Bei der 41. Prunksitzung in der Rauenberger Kulturhalle kamen die Narren auf ihre Kosten
(TJB) Mit Pauken und Trompeten begann ein schillernder Abend in der voll besetzten Rauenberger Kulturhalle. Die beiden Conférenciers Christian Daut und Carsten Wipfler begrüßten unter den Klängen des Fanfarenzugs das diesjährige Rauenberger Prinzenpaar Laura Heger und Martin Pfeifer. Die beiden nutzten die Gelegenheit, sich dem närrischen Publikum vorzustellen – wobei es keiner großen Worte bedurfte, denn beide sind seit vielen Jahren in den Vereinen der Weinstadt aktiv.
Prinz Martin I. engagiert sich im kulturellen Leben der Stadt, während Prinzessin Laura I. bei der Feuerwehr nichts anbrennen lässt. Gemeinsam verbindet sie die Freundschaft zum Musikverein, dessen Förderverein die Prunksitzung bereits zum 41. Mal ausrichtete.
Als Erste stieg Amtsverwalterin Christiane Hütt-Berger in die Bütt und richtete die Grußworte der Stadtverwaltung an das närrische Publikum. Die gebürtige Pfälzerin, die seit vielen Jahren in der Kurpfalz lebt, sprach humorvoll über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Pfalz und Baden. Conférencier Carsten Wipfler griff dies augenzwinkernd auf und stellte klar, dass man in Rauenberg weder „Helau“ noch „Ahoi“ ruft, sondern selbstverständlich „Rauberg Ralau“.
Nach dem bezaubernden Tanz der Minigarde – sage und schreibe 18 Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren – eroberte Annemarie Bender aus Rettigheim die Bühne. In ihrer Büttenrede nahm sie als Haus- und Ehefrau die Männerwelt aufs Korn. Sie sprach von „Sportschau-Briganten“ und „Schmalspur-Casanovas“ und stellte augenzwinkernd fest: „So isch net nur meiner – so senn sie all!“ Ein lautes „Ui-Jui-Jui – Au-Au-Au“ durfte dabei ebenso wenig fehlen wie die anschließende Schunkelrunde.
Musikalisch begleitet wurde die Prunksitzung von der Band „Die Drei“, die das Bühnengeschehen mit kräftigen Tuschs und passenden Liedern umrahmte.
Unter den Klängen der „Los Amigos“-Hymne der letztjährigen Kerwe zogen Christian Spannagel und Christian Daut in die Halle ein. In der Manier von Don Camillo und Peppone beleuchteten sie die Geschehnisse aus kirchlicher und städtischer Sicht. Dabei sorgten sie nicht nur für zahlreiche Lacher, sondern sprachen auch kritische Themen an – vom mangelhaften Handyempfang bis zu stadtbekannten Dauerbaustellen. In seinem närrischen Abschlussgebet bat der letztjährige Kerwepfarrer Christian Spannagel darum, dass die Kerwe niemals sterbe, die Weinwanderung wieder aufblühe und der „Kelch der Baustellen“ weiter nach Dielheim ziehe – was mit lautstarkem Applaus honoriert wurde.
Bereichert wurde das Programm durch zahlreiche einstudierte Tänze der Mini-, Junioren- und Prinzengarde. Unter der fachkundigen Leitung von Sarah Teich und Nicole Gefäller-Kachler brachten die rund 40 Garde-Mädchen und -Damen beeindruckende Darbietungen auf die Bühne. Vom traditionellen Gardetanz mit Dreispitz und Perücke über kreative Gruppenformationen bis hin zum mitreißenden Showtanz zog die Truppe das Publikum in ihren Bann. Ein besonderes Highlight war der Showtanz der jüngeren Garden, die den Saal auf eine Weltreise im Flugzeug mitnahmen. Mit viel Engagement hatte „Gardemutter“ Andrea Stier die detailreichen Kostüme der Stewardessen und Pilotinnen gestaltet.
Nach der Pause brachten die „Scheierborzler“ unter der Leitung von Kai Spannagel die Halle wieder auf Betriebstemperatur. Die neue Sängerin Sabine Falk präsentierte Fastnachtslieder, bei denen ihre fröhliche rheinländische Herkunft deutlich spürbar war. Der Saal erhob sich, sang begeistert mit und verwandelte die Kulturhalle in einen stimmungsvollen Chor.
Moderator Christian Daut wies humorvoll darauf hin, dass Rauenberg zwar zahlreiche Bäckereien und Cafés, jedoch keine Metzgerei habe. Dies griff Tristan Beyerer in seiner Büttenrede als „Rauenberger Oma“ auf. Er berichtete von den Erlebnissen auf seinem täglichen Weg durch die örtlichen Cafés und erzählte unter anderem, wie die Bastelgruppe der Kirche angeblich die Kirchturmrenovierung mit selbst gehäkelten Stringtangas finanzierte – sehr zur Erheiterung des Publikums.
Mit geballter Frauenpower ging es weiter mit den „Golden Girls“. Die erst im vergangenen Jahr gegründete Formation begeisterte mit einem Showtanz zu Songs wie „Pretty Woman“. Trainiert wird die Gruppe von Selina Stier, die selbst seit über 20 Jahren in der Garde des Musikvereins aktiv ist.
Ein fester Bestandteil der Prunksitzung seit der ersten Stunde sind die „Stroßekehrer“, die traditionell die Bühne für das große Finale „reinigen“. Professor Dr. Alexander Wipfler und sein Bruder Gregor Wipfler unterhielten das Publikum mit feinsinnigem Kokolores. Sie stellten fest, dass man in der Stadtkasse zwar jeden Cent dreimal umdrehen müsse, es jedoch keine Münze mit drei Seiten gebe. Auch ein augenzwinkernder Seitenhieb auf einen RNZ-Artikel des Rauenberger Lokaljournalisten Georg Wipfler sorgte für Heiterkeit.
Nach einer mitreißenden Saalrakete hieß es schließlich „Bühne frei“ für den abschließenden Showtanz der Prinzengarde. Die Tänzerinnen entführten das Publikum in das berühmte Varieté „Moulin Rouge“ im 18. Arrondissement von Paris. Neben beeindruckender Kulisse und aufwendigen Kostümen begeisterten vor allem die einstudierten Tango-, Step- und Can-Can-Einlagen, die mit frenetischem Applaus belohnt wurden.
Zum großen Finale versammelten sich noch einmal alle Aktiven des Abends auf der Bühne und boten ein stimmungsvolles Abschlussbild. Programmdirektor Oliver Zeeb rang beinahe um Worte vor Freude über den Erfolg der diesjährigen Prunksitzung und zeigte sich überzeugt, dass durch die engagierte Jugendarbeit die Zukunft der Rauenberger Fastnacht nachhaltig gesichert ist.
Mit freundlicher Genehmigung der RNZ