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Konzertbericht Klavierabend Kotaro Fukuma am 28.03.

Klavierspiel ohne Grenzen Kotaro Fukumas grandioser Klavierabend im Bürgerhaus Kelter Manchmal, nicht oft, gibt es auch für erfahrene...
Der Künstler vor dem begeisterten Publikum
Foto: K. Fukuma

Klavierspiel ohne Grenzen

Kotaro Fukumas grandioser Klavierabend im Bürgerhaus Kelter

Manchmal, nicht oft, gibt es auch für erfahrene Konzertbesucher Abende, bei denen man das Gefühl hat, bei einem ganz besonderen Ereignis dabei gewesen zu sein. Konzertabende, die lange in Erinnerung, wenn nicht unvergesslich bleiben.

Für solche Abende spielen viele Faktoren eine Rolle, bedingen sich gegenseitig und wirken im besten Fall glücklich zusammen: Konzertraum, Instrument, Atmosphäre, ein aufmerksames Publikum und nicht zuletzt ein Künstler, der durch das alles inspiriert, mit überragender Kunst seinerseits zum Inspirator wird und alle Anwesenden in seinen Bann zieht.

Am vorvergangenen Samstag war im restlos ausverkauften Bürgerhaus Kelter so ein Konzertabend zu erleben und mit dem japanischen Pianisten Kotaro Fukuma ein Künstler von Weltruf und absoluter Weltklasse zu Gast, für den es auf dem Instrument keine technischen Grenzen zu geben scheint, der, stets der Klarheit des musikalischen Ausdrucks verpflichtet, selbst schwierigste Passagen und verrückteste Spielanweisungen (z.B. Schumannsonate) mit frappierender Selbstverständlichkeit auszuführen vermag, der dem herrlich klingenden FAZIOLI-Flügel ein riesiges Spektrum an Klangfarben und Dynamiken entlocken konnte und der vor allem in der Lage ist, mit seiner großen Kunst das Publikum zu berühren.

Auf dem Programm: 4 große Klaviersonaten, allesamt das jeweilige op.22 der Komponisten Beethoven, Schumann, N. Medtner und A. Ginastera und allesamt Werke, die sich „gewaschen“ hatten (so beschrieb Beethoven sein op.22 seinem Verleger) und die, durch dieses Band verknüpft, den Zuhörenden wie durch ein Fenster einen faszinierenden Blick auf verschiedene Epochen der Musikgeschichte und damit auch auf ganz verschiedene Klanglandschaften ermöglichten. Kotaro Fukuma interpretierte jedes Werk auf seine eigene Weise, spielte Beethoven großartig ohne falsches Pathos eher in helleres Licht getaucht, virtuos und heiter verspielt, verband in der g-Moll Sonate von Schumann, überbordende, rasende Leidenschaftlichkeit mit berührender, fast schlichter Zartheit, beides Seelenzustände, die so typisch sind für die innere Zerrissenheit des Komponisten.

In der spätromantischen Klaviersonate des Russen Nikolaj Medtner (welche Entdeckung!) führte Kotaro Fukuma eindrucksvoll vor, wie sich leidenschaftlicher Ausdruck in der Komposition nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, in harmonische und strukturelle Verdichtung richten kann. Faszinierend, wie hier die einzelnen Themen in immer wieder neuer Gestalt und Klangumgebung in Erscheinung traten. Ein hochkomplexes, farbiges Werk, überragend gespielt.

Den Abschluß und vielleicht den Höhepunkt des Abends bildete die hochvirtuose Klaviersonate des Argentiniers Alberto Ginastera. Wie Kotaro Fukuma die tänzerische Exzentrik des 1. Satzes, das geisterhafte Hochgeschwindigkeitspianissimo des 2. Satzes und vor allem die fantastisch gesteigerte Rhythmik des Schlusssatzes, war schlichtweg atemberaubend. Klavierspiel ohne Grenzen, aller Fesseln ledig!

Nach dem Schlußakkord gab es kein Halten mehr: Spontane Standing Ovations aller Anwesenden. Wann hat es das im Keltersaal je gegeben? Der sympathische Künstler bedankte sich beim restlos begeisterten Publikum mit zwei weiteren Pretiosen: Franz Schuberts „Ständchen“ in der Bearbeitung von Liszt, wunderbar schlicht und berührend dargeboten und mit einer ebenso feinen Novelette von F. Poulenc.

Ein grandioses Konzert, mit dem Kulturring Winterbach im kleinen Bürgerhaus Kelter

ein ganz großer Wurf geglückt ist!

Erscheinung
Winterbach mehr als Heimat Mitteilungsblatt
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Ausgabe 15/2026
von Kulturring Winterbach
07.04.2026
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