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Kriegsende im Filderdorf – Teil 2

1945: Kriegsende im Filderdorf – Teil 2 Bericht von Dr. Wilhelm Kohlhaas in der Esslinger Zeitung vom 20.4.1970 Unnütz gefallen Ich...

1945: Kriegsende im Filderdorf – Teil 2

Bericht von Dr. Wilhelm Kohlhaas in der Esslinger Zeitung vom 20.4.1970

Unnütz gefallen

Ich sagte noch meinen betagten Eltern Lebewohl und machte mich – immer zu Fuß und immer auf die Begegnung mit den ersten Feindpatrouillen gefasst – auf den Rückweg. Im Körschtal schloss sich mir Bauführer Fischer aus Neuhausen an, der mich später noch oft darauf ansprach, wie ich die Volkssturmwache am Scharnhauser Brückchen beschworen habe, ihren Posten aufzugeben, wo sie gegen Panzer hilflos seien. Doch sie trauten sich nicht, ihre Angst vor einem Obergruppenleiter war größer, und so seien derer wirklich einige ganz unnütz gefallen.

Ring geschlossen

Beim Überschreiten der Höhe sah man an den Einschlägen bis zum Kirchheimer Raum, dass der Ring überall geschlossen war. In Neuhausen hörte ich, der Feind stehe schon bei Aich und Leinfelden. Ein Teil unserer Leute wollte noch auf der Nürtinger Straße ausbrechen, ich hielt keinen zurück.

Einfügung

In diesen Apriltagen vor 25 Jahren wurde der Raum Esslingen von Amerikanern und Franzosen besetzt.

Die Stadt Esslingen wurde am 22. April den Amerikanern übergeben. Darüber und wie besonders Fabrikant Hans-Karl Riedle, Dr. Emil Mackh, Dr. Fitz Landenberg und Ludwig Strauß Esslingen vor großem Unheil in letzter Minute bewahrten, haben wir schon oft berichtet. Wir bringen daher heute als Erinnerung den Artikel „Kriegsende im Filderdorf“ aus der Feder von Dr. Wilhelm Kohlhaas.


Dr. Wilhelm Kohlhaas (71) ist ein Sohn des in Stuttgart tätig gewesenen Obermedizinalrates Dr. Max Kohlhaas, dessen Lebenserinnerungen er in der REIHE 2 „Lebendige Vergangenheit“ herausgab.

Seine Eindrücke als junger Soldat im Stuttgarter Olga-Regiment hat er später in der Biographie seines bewunderten Kompanieführers, dem späteren Bundeswohnungsbauministers Eberhard Wildermuth, in einem Erstlingsroman „Der Häuptling und die Republik“ und in mehreren Studien zur Bekämpfung der um die Revolutionsereignisse entstandenen Legendenbildung festgehalten. Aus seiner Laufbahn als Richter und Staatsanwalt ist Dr. Kohlhaas, der sich der nahenden Machtergreifung der NSDAP mit großer Besorgnis widersetzt hatte, 1933 ausgeschieden. In dieser Zeit entstand sein Roman über das Kap-Regiment („Die Schiller-Brüder“1934) und die Buchausgabe der farbigen Erinnerungen des württembergischen Reiters Benedikt Peter. Nach einer Reihe abenteuerlicher Einsätze, die ihn 1941 sogar bis Bagdad führten, hat Dr. Kohlhaas als verwundeter Offizier bei Kriegsende durch sein entschlossenes Eingreifen seinen damaligen Wohnort Neuhausen (Fildern) vor einer sinnlosen Verteidigung und den Repressalien der Sieger bewahrt und in der darauf folgenden zweijährigen Kriegsgefangenschaft unermüdlich im Unterrichtswesen für seine Kameraden die Umstellung auf die Heimkehr vorbereitet.

Abschrift aus: Esslinger Zeitung, „Esslinger Seite“, 1970

Erscheinung
exklusiv online
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Neuhausen auf den Fildern
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