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Klimaforum Obersulm: Wie kann man den auftretenden Überschuss von regenerativer Energie langfristig speichern und zu geeigneter wieder verwenden? Ein Interview mit Professor Eberhard Schlücker, Teil 1

Professor Dr. Schlücker war an der Universität Erlangen im Bereich Chemie- und Bioingenieurwesen tätig und hatte eine Professur für Prozessmaschinen...
Professor Dr. Eberhard Schlücker (rechts) wird interviewt von Karl-Heinz Warnecke vom Klimaforum.
Professor Dr. Eberhard Schlücker (rechts) wird interviewt von Karl-Heinz Warnecke vom Klimaforum.Foto: Warnecke

Professor Dr. Schlücker war an der Universität Erlangen im Bereich Chemie- und Bioingenieurwesen tätig und hatte eine Professur für Prozessmaschinen und Anlagentechnik. Er besitzt mehrere Patente zum Thema Langzeitspeicherung von grüner Energie.
KLIMAFORUM: Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung und Bedeutung der Langzeitspeicherung erneuerbarer Energien ein und welche Formen der Langzeitspeicherung sind die derzeit technologisch und wirtschaftlich am erfolgversprechendsten?
Professor Dr. Schlücker: Die Umstellung des Landes auf regenerative Energien kommt nicht ohne Wasserstoff- und Stromspeicher aus. Dabei ist, besonders für Privatleute, die Speicherung vom Sommer auf den Winter ein wichtiger Aspekt. Mit Batterien würde das sehr schnell sehr teuer werden, daher bietet sich hier die Speicherung in sogenannten LOHCs (Liquid Organic Hydrogen Carriers) an. Allerdings nicht als Stromspeicher, sondern als Wasserstoffspeicher. Also müsste der Strom z.B. von PV-Anlagen zur Wasserstoffherstellung genutzt und dieser dann chemisch eingespeichert werden. Diese LOHC-Flüssigkeit ist nicht feuergefährlich, kann drucklos aufbewahrt werden und kann immer wieder be- und entladen werden.
KLIMAFORUM: Welche Geschäftsmodelle für die dezentrale Energieerzeugung auf kommunaler Ebene z.B. durch Bürgerenergiegruppen werden durch ihre Speichertechnik möglich?
Professor Dr. Schlücker: Aus Kostengründen, sowie aus Energieverlustgründen, ist es sinnvoll, nicht zu große Wärmeversorgungsstrukturen aufzubauen. Mit der LOHC-Technik könnte man Wärme- und Stromerzeugung und -speicherung koppeln, da sowohl bei der Wasserstofferzeugung, als auch der Ein- und Ausspeicherung Abwärmen entstehen, die man als Verluste sehen müsste, die aber sehr gut, in einem kompakten System für Strom und Wärme, genutzt werden können. Damit wäre eine autarke Ganzjahresversorgung, z.B. für Siedlungen etc. möglich. Hierfür bieten sich Genossenschaften an, die ein solches System Ihr Eigen nennen und betreiben.
KLIMAFORUM: Welche Investitionen und laufenden Kosten würde eine autarke Ganzjahres-Energieversorgung erfordern und wie könnten diese Kosten fair auf die Mitglieder einer Energiegemeinschaft verteilt werden?
Professor Dr. Schlücker: Batteriespeicher kosten derzeit mindestens 150 €/kWh. Nimmt man an, dass im Sommer für den Winter gespeichert werden soll, so bedeutet dies für eine normale Familie (ca. 4.500 kWh Jahresverbrauch) ca. 200.000 bis 300.000 € ohne Wärmeversorgung. Mit LOHC sind das ca. 5.000,– €. Bei LOHC ist die Wärme aber zusätzlich inbegriffen. Ein autark machendes System für Strom und Wärme in einem Gemeinschaftsprojekt von ca. 50 Familien wird voraussichtlich unter 10.000 € pro Familie kosten. Laufende Kosten würden nur für Wartung entstehen und die wären sehr gering.
KLIMAFORUM: Was wären aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile für Bürger und Gemeinden, die sich aus den genannten Energiegemeinschaften ergäben? Sehen Sie absehbar Möglichkeiten für Anwendungen dieser Energiewende in Obersulm?
Professor Dr. Schlücker: Ich denke, unsere Gesellschaft hat derzeit viele Probleme. Mögliche Ursachen sind der Verlust an Verantwortung in der Gesellschaft und der Mangel an Gesprächen und Kontakten. Mit dem beschriebenen Energiesystem würden die Menschen einen gemeinsamen Besitz und daher etwas Verantwortung haben und miteinander reden müssen. Die beschriebene Technik ist fast überall anwendbar und damit auch in Obersulm oder auch anderen Gemeinden.

KLIMAFORUM: Herr Professor Schlücker, fürs Klimaforum Obersulm bedanke ich mich herzlich für dieses Interview! Sie werden am 13.11. 2025, um 19.00 Uhr im Kultursaal Affaltrach ausführlich zum Thema Speichertechnik referieren.
Datum: 13.11.2025 Uhrzeit: 19.00 Uhr Ort: Kultursaal Affaltrach
Seien Sie mit dabei, wenn wir gemeinsam die Perspektiven für eine grüne und unabhängige Energiezukunft vor Ort ausloten. Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

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von Wir-Obersulm e. V.Redaktion NUSSBAUM
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