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Dies und das

Kultfestival am letzten Juniwochenende

Von Punk bis Celtic Folk: Polterplatz setzt auf Vielfalt und Tradition Schon die Anreise weckt Erinnerungen: Eine 1,5 Hektar große Wiese liegt inmitten...
Die Musik der Manky Melters steht für handwerklich ausgereiften keltischen Folk-Punk, bei dem unter anderem Banjo und Fiddle den Ton angeben. Sie sind der Top-Act am Freitagabend.Foto: Privat

Von Punk bis Celtic Folk: Polterplatz setzt auf Vielfalt und Tradition

Schon die Anreise weckt Erinnerungen: Eine 1,5 Hektar große Wiese liegt inmitten des idyllischen großen Enztals, daneben ein geschotterter Bereich für Bühne, Tanzfläche und Lagerfeuer, dem sich zwei Holzhütten mit Sanitärbereich und Gemeinschaftsräumen anschließen. Der ehemalige Holzlagerplatz und spätere Jugendzeltplatz in Bad Wildbad-Christophshof ist am letzten Juniwochenende zum 35. Mal Austragungsort des Polterplatz-Festivals. Viele treue Fans aus der näheren und weiteren Umgebung sind mit dem legendären Umsonst-und-draußen-Event inzwischen groß bzw. alt geworden. Auf der anderen Seite gehören auch etliche Bands schon seit Jahren zu den Stammgästen des Polterplatz-Festivals, versteht sich dieses doch zum einen als Plattform für den lokalen Nachwuchs, zum anderen als Bühne für etablierte Lokalmatadoren und (semi-)professionelle Formationen aus ganz Deutschland und den Nachbarländern, welche das besondere Flair in Bad Wildbad und die eingeschweißte Polterplatz-Familie zu schätzen gelernt haben. Dank des traditionellen Kultstatus des Festivals haben sich schon viele langjährige Beziehungen entwickelt, ein Netzwerk, von dem die Veranstalter bis heute profitieren. „Wir bekommen meistens mehr Bewerbungen als für das abendfüllende Programm erforderlich“, meint Jörg Achache, Vorsitzender des organisierenden Vereins Musik und Kultur Wildbad e.V.

Auch am Samstag, 27., und Sonntag, 28. Juni, erwartet die Besucher wieder viel Abwechslung und Gelegenheit zum Abrocken und Feiern, mit zehn Musikgruppen auf der Bühne, einer Festmeile mit diversen Verpflegungsständen und einem Weißwurst-Frühstück am Samstag und Sonntag. Achache rechnet an beiden Tagen mit jeweils rund 800 Besuchern. Wie in den Vorjahren steht die große Wiese erneut – gegen einen kleinen Unkostenbeitrag – als Zelt- und Wohnmobilplatz für Camper zur Verfügung. Für die Kinder wird es am Samstagnachmittag zwischen 15 Uhr und 17 Uhr ein spezielles Mitmach-Programm unter der Leitung der beiden hauptamtlichen Jugendhaus-Mitarbeiterinnen Julia Derr und Tetiana Tsikava geben. An der „Betrink-Bar“, der „Abarbierbar“, der „Polterbar“ und der „Ess-Bar“ können sich die Gäste mit Speisen und Getränken eindecken. Es stehen unter anderem Brat- und Currywurst, Steaks, Fleischkäse, Frühlingsrollen, Asia-Pfanne und Pommes zur Auswahl.

Von Funk und Punkrock bis Celtic Folk am Freitag

Musikalisch startet der Freitag um 19.30 Uhr mit „Breathing Mess“, einer jungen Band aus Calw. Die drei Jungs bezeichnen ihren Stil als „Frunge“, eine Kombination aus dem Grunge-Sound der 90er, angelehnt an die „Stone Temple Pilots“ mit funkigeren Elementen von zum Beispiel den „Red Hot Chili Peppers“. Live besticht die Formation durch einen „rohen, ehrlichen Klang“ und „eine ansteckende Energie“, wie deren Info zu entnehmen ist. Die Pforzheimer Band „Lola Lunte“ bringt anschließend „neuere Neue Deutsche Welle“ auf den Polterplatz, aber auch Indie oder die 70er, dazu „eine Prise Britpop“, verpackt in selbst gestaltete Lieder mit deutschen Texten. Im letzten Jahr noch Ersatzband darf die vierköpfige Kombo in diesem Jahr den Auftakt mitgestalten und das Publikum auf die Top-Acts des Abends einstimmen.

