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Eine Figur voller Gegensätze

Kunstwerk des Monats Februar: Der Bockspringer

Kunst ist in Schwetzingen überall zu sehen. In dieser Reihe erläutern wir die Hintergründe verschiedenster Kunstwerke aus verschiedenen Epochen.
"Bockspringer" von Heinz Friedrich
Mal statisch, mal dynamisch: Die Skulptur "Bockspringer" in Schwetzingen von Heinz Friedrich ist das Kunstwerk des Monats Februar.Foto: Tobias Schwerdt

Kunst ist in Schwetzingen allgegenwärtig. Hinter vielen Kunstwerken, die sich in den Alltag des städtischen Lebens integriert haben, stecken allerdings Geschichten, die viele noch nicht kennen. Im „Kunstwerk des Monats“ werden die Hintergründe aufgezeigt. Im Februar erklärt Kunsthistorikerin Dr. Barbara Gilsdorf, was es mit dem Bockspringer von Heinz Friedrich auf sich hat.

Was sieht der Betrachter, wenn er sich den Bockspringer von Heinz Friedrich anschaut?
Dr. Barbara Gilsdorf: Er sieht zwei kantige Figuren, die sich als menschliche Gestalten benennen lassen. Der Aktive ist eben jener Bockspringer, der über eine passive, gebeugte Figur hüpft. Dieser abstrahierende Stil ist untypisch für den Maler und Druckgrafiker Heinz Friedrich, der in der Regel in expressionistischer Manier arbeitete.

Gibt es weitere Skulpturen des Künstlers?
Gilsdorf: Meines Wissens handelt es sich hierbei tatsächlich um die einzige Skulptur von Heinz Friedrich. Also auch in diesem Punkt handelt es sich um ein für ihn untypisches Kunstwerk. Er fertigte den Bockspringer im Jahre 1972 für die Südwestdeutsche Gartenausstellung („Süwega“) an, die in Landau stattfand. Da Friedrich in der Pfalz rege tätig war, wurde er wohl zu dieser witterungssicheren Figur beauftragt.

Was findet sich an Eigenheiten vom restlichen Werk des Schwetzinger Malers in der Figur?
Gilsdorf: Seit einigen Jahrzehnten ist die aus Metall gearbeitete Figur farbig gefasst, was der Figur Einiges ihrer physischen Härte nahm. Eine der künstlerischen Stärken von Heinz Friedrich war sein virtuoser Umgang mit der menschlichen Figur. Spielerisch, fast tänzerisch gab er Menschen in unendlich vielen Posen und Ansichten in seinen Gemälden und Zeichnungen wieder. Insofern sind die beiden „zackigen“ Figuren uncharakteristisch für sein Werk.

Gibt es auch hier Details, die den Betrachter in seinen Bann ziehen?
Gilsdorf: Das Interessante der Figurengruppe ist, dass sie voller Gegensätze steckt: Dynamik und Statik gehen hier einen reizvollen Dialog ein. Ebenso werden die Gegensätze Schwere des Werkstoffs und Fragilität der Einzelformen miteinander konfrontiert.

Was können Sie über die Wahl des Sujets sagen?
Gilsdorf: In der Wahl seiner Sujets war Heinz Friedrich ein Klassiker – er begnügte sich mit den traditionellen Themen Landschaft, Stillleben und dem Menschenbild, insbesondere dem Porträt. Bei diesen beiden Figuren liegen jedoch keine Hinweise für Individualität vor. Gerne gab er Menschen auch in sportlicher Betätigung wieder, so z.B. auf dem Wandbild in der Kolpinghalle oder – wir erinnern uns an den Linienbus, der nach dem Entwurf von Heinz Friedrich mit radfahrenden Menschen farbig dekoriert war. Weshalb er nun zwei Bockspringer für eine Gartenausstellung fertigte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Welche kleine Reise hat der Bockspringer in den vergangenen Jahrzehnten schon unternommen, bis er seit 2014 vorm Karl-Wörn-Haus positioniert ist?
Gilsdorf: Nach der Aufstellung in der „Süwega“ in Landau, fand die Figurengruppe ihre Aufstellung in Speyer, „am Woogbach“. Aus der Kunstaktion „Im Wege stehend III“ in Schwetzingen ging kein Ankauf der beteiligten Künstler hervor. Stattdessen erwarb die Stadt im Jahre 1998 den Bockspringer. Nach den Platzierungen am Hebel-Gymnasium und in der Bahnhofanlage nahm er 2014 auf dem Gelände des städtischen Museums im Karl-Wörn-Haus seinen heutigen Aufstellungsort ein.

Die Fragen stellte Dominik Ralser.

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Ausgabe 06/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
30.01.2026
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