Der Biotopverbund ist ein zentrales Instrument des gesetzlichen Natur- und Artenschutzes mit dem Ziel, Lebensräume von Pflanzen und Tieren zu vernetzen, damit sich die Arten untereinander austauschen können. Das hilft, ihr langfristiges Überleben zu sichern und die Biodiversität zu stärken. Im Flächennutzungsplan soll auf die Flächen des Biotopverbunds Rücksicht genommen werden, damit keine wichtigen Vernetzungsachsen unterbrochen oder erheblich beeinträchtigt werden.
Andererseits können durch Maßnahmen zur gezielten Entwicklung zusammenhängender ökologisch hochwertiger Flächen frühzeitig Ökopunkte auf dem Ökokonto angesammelt werden. Die Ökopunkte stehen der Stadt später als vorweggenommene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Bauvorhaben zur Verfügung, erhöhen die planerische Flexibilität und sparen Kosten in einer späteren Bauleitplanung.
Die Biotopverbundplanung wurde im Mai 2025 vom Gemeinderat Bad Wildbad beschlossen. Für das aktuelle Jahr müssen bisher nicht eingeplante Kosten berücksichtigt werden, die sich ergeben aus notwendigen faunistischen Untersuchungen, planerischen Leistungen zur Identifikation und Sicherung von Biotopverbundachsen im Rahmen der Flächennutzungsplanung, durch Abstimmung des Biotopverbunds mit geplanten Bauflächen und Entwicklungsgebieten, durch Maßnahmen zur Aufwertung und Sicherung von Flächen und aus Abstimmungs- und Beteiligungsprozessen.
Bürgermeister Marco Gauger sagte während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, es sei ärgerlich und tue weh, zusätzliche Mittel aus einem anderen Haushaltsposten herauszuschneiden. Aber es liege viel Potential im Thema Ökokonto, denn erstmalig könne die Stadt die angesammelten Ökopunkte gewinnbringend selber verwenden oder auf den Markt bringen. Mit der Biotopverbundplanung habe Bad Wildbad eine gute Grundlage für Bauleitplanung und Baufreigabe.
Rita Locher signalisierte „zähneknirschende Zustimmung“, weil sich die Stadt dieser gesetzlichen Pflichtaufgabe nicht entziehen könne und sonst Fördergelder zurückzahlen müsste. Die neuen Kosten seien aber nur „schwer verdaulich“. Die rechtlichen Aufgaben kämen nicht über Nacht, und es sei erforderlich, dass solche Großprojekte eine punktgenaue und vorausschauende Finanzplanung haben.
Für die außerplanmäßigen Kosten der Biotopverbundplanung müssen die Mittel herhalten, die für die Erneuerung des Sonnenschutzes in der Fünf-Täler-Schule eingeplant waren. Bürgermeister Gauger versicherte, dass der Sonnenschutz nicht gestrichen sei, sondern zusammen mit der Fassadensanierung der Schule erneuert werde.
Der Gemeinderat beschloss mit zwei Gegenstimmen, die zusätzlichen Mittel, die für die Fortführung der Biotopverbundplanung notwendig sind, aus der Gebäudeunterhaltung der Fünf-Täler-Schule Jahnstraße bereitzustellen. (cb)