Am vergangenen Samstag trat der KSV Hemsbach auswärts in Brötzingen an – und setzte sich eindrucksvoll mit 29:8 durch. In der Halle herrschte lautstarke Stimmung, die von Beginn an zeigte: Brötzingen wollte sich nicht kampflos ergeben. Für Hemsbach wiederum ging es darum, die Tabellenposition zu halten und den Abstieg in die Landesliga zu vermeiden. Doch der Abend entwickelte sich zu einem jener Wettkampftage, die eine Mannschaft aufrichten können: souverän, selbstbewusst und mit sehenswerten Aktionen.
Im Auftaktkampf musste Mattis Otto (57 kg GR) gegen einen aggressiv ringenden Neal Maier abgeben. Maier drehte konsequent durch und setzte Punkt um Punkt, bis die Technische Überlegenheit stand – 0:4 für Brötzingen. Ein schmerzvoller Beginn, aber Mattis blieb kämpferisch und gab kein Signal des Aufgebens.
Dann jedoch leitete Dominic Weickinger (130 kg FR) die Wende ein – und zwar spektakulär kurz. Bereits nach 15 Sekunden legte er seinen Gegner nach einem schnellen Konter auf die Schultern. 4:0 für Hemsbach; abgeklärt, abgebrüht, und taktisch genau im richtigen Moment explosiv.
Oliver Lehnert (61 kg FR) blieb trotz frühem 0:4-Rückstand ruhig, drehte auf, punktete im richtigen Moment und schulterte Meslem – erneut volle 4 Punkte. Kevin Fluh (98 kg GR) geriet kurz ins Hintertreffen, mit einem Gegner, der gute 20 Kilogramm kräftiger war als er selbst, nutzte aber den ersten technischen Fehler seines Gegners konsequent aus und konterte mit einem Kopfhüftschwung zum Schultersieg – wieder 4 Punkte. Bener Ibrahim Kaya (66 kg GR) zeigte dann den Moment des Abends: ein sauberer, technisch astreiner Suplex, kraftvoll und kontrolliert – stehender Jubel in der Hemsbacher Ecke!
Nach der Pause wurde nicht nur gerungen, sondern auch Charakter gezeigt. Esmail Hajibabaei (86 kg FR) drehte einen sehr taktischen Kampf und holte einen ungefährdeten Punktesieg – keine Show, sondern pure Arbeit, die zählt. In der 71-kg-Klasse trat Vladyslav Chornovil an; mit gebrochener Nase, ärztlich freigegeben, aber sichtbar angeschlagen. Er kämpfte, blutete, wischte, kämpfte weiter – und gewann trotz allem. Kein Effekt-Sieg, sondern Willenskraft pur. Enes Gül (80 kg GR) schulterte seinen Gegner nach weniger als einer Minute und machte den Hemsbacher Block an Schultersiegen perfekt.
Ein Rückschlag folgte in 75A: Kai Nischwitz fand nicht in den Kampf und musste eine Technische Niederlage hinnehmen – ein Ergebnis ohne Drama, aber eines, das zeigt: Manchmal reicht es nicht für jeden. Den Abschluss setzte Falu Lowe (75B FR) mit einem fokussierten, geduldigen und jederzeit kontrollierten Aufgabesieg – erneut volle vier Punkte.
29:8 klingt klar. Es war klar. Der Abstieg wurde verweigert und der KSV kann nun durchatmen. Diese Mannschaft kann technisch, taktisch, mental deutlich mehr, als die Tabelle derzeit zeigt. Doch sie muss aus dominanten Abenden wie diesem nicht nur Jubel mitnehmen, sondern Demut, Wiederholungsfähigkeit und Trainingshärte.
Am gleichen Tag wie die Erste Mannschaft reiste die Schülermannschaft des KSV zum Tabellenzweiten nach Ispringen. Schon beim Betreten der Halle war zu spüren: Hier erwartet die jungen Hemsbacher ein intensiver Auswärtskampf, geprägt von Stimmung, Erfahrung und körperlicher Präsenz des Gegners. Ispringen ließ früh erkennen, warum sie sich im oberen Tabellenfeld festgesetzt haben – technisch sauber, konsequent im Griff und in den entscheidenden Momenten eiskalt. Doch trotz des deutlichen Ergebnisses zeigte der KSV Hemsbach, was diesen Nachwuchs auszeichnet: Mut, Lernbereitschaft und Kampfgeist. Sie standen nicht einfach auf der Matte, sie stellten sich – und das mit Herz.
Zum Auftakt musste sich Eren Yücel in nur 22 Sekunden geschultert geben. Gegen einen so souverän agierenden Gegner konnte er kaum eigene Akzente setzen. Auch Emilio Castellani hatte gegen den körperlich überlegenen Muhammad Sukkoev eine schwere Aufgabe vor sich. Er kämpfte tapfer, kam sogar zu einem Punkt, musste sich aber schließlich ebenfalls per Schultersieg geschlagen geben.
Im 27-kg-Duell folgte dann der erste große Moment des KSV Hemsbach: Kuzey Salih drehte den Kampf trotz früher Wertung gegen ihn in letzter Sekunde und schulterte seinen Gegner nach 14 Sekunden. Ein schneller, aber emotionaler Höhepunkt – ein Beweis, dass Hemsbach auch an einem schweren Tag glänzen kann. Auch Alara Salih lieferte im 34-kg-Freistilkampf eine beeindruckende Leistung. Ruhig, taktisch klug und im richtigen Moment entschlossen sammelte sie Punkt um Punkt und sicherte den zweiten Sieg des Tages – verdient, sauber und technisch überlegt.
In mehreren Gewichtsklassen blieb der KSV Hemsbach unbesetzt, was das Ergebnis zusätzlich beeinflusste. Luca Olenberger, Lennard Löffel, Valentino Castellani und Luise Fuhr kämpften beherzt, mussten jedoch gegen stark aufgestellte und variationsreiche Gegner Niederlagen einstecken.
Trotz der klaren Endwertung war der Kampf wertvoll: nicht als Rückschritt, sondern als Entwicklungsstufe. Die Hemsbacher Kinder sehen, wo Spitzenvereine stehen, wie konsequent Technik ausgeführt wird und wie entscheidend jede Sekunde sein kann. Das Ergebnis tut weh, aber es bildet – charakterlich wie sportlich. (pm)