerinnen und Schülern der Deutschleistungskurse aus den Jahrgangsstufen 1 und 2 des Friedrich-von-Alberti-Gymnasiums bereits bekannt. Doch wie das Lügengestrick des schuldigen Richters Adam in Heinrich von Kleists Komödie „Der zerbrochene Krug“ vom TheaterMobileSpiele szenisch dargestellt wird, mussten sie am Donnerstagnachmittag erst herausfinden. Der Regisseur Thorsten Kreilos ließ die beiden Schauspielenden zahlreiche Ordner, die als Bühnenwände dienten, nach und nach wegnehmen, so wie der Gerichtsfall nach und nach aufgedeckt wurde. Adam spannte zunehmend eine rote Schnur quer durch den Raum, sein Lügengestrick trennte ihn somit vom Publikum und von jeglicher Glaubwürdigkeit ab. In einer Mischung aus Puppen- und Maskenspiel gaben die Schauspielenden aus Karlsruhe den Figuren ihre entsprechende Wirkung. Sie erweckten Eve und ihre Mutter, Frau Marthe, zum Leben; dabei blickte ein riesiges Auge vom Bühnenboden empor, eine Anspielung auf Ödipus, der im Gegensatz zu Adam seine Sehkraft auf dem Weg zur Erkenntnis verlor. Den Machtmissbrauch Adams empfindet das Publikum allein durchs Zusehen: „Man kommt sich schon vom Zuschauen bedrängt vor“, meint eine Schülerin im Nachgespräch. Dass der Schreiber Licht und der Gerichtsrat Walter als Frauen dargestellt wurden, kam beim Publikum sehr gut an. Diese Interpretation erweiterte die Komik der Komödie um die Ernsthaftigkeit der MeToo-Bewegung.