Nussbaum-Logo
Für den Wahlkreis 37 Wiesloch

Landtagskandidat Yannick Veits (B90/Die Grünen) im Gespräch

Zehn Fragen an den Kandidaten Yannick Veits vom Bündnis 90/Die Grünen zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März 2026.
ein junger Mann vor einem grünen Hintergrund
Yannick Veits ist seit 2017 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und seit 2019 im Nußlocher Gemeinderat.Foto: BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN Baden-Württemberg

Zur bevorstehenden Landtagswahl 2026, die am Sonntag, 8. März, stattfindet, wollte NUSSBAUM.de von Kandidierenden des Wahlkreises 37 Wiesloch wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen. Hier können Sie das Interview mit Yannick Veits (Bündnis 90/Die Grünen) lesen. Veits arbeitet als Referent für Firmenkunden bei der Sparkasse Heidelberg und wohnt in Nußloch. Er ist seit 2017 Parteimitglied und seit 2019 im Nußlocher Gemeinderat.

NUSSBAUM.de: Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie auf Landesebene ergreifen, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum zu fördern?

Yannick Veits: Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Als Bankbetriebswirt kann ich Investitionen durchrechnen und weiß: Wir müssen Bauen günstiger machen. Ganz praktisch heißt das: Umbau vor Neubau. Wir erleichtern Aufstockungen durch eine entschlackte Landesbauordnung („Gebäudetyp E“ – einfach bauen). Das spart Beton und Nerven. Zudem brauchen wir einen Wohnraum-Booster. Ich will das Programm „Junges Wohnen“ für Azubis und Studierende ausbauen. Wer hier in der Region eine Ausbildung macht, darf nicht am Mietpreis scheitern. Und wichtig: Bodenfonds stärken und vereinfachen. Unsere Kommunen sollen Grundstücke strategisch erwerben können, statt sie Spekulanten zu überlassen. Wohnen ist Daseinsvorsorge. Wir fördern Genossenschaften, die dauerhaft bezahlbare Mieten garantieren. Cem Özdemir sagt: „Wohlstand muss erarbeitet werden!“ Dazu gehört für mich, dass die Leistungsträger von morgen ein bezahlbares Zuhause haben.

NUSSBAUM.de: Wie sollte das Land Kommunen wie Wiesloch unterstützen, um steigende Pflichtaufgaben und eine hohe Verschuldung besser bewältigen zu können?

Veits: Als Gemeinderat erlebe ich oft, wie wir vor Ort Mangel verwalten, ob finanziell oder bei den Kapazitäten. Damit muss Schluss sein! Absoluter Grundsatz dafür: Wer bestellt, bezahlt. Das Konnexitätsprinzip darf keine leere Hülle sein. Wenn das Land Aufgaben delegiert, muss der Scheck direkt mitkommen. Das gilt aber nicht nur für das Land, sondern vor allem auch für den Bund. Daher möchte ich mich im Land für eine Föderalismusreform unter Einbeziehung der Kommunen einsetzen. In Baden-Württemberg selbst setze ich auf Pauschalbudgets statt komplizierter Förderanträge. Geben wir den Kommunen einerseits die Freiheit, Geld dort einzusetzen, wo es den größten Nutzen bringt, und sorgen wir andererseits für Aufgabenklarheit. So funktioniert es vor Ort und wir stärken unsere Heimatorte als Keimzellen der Demokratie!

NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Entscheidungen halten Sie für geeignet, um Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar zu entlasten?

Veits: Die größten Hebel bei der Entlastung sind Energie, Mobilität und Kinderbetreuung. Erstens: Günstige Energie. Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Wir müssen den Ausbau von Erzeugung, Netzinfrastruktur und Speichern in BW so beschleunigen, dass Strom günstig produziert und verteilt wird. Das ist die beste Versicherung gegen Preisschocks für Familien und Betriebe – Stichwort Unabhängigkeit. Zweitens: Mobilität für alle. Das Deutschlandticket muss bleiben und für junge Menschen mit dem JugendticketBW noch attraktiver werden. Wer das Auto stehen lassen kann, spart hunderte Euro. Dafür muss der ÖPNV verlässlicher und flexibler werden. Drittens: Kostenfreie Bildung. Langfristig müssen Kitagebühren fallen. Das ist eine direkte Netto-Entlastung. Frei nach Cem Özdemir: „Sprech- und Denkverbote gibt es für mich nicht.“ Deshalb müssen wir auch über eine Reform der Schuldenbremse reden, um diese Entlastungsinvestitionen zu stemmen. Sparen an der falschen Stelle kostet uns später doppelt.

NUSSBAUM.de: Ist die aktuelle Kosten- und Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen bei Kitas aus Ihrer Sicht gerecht, und sollte das Land mehr Verantwortung übernehmen?

