
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 08.03.2026 hat unsere Redaktion einige der Direktkandidaten befragt. Gestellt wurden insgesamt zehn Fragen aus unterschiedlichen Politikfeldern.
Für die Christdemokraten geht im Neckar-Odenwald-Kreis der amtierende Landtagsabgeordnete des Wahlkreises, Peter Hauk aus Walldürn, ins Rennen. Der 65-jährige, studierte Forstwirt Hauk kommt aus Walldürn und sitzt für die CDU seit 1992 im Landtag. Er gehört als Minister für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz der Landesregierung an.
NUSSBAUM.de: Die Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte stark. Welche Instrumente halten Sie für wirksam, um Bürgerinnen und Bürger konkret zu entlasten?
Peter Hauk: Die Zeit der Pandemie und die anhaltenden Konflikte sind inflationäre Preistreiber. Entlastung muss zielgerichtet, wirksam und finanzierbar sein. Dazu gehören steuerliche Entlastungen, etwa bei Energieabgaben und -steuern, sowie eine faire Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.
Besonders Familien, Rentner sowie Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen brauchen Entlastung. Gleichzeitig müssen wir die Ursachen hoher Preise bekämpfen. Entscheidend ist eine verlässliche, bezahlbare und technologieoffene Energieversorgung. Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz müssen zusammen gedacht werden.
Ein zentraler Schlüssel dabei ist die Stärkung der regionalen Landwirtschaft. Verlässliche Rahmenbedingungen für bäuerliche Betriebe sichern regionale Wertschöpfung und stabile Lebensmittelversorgung.
Unser Maßstab bleibt die Soziale Marktwirtschaft: Der Staat setzt klare Rahmenbedingungen, sorgt für Entlastung und Planungssicherheit und stärkt so Vertrauen und Stabilität im Land.
NUSSBAUM.de: Laut Pestel-Institut gibt es in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg, einen massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum, der sich in den nächsten Jahren verschärfen soll. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Bau von neuen Sozialwohnungen unterstützen?
Hauk: Wir setzen auf eine verlässliche und kontinuierliche Wohnraumförderung, die Investoren, Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften Planungssicherheit gibt. Darüber hinaus haben wir Programme wie das ELR oder die Stadtsanierung, welche die Schaffung von neuem Wohnraum ermöglichen.
Förderprogramme müssen einfach, praktikabel und langfristig angelegt sein, damit neue Wohnungen realisiert werden. Gleichzeitig müssen wir schneller bauen können. Dazu gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und realistische Baustandards. Der Bau-Turbo und die Genehmigungsfiktion sind dabei wichtige Instrumente.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Stärkung der Kommunen. Sie brauchen finanzielle Spielräume, um Bauland zu mobilisieren und Flächen bereitstellen zu können. Auch die Zusammenarbeit mit genossenschaftlichen Wohnungsbaugesellschaften wollen wir weiter stärken.
Unser Ziel ist klar: Mehr, günstiger, schneller und serieller bauen!
NUSSBAUM.de: Ist die aktuelle Kosten- und Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen bei Kitas aus Ihrer Sicht gerecht? Sollte das Land mehr finanzielle Verantwortung übernehmen – und wenn ja, in welcher Form?
Hauk: Die frühkindliche Bildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Land und Kommunen. Aus meiner Sicht hat sich dieses partnerschaftliche Modell grundsätzlich bewährt. Gleichzeitig ist klar: Die Anforderungen an unsere Kitas sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Deshalb müssen wir die Kosten- und Aufgabenverteilung regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln.
Das Land unterstützt die Kommunen bereits heute in erheblichem Umfang – etwa durch Zuschüsse zu Betriebskosten, Investitionsprogramme und die Ausbildung von Fachkräften. Wer neue Standards setzt, muss auch die Finanzierung dazu liefern. Wenn zusätzliche Aufgaben oder Anforderungen hinzukommen, braucht es einen fairen Ausgleich, der die kommunale Ebene nicht überfordert. Dabei setzen wir auf verlässliche Förderinstrumente. Land und Kommunen müssen hier weiterhin partnerschaftlich zusammenarbeiten. Wir wollen ein verpflichtendes letztes Kindergartenjahr – die Kosten für dieses übernimmt dann komplett das Land.
NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?
Hauk: Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge in Deutschland deutlich zurückgegangen ist. Das ist in besonderer Weise dem Durchgreifen von Bundesinnenminister Dobrindt zuzuschreiben. Gleichermaßen hat er dafür gesorgt, dass konsequent Abschiebungen, besonders auch von Straftätern, stattfinden. Gleichzeitig gilt: Wer bleibt, muss schnell integriert werden – durch Sprache, Bildung und Arbeit. Gelingt es nicht, hier noch deutlichere Regelungen zu finden und diese konsequent anzuwenden, wird unser Sozialsystem kapitulieren und die kommunale Hand weiter erheblich belasten.
Der Bund muss seiner Verpflichtung noch besser nachkommen, die Länder und die Kommunen bei der Bewältigung der Flüchtlingsunterbringung zu unterstützen – besonders auch bei der Schaffung von Wohnraum und Unterkünften. Das Land wird im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter unterstützen – etwa durch pauschale Zuweisungen, zusätzliche Integrationsmittel und den Abbau bürokratischer Hürden.
NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?
Hauk: Eine flächendeckende medizinische Versorgung ist ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Darauf sind wir im ländlichen Raum ganz besonders angewiesen. Deshalb sind aus meiner Sicht moderne Versorgungsmodelle der richtige Weg. Dazu zählen Gesundheitszentren sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, aber auch Ansätze der Telemedizin.
Gleichzeitig müssen Hausärzte durch den qualifizierten Einsatz von Pflegepersonal entlastet werden, um den Mangel an Landärzten zumindest teilweise aufzufangen. Das Landarztstipendium ist dabei ein toller Ansatz. Strukturveränderungen dürfen nicht zulasten der Versorgungssicherheit gehen. Das gilt auch für die Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken.
Seitens des Landes unterstützen wir ländliche Kommunen bei der strukturellen Analyse der medizinischen Versorgung und unterstützen auch die Ärzte dabei, sich räumlich niederzulassen – beispielsweise durch Förderprogramme wie das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.
NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig, auf dem Land oft unzureichend. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?
Hauk: Neben dem gezielten Ausbau von Bus und Bahn brauchen wir vor allem im ländlichen Raum flexible Lösungen wie Ruftaxen und allem voran intakte Straßen. Ich bin mir sicher, dass der Individualverkehr – sprich das Auto – in unserem Ländlichen Raum immer die Hauptrolle spielen wird. In den vergangenen Jahren habe ich mich deshalb verstärkt für die Sanierung von Bundes- und Landesstraßen im Neckar-Odenwald-Kreis eingesetzt. Für mich spielt die Beschaffenheit die zentrale Rolle für eine Sanierungsentscheidung – das erhöht die Verkehrssicherheit erheblich. Rechnet man zusammen, so stellt man fest, dass in der zurückliegenden Legislaturperiode jedes Jahr zwischen 15 und 20 Straßenkilometer saniert wurden.
Ich will mich konkret für die Sanierung der Straße zwischen Mosbach und Reichenbuch und allgemein der L527 einsetzen – ebenso für eine bessere Bahnverbindung von Mosbach in Richtung der umliegenden Großstädte und einen Halbstundentakt von Mosbach nach Osterburken.
NUSSBAUM.de: Baden-Württemberg gilt als starker Wirtschaftsstandort, kämpft aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage, und welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um Fachkräfte zu gewinnen und Unternehmen zu stärken?
Hauk: Wir müssen alle Potenziale nutzen: bessere Berufsorientierung, Stärkung der dualen Ausbildung, gezielte und qualifizierte Zuwanderung sowie lebenslanges Lernen. Gleichzeitig brauchen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine leistungsfähige Infrastruktur.