Gegen 22.10 Uhr betritt die französische Folk-Gruppe „The Manky Melters“, bekannt aus früheren Polterplatz-Auftritten unter dem Namen „Moorings“, die Bühne. Die fünf Musiker rund um Frontfrau Giada haben sich dem Celtic Punk verschrieben und bedienen alles, was von dem Genre erwartet werden kann. Banjo und Fiddle fetzen um die Wette, und die Sängerin entpuppt sich als Rockröhre, bei der jeder wach und in Bewegung bleibt. Mit deutschem Punkrock von „Nevermind“ geht es in die Nacht hinein, wobei neben lockeren, spaßigen Themen auch ernstere Inhalte zur Sprache kommen, ohne jedoch den moralischen Zeigefinger erheben zu wollen. Ihr erster Auftritt in Bad Wildbad reicht laut Achache rund 20 Jahre zurück, seither besteht ein freundschaftliches Verhältnis. Das Publikum erwartet eine bunte Mischung aus von Schlagzeug und Bass getriebenen E-Gitarren, melodiösen Midtempo-Nummern mit Ohrwurmgarantie und akustischen, balladesken Klängen, die für Gänsehaut sorgen. Wer danach noch nicht genug um die Ohren und in den Beinen hat, kann mit DJ Jim Tronic noch bis in die frühen Morgenstunden abfeiern.

„Schwobarock“ und energiegeladene Beats am Samstag

Der Samstag bietet einiges für Hartgesottene und startet um 17 Uhr mit „Idolz“, einer Schülerband aus Straubenhardt, die Coversongs auf ihre ganz eigene Art interpretiert. Es folgt die aus früheren Auftritten bekannte „Sommelädr Kapell“, deren selbst gemachter „Schwobarock“ sich an die Rockmusik der letzten 50 Jahre anlehnt, dabei aber auch Elemente anderer Genres aufgreift. Nummer drei des Abends ist „Affront“ aus Karlsruhe. Die drei Musiker sind mit ihrer Mischung aus deutschsprachigem, experimentellem Crossover und Nu-Metal, Rap und Elektro-Sounds keine Unbekannten bei den langjährigen Fans. Ob wütende Riffs, tiefgehende Beats, fette Grooves oder dynamische Wechsel zwischen Aggression und Melodie – das Powertrio liefert eine unverkennbare Mischung, die Köpfe nicken und Bühnen beben lässt. Mit ihrem anspruchsvollen, melodiösen und tanzbaren Repertoire wollen anschließend die vier Jungs von „Tune Circus“ das Publikum verzaubern. Egal, ob Alternative, Pop, Indie oder elektronische Klänge - die Band aus Ludwigsburg/Stuttgart verbindet scheinbare Gegensätze mühelos zu einem eigenständigen, zeitlosen Sound.

An fünfter Stelle des Programms steht die Frankfurter Kombo „Revolte Tanzbein“. Sie bewegen sich seit 15 Jahren mit satten Bläsersätzen, viel Energie und kultiger Bühnenshow zwischen Russendisko, Patchanka und Ska in einer ganz eigenen Welt aus Offbeat-Rhythmen mit deutschen Texten. „Martin Lang vom ehemaligen Sportstudio EnzAktiv hat mir die Band empfohlen“, so Jörg Achache, der sich freut, dass es nach deren Absage im letzten Jahr nun mit dem Engagement klappt. Zum Abschluss wird der Top-Act des Abends, die Band „AC/BC“ aus dem Odenwald, die Bühne betreten und von den ersten Alben der australischen Hardrocker „AC/DC“ bis zu den aktuellen Stücken ein authentisches, zeitloses „High-Voltage“-Programm mit charakteristischen, brettharten Sounds und der entsprechenden leidenschaftlichen Bühnenshow bieten. Bereits vor vier Jahren haben sie die Fans mit ihrer Perfomance begeistert.

Ein kostenpflichtiger Taxi-Shuttledienst ist wiederum eingerichtet. Die Fahrzeiten sind Freitag von 18 Uhr bis 23 Uhr und Samstag von 17 Uhr bis 23 Uhr zum Festivalgelände und jeweils von 1 Uhr bis 3 Uhr zurück zum Wildbader Bahnhof. Autofahrer können entlang der Landesstraße L351 in Richtung Enzklösterle parken. Die Hinweisschilder sind zu beachten. Infos auch unter www.polterplatz.de. (kf)

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
15.06.2026
Orte
Bad Wildbad
Enzklösterle
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