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Oberbürgermeisterwahl

Knappe Mehrheit für Oliver Marzian

Es war ein Wahlabend, der an Spannung kaum noch zu überbieten gewesen wäre.
Der Oberbürgermeister Klaus Heininger (l.) gratulierte dem Wahlsieger Oliver Marzian.Foto: bra

Während der Auszählung lieferten sich die verbliebenen Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters am Sonntagabend ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende hatte Oliver Marzian beim vorläufigen Wahlergebnis 236 Stimmen mehr als Anja Sauer.
Erst gegen Ende der Auszählungen der 23 Wahlgebiete wendete sich das Blatt zu Gunsten von Marzian. Hatte Anja Sauer zu Beginn die Nase vorne, bescherten die Briefwähler Marzian in der entscheidenden Stichwahl doch noch den Sieg. Im ersten Wahlgang hatten 33,5 Prozent für Sauer und 30,5 Prozent für Marzian gestimmt.
Für Marzian war es aber nicht allein wegen der Wahl ein aufregender Tag, wie er nach der Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses erklärte. Am Mittag sei er noch zu einem Feuerwehreinsatz gerufen worden. Für den Zuspruch dankte er seinen Unterstützern. „Ich bin überglücklich“, sagte er. Gleichzeitig sei das knappe Ergebnis auch ein Anlass für Demut.
Was den Ausschlag für den Wahlsieg gegeben hat? Vielleicht die Themen Stabilität und Verlässlichkeit, mit welcher Marzian während seines Wahlkampfes geworben hatte. Immerhin arbeitet der designierte neue Oberbürgermeister bereits seit einigen Jahren als Kämmerer und Leiter Bürgerdienste auf dem Eislinger Rathaus.
Sauer enttäuscht über das Wahlergebnis
Für Anja Sauer ist es ein bitteres Ergebnis. Ein Jahr intensiver Wahlkampf, für den sie rund 31.500 Euro ausgegeben hat, hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Die Enttäuschung ist da“, bekannte sie am Wahlabend. Es sei klar gewesen, dass es ein knappes Ergebnis werden würde. Nun werde sie weiter als Bürgermeisterin in Römerstein arbeiten. Ob sie das Ergebnis angesichts der Vorgänge in den vergangenen Wochen vor der Wahl anfechten wolle, werde sie in den kommenden Tagen entscheiden. „Ich muss das Ergebnis erst reflektieren“, sagte sie. Aus Sauers Sicht hat die Berichterstattung in der örtlichen Tageszeitung über fehlende Angaben zur Wahlkampfinanzierung und die nicht vorhandene Cookie-Abfrage auf ihrer Homepage zum Ergebnis der Wahl beigetragen. Dass Eislingens Ordnungsamtsleiter Marco Donabauer dies nach einem Hinweis von außen dem Landesdatenschutzbeauftragten meldete, ließ in Anja Sauer die Vermutung reifen, es werde eine „Schmutzkampagne“ gegen sie aufgefahren. Ob es vor diesem Hintergrund zu einer Anfechtung des Wahlergebnisses kommen wird, war am Wahlabend offen.
Ob die Umstände des Wahlsieges und das knappe Ergebnis eine Bürde für Marzians Anfang an der Spitze des Rathauses sein werden, muss abgewartet werden. Er wolle die entstandenen Gräben zuschütten, kündigte der designierte Oberbürgermeister an. Ob er allein die durch den Wahlkampf entstandenen Gräben innerhalb der Einwohnerschaft oder auch die Gräben innerhalb des Gemeinderates sowie zwischen Teilen des Gemeinderates und der Stadtverwaltung meinte, war zunächst offen. Auf Nachfrage konkretisierte Marzian, die Gräben innerhalb der Einwohnerschaft gemeint zu haben. Im Gemeinderat gebe es statt Gräben zuweilen lediglich unterschiedliche Ansichten in der Sache. „Jeder will das Beste für die Stadt“, meinte Marzian.
Fast 60 Prozent Nicht-Wähler
Kaum gesprochen wurde am Wahlabend über die größte Wählergruppe, die Nicht-Wähler. Fast 60 Prozent der 15 611 Wahlberechtigten haben von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht. Das bedeutet, dass insgesamt gerade einmal etwas mehr als 21 Prozent der Wählerschaft das Ergebnis entschieden haben. Über die Motivation von Nicht-Wählern zu spekulieren, ist mühselig. Es kann sowohl Zufriedenheit als auch Unzufriedenheit der Grund sein, der Wahlurne fernzubleiben.
Das Ergebnis könnte als knapper Vertrauensbeweis für das Rathaus interpretiert werden. Es zeigt, dass trotz hartem Ringen um einzelne Beschlüsse im Gemeinderat eine dünne Mehrheit der Einwohnerschaft den Kurs in der Stadt unterstützt. Und Marzian hat während seines Wahlkampfes nicht angekündigt, mit dem bisherigen Kurs radikal brechen zu wollen. Andererseits darf der hauchdünne Wahlausgang durchaus als Warnsignal verstanden werden. Anja Sauer hatte damit geworben, eine Kandidatin zu sein, die bisher ausdrücklich nicht in die Eislinger Kommunalpolitik verstrickt ist. Dass das bei sehr vielen Wählern gut ankam, darf durchaus als Denkzettel an die Adresse der Stadtverwaltung und des Gemeinderats verstanden werden. bra

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
23.03.2026
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Eislingen/Fils
Kategorien
Kommunalpolitik
Politik