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Sohn Schwetzingens

Konzert zum 200. Todestag von Franz Danzi

Ein berühmter Musiker und Komponist der Mannheimer Schule war der am 13.4.1826 in Karlsruhe verstorbene Franz Ignaz Danzi.
Im Gespräch über Danzi vlnr: Leony Gräfe, Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst und Katharina Simmert
Im Gespräch über Danzi vlnr: Leony Gräfe, Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst und Katharina Simmert.Foto: aw

Im Vorfeld zu diesem Konzert führten wir ein Gespräch mit Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungszentrum Hof I Musik I Stadt, einem Kooperationsprojekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg mit Unterstützung der Stadt Schwetzingen, der Wissenschaftlichen Hilfskraft Leony Gräfe und der Geschäftsführerin der Mozartgesellschaft Schwetzingen Katharina Simmert.

Schwetzinger Woche: Ein berühmter Musiker und Komponist der Mannheimer Schule war der am 13.4. 1826 in Karlsruhe verstorbene Franz Ignaz Danzi. Doch geboren wurde er höchstwahrscheinlich in Schwetzingen, das Taufdatum am 15.6.1763 ist im Kirchenbuch von St. Pankratius in Schwetzingen jedenfalls festgehalten.

Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst: Danzi feierte zwar seinen Geburtstag am 15.5. doch waren Geburtstage seinerzeit nicht so wichtig zu nehmen, eher der Namenstag wurde gefeiert. Falls Danzi aber doch am 15.5. geboren wurde kann es noch in Mannheim gewesen sein, da der Umzug des Hofstaates nach Schwetzingen Mitte Mai stattfand. Da Kinder aber damals wegen der hohen Kindersterblichkeit noch am Tage der Geburt oder kurz darauf getauft wurden ist sein Geburtsdatum fraglich.

SW: Der Vater wurde auf Empfehlung als Solocellist aus Norditalien an den Mannheimer Hof verpflichtet und seine Mutter war Barbara Toeschi. Die Familie wohnte in Schwetzingen in der Carl Theodor Straße Nr. 3.
Thomsen-Fürst: Es war damals üblich Lehrer aus dem Ausland zum Aufbau der neuen Mannheimer Schule zu verpflichten, so kam 1754 auch Innocenz Danzi hierher. Somit waren Franz und seine europaweit musikalisch sehr erfolgreiche Schwester Franziska Lebrun-Danzi Kinder mit Migrationshintergrund, ein Beispiel gelungener Integration.

SW: Der junge Franz bekam Unterricht von seinem Vater und Georg Joseph Vogler und blieb nach dem Wegzug des Hofes 1778 nach München zurück in Mannheim.
Dr. R. Th-F: Er wurde Opernkorrepetitor am neu gegründeten Hof- und Nationaltheater Mannheim. Dort wurde auch 1780 seine erste Oper "Azakia“ uraufgeführt und das Melodram „Cleopatra“.
Leony Gräfe: Das Melodrram war eine Gattung die am Hof sehr verwurzelt war. Hier war man neugierig und fortschrittlich und griff die Melodramen von Georg Bender auf und spielte sie in der Kurpfalz.

SW:Danzis und Mozarts Lebenswege kreuzten sich mehrfach: hörte Wunderkind Mozart 1763 beim Vorspiel vor dem Kurfürsten Carl Theodor vielleicht nur Franz´ Babygeschrei so begegneten sie sich sicher 1777 beim zweiten Besuch Mozarts in Mannheim. Später führte Danzi Mozarts Opern in Stuttgart und Karlsruhe auf.
Dr. R. Th-F: Ja, Danzi war an drei großen Höfen im süddeutschen Raum angestellt: in München als Vizekapellmeister, in Stuttgart und Karlsruhe als Hofkapellmeister. Er war einer der größten Bewunderer Mozarts seinerzeit, besonders in späteren Jahren und machte Mozarts Themen auch zu seinen in den eigenen Werken.

SW: In der Münchner Zeit lag Danzis Hauptaugenmerk auf der Komposition von Opern, mit mäßigem Erfolg. Als Hofkapellmeister in Stuttgart wandte er sich als Lehrer an der Hohen Karlsschule den Bläsern zu. Und ging dann als Badischer Hofkapellmeister nach Karlsruhe.
Dr. R. Th-F: Er komponierte noch weitere nachhaltige Werke wie „Mitternachtsstunde“ in München oder „Der Berggeist“ in Stuttgart. Aus der Zeit in Karlsruhe stammen Bläserkompositionen die bis heute überlebt haben.
Leony Gräfe: Eine große Neuerung der Mannheimer Schule war der nicht mehr wegzunehmende Einsatz von Bläsern. War bisher der Focus der Musik auf den Streichern gelegen, gewannen die Bläser jetzt immer mehr an Bedeutung.

SW:Wie kam es nun zu dem Konzert für Franz Danzi am 13.4.2026 in der Taufkirche St. Pankratius an seinem 200. Todestag?
Katharina Simmert: Herr Thomsen-Fürst stellte den Kontakt zu Anders Muskens her, ein promovierter Musikwissenschaftler aus Kanada. Er hat sich der historisch informierten Aufführungspraxis der Mannheimer Schule verschrieben und das Neue Mannheimer Orchester gegründet. Bei einem Treffen im Kulturbüro der Stadt Schwetzingen entstand die Idee zu diesem Konzert und das Programm. Aufgeführt werden von W.A. Mozart das Quintett in Es-Dur KV 452, von Franz Danzi die Klaviersonate F-Dur op 3, hier hat den zweiten Satz Danzis Ehefrau Margarethe Manchand geschrieben. Das Fortepiano spielt der Pianist Anders Muskens selbst. In der Besetzung Klavier und vier Bläser spielen sie zum Abschluss das Klavierquintett d-Moll op 41 von Franz Danzi. Das Konzert wird wieder unter dem Konzept „Zahle soviel Du kannst“ angeboten. Der Kartenverkauf läuft bereits.
Dr. R. Th-F: Nur Danzi, Mozart und Beethoven haben Klavierquintette dieser Art komponiert. Das Konzert bietet eine besondere Auswahl der Kammermusik..

Die Fragen stellte Angelika Bergmann-Scherer.

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Schwetzinger Woche
Ausgabe 11/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
09.03.2026
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