Die DHBW Mosbach ist ein Glücksfall für die Region und ein überregionaler Leuchtturm für die Gewinnung von Nachwuchskräften. In der kommenden Legislaturperiode werden wir das Kompetenzzentrum „Bauen“ an der DHBW weiterentwickeln. Gleichzeitig müssen wir alle weiteren Schularten attraktiv halten. Dazu zählen besonders auch die fachlichen und handwerklichen Bildungswege, wohnortnah und flexibel.
Entbürokratisierung braucht es auch bei der Zuwanderung von Fachkräften – aufgrund des demografischen Wandels werden wir darauf angewiesen sein. Zudem braucht es Entwicklungsflächen für die Ansiedelung und Erweiterung von Unternehmen.
NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?
Hauk: Klimaschutz kann nur gelingen, wenn er sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch realistisch ist. Wir setzen auf Technologieoffenheit statt Verbote, auf den Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz sowie Innovationen wie Wasserstoff. Entscheidend ist, die Menschen mitzunehmen und Kosten fair zu verteilen, insbesondere für private Haushalte und den Mittelstand.
Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit müssen dabei immer mitgedacht werden. Klimaschutz braucht Akzeptanz und die entsteht durch Vernunft, Verlässlichkeit und Bürgerbeteiligung. Der Ländliche Raum ist flächenmäßig besonders im Fokus für den Ausbau erneuerbarer Energien. Dafür brauchen wir einen Ausgleich, der die Akzeptanz vor Ort steigert und den Städten und Gemeinden wichtige Einnahmen sichert.
NUSSBAUM.de: Viele Menschen fühlen sich von Politik und Verwaltung nicht ausreichend wahrgenommen. Wie beurteilen Sie das Vertrauen der Bürger in die Politik, und was könnte getan werden, um beispielsweise Verwaltung bürgernäher und handlungsfähiger zu machen?
Hauk: Viele Menschen wünschen sich mehr Verlässlichkeit von Politik und Verwaltung. Vertrauen entsteht, wenn Entscheidungen verständlich erklärt und konsequent umgesetzt werden. Politik und Verwaltung müssen zuhören, Probleme ernst nehmen und lösungsorientiert handeln. Für die Verwaltung heißt das: Verfahren vereinfachen, digitalisieren und beschleunigen. Weniger „Zuständigkeitswirrwarr“, mehr Klarheit und Erreichbarkeit. Ganz gleich gilt das auch für die Politik. Bürgernähe gelingt durch niederschwellige Information und kurze Wege, auch digital. Handlungsfähiger werden wir, wenn wir unser Tun ständig kritisch hinterfragen, gemeinsam nach Vereinfachungen suchen und manchmal auch Grundsätze über Bord werfen, die „schon immer so“ waren.
NUSSBAUM.de: Der Standort der vom Landkreis getragenen Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach droht wegzufallen. Wie stehen Sie zu dem Wunsch, diesen zu erhalten und wie würden Sie gegebenenfalls dabei unterstützen?
Hauk: Der Wunsch, den Klinikstandort Mosbach zu erhalten, ist nachvollziehbar. Entscheidungen über Standorte müssen medizinisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und regional ausgewogen sein. Bei aller Diskussion wünsche ich mir die notwendige Sachlichkeit und Selbstreflexion. Selbst wenn es zu einer Reduzierung des stationären Klinikangebots am Standort Mosbach kommen sollte, muss dies nicht unbedingt eine Verschlechterung des medizinischen Angebots nach sich ziehen. Wenn beispielsweise die Geriatrie vor Ort bleibt und sich neue Fachärzte oder Hausärzte ansiedeln würden, wäre das ein Gewinn für die Region Mosbach, die bereits jetzt solchen Bedarf hätte. Stationäre Angebote wären in Buchen, Sinsheim oder Heilbronn immer noch in zumutbarer Erreichbarkeit.
Der Entscheidung des Kreistags möchte ich nicht vorwegkommen, sage aber zu, dass ich mich für die notwendige Strukturförderung, Investitionsprogramme und die Begleitung zukunftsfähiger Versorgungskonzepte beherzt einsetzen werde.