Japan 2023, 124 Minuten
Deutsche Synchronfassung | FSK: ab 12
Regie: Hayao Miyazaki
Zum 30-jährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Kaminoyama.
In Kooperation mit der deutsch-japanischen Gesellschaft.
Nachdem seine Mutter bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg umgekommen ist, muss der elfjährige Mahito Tokyo verlassen. Er zieht zu seinem Vater und dessen neuen Frau in ein altes Herrenhaus, das sich auf einem riesigen Landgut befindet. Isoliert von der Welt beginnt Mahito, die verzauberten Landschaften, die sein neues Zuhause umgeben, zu erforschen, und begegnet einem mysteriösen Graureiher, der hartnäckig an seiner Seite bleibt. Nach und nach wird der Reiher zu seinem Führer und hilft ihm, die Welt um ihn herum besser zu verstehen und die Geheimnisse des Lebens zu lüften.
Sehr feinsinnig zeigt Miyazaki, wie sich der adoleszente Protagonist vor den Erwachsenen stets gefasst gibt und den Schein der Höflichkeit wahrt, während er sich, sobald er allein ist, betrübt und erschöpft ins Bett fallen lässt. Der Schmerz und die zunächst unterdrückte Wut werden auf subtilem Wege deutlich, bis sich all die Trauer und all der Zorn in einem Streit mit einem Gleichaltrigen und in einem autoaggressiven Akt entladen. Das Surreale kündigt sich derweil bereits in Mahitos Albträumen an; der titelgebende Graureiher befördert den Film schließlich gänzlich ins Unwirkliche.
Der 1941 in Tokio geborene Hayao Miyazaki hat mit dem berühmten Studio Ghibli zahlreiche wunderschöne Animes geschaffen, etwa „Das Schloss im Himmel“ (1986), „Prinzessin Mononoke“ (1997) und „Chihiros Reise ins Zauberland“ (2001). Sein neuer Film „The Boy and the Heron“ soll nun angeblich sein letzter sein. Falls sich dies bewahrheiten sollte, lässt sich zweifellos festhalten: Miyazaki sagt uns mit diesem Abenteuer auf gewohnt poetische Art und Weise Adieu – und vereint noch einmal alles, was sein Œuvre seit jeher so einnehmend macht.
Der stimmige Mix aus kindlich-märchenhaftem Witz, starken Bildern und einer empathisch erzählten Heldenreise macht dieses (Abschluss-)Werk zu einer kraftvollen und auch persönlichen Ode an die Herausforderungen des Aufwachsens. Wir werden Miyazakis künstlerische Vision in Zukunft gewiss vermissen.
Quellen: Japan-Filmfest Hamburg, kino-zeit.de, Filmkritik von Andreas Köhnemann