Veits: Als Kommunalpolitiker sehe ich hier klaren Handlungsbedarf. Unsere Gemeinden tragen die Last der steigenden Betriebskosten, während die Grundförderung des Landes statisch ist. Das passt nicht. Ich fordere einen neuen Finanzierungspakt: Das Land muss seinen Anteil an den Personalkosten dynamisieren. So schaffen wir Planungssicherheit für Träger und Eltern in der Region. Cem Özdemir nennt gute Bildung „die beste Wirtschaftspolitik“. Dem stimme ich zu! Deshalb müssen wir die Ausbildungskapazitäten hochfahren und die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) stärken. Der Beruf muss attraktiv bleiben. Qualität in der Kita ist ein wichtiger Standortfaktor. Dabei ist mir eines wichtig: Es geht nicht um bloße Verwahrung, sondern um qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung.

NUSSBAUM.de: Welche Verantwortung trägt das Land für Personal, Digitalisierung und Organisation der Ausländerbehörden, und was würden Sie konkret ändern, um Verfahren zu beschleunigen?

Veits: In Zeiten des Fachkräftemangels müssen die Behörden funktionieren. Wenn Fachkräfte monatelang warten, gehen sie woanders hin. In einer innovativen Region wie unserer dürfen wir uns gut ausgebildete Arbeitskräfte nicht entwischen lassen. Das heißt konkret: Wir brauchen eine Zentralisierung der Fachkräfteeinwanderung. Eine Landesagentur muss den Kommunen komplexe Verfahren abnehmen. Das schafft Tempo. Zweitens: Digitalisierung ohne Wenn und Aber. Ein Antrag muss digital gestellt und per Klick beschieden werden können. Schluss mit Aktenbergen! Wir müssen KI nutzen, um Standardanträge vorzuprüfen. Das Land muss liefern: nicht nur Vorschriften machen, sondern funktionierende IT-Schnittstellen bereitstellen. Ansonsten stehe ich bei der Migrationspolitik für das Zusammenspiel von Humanität und Ordnung. Wer berechtigten Schutz sucht, bekommt diesen. Wer hier arbeiten und sich einbringen will, wird schnell dazu befähigt. Und wer sich nicht integrieren will, hat sich das falsche Land ausgesucht.

NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Hebel sehen Sie, um Pflegekräfte zu gewinnen und Pflegeeinrichtungen langfristig zu stabilisieren?

Veits: Pflege geht uns alle an, gerade in einer alternden Gesellschaft. Applaus zahlt keine Miete, wir brauchen Strukturveränderungen. Erstens: Verlässliche Arbeitszeiten. Wir wollen Springer-Pools fördern, die bei Ausfällen einspringen. Pflegekräfte brauchen planbare Freizeit, sonst brennen sie aus. Zweitens: Generalistik weiterentwickeln. Wir müssen den Einstieg erleichtern, z. B. durch den Ausbau der einjährigen Pflegehelferausbildung als Karrierestart. Drittens: Pflege vor Ort stärken. Mit „Community Health Nurses“ bringen wir Kompetenz direkt in die Quartiere unserer Heimatgemeinden. Das entlastet Hausärzte. Zur Finanzierung: Das Land muss die Investitionskosten für Heime garantieren, damit die Eigenanteile stabil bleiben.

NUSSBAUM.de: Welche konkreten Maßnahmen würden Sie priorisieren, um das Ziel der „Vision Zero“ im Straßenverkehr in Baden-Württemberg zu erreichen?

Veits: „Vision Zero“ – also null Verkehrstote. Das muss unser Maßstab sein. Priorität 1: Schutz der Schwächsten. Wir brauchen Radwege, die baulich getrennt sind. Ein Pinselstrich Farbe schützt nicht vor einem LKW. Mein Ziel für die Region ist ein lückenloses RadNETZ, das Pendeln sicher macht. Priorität 2: Technik nutzen. Wie Cem Özdemir bin auch ich offen für eine bessere Überwachung von Gefahrenstellen. Eine generelle Verkehrsberuhigung in den Orten verhindert zudem den Unfallverursacher schlechthin: Raserei. Priorität 3: Beruhigung vor Ort. Kommunen sollen einfacher und schneller entscheiden können, wo Verkehrsberuhigung wirkt – vor Kitas, Schulen und Heimen muss das Standard sein. Sicherheit ist keine Gängelung, sondern Lebensqualität für unser Zuhause.

NUSSBAUM.de: Welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um dem Fachkräftemangel in Baden-Württemberg zu begegnen und den Witschaftsstandort zu stärken

Veits: Fachkräftemangel ist die größte Wachstumsbremse für unseren Mittelstand. Wir müssen an allen Stellschrauben drehen:

  • Bildungspotenziale heben: Kein Jugendlicher darf ohne Abschluss die Schule verlassen. Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie. Jedes „Käpsele“ zählt!
  • Gezielte Zuwanderung: Cem Özdemir bringt es auf den Punkt: „Wer einen wertvollen Teil beitragen will, ist willkommen.“ Wir brauchen eine echte Willkommenskultur und schnelle Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
  • Innovation fördern: Als Finanzmensch sehe ich die Chancen in KI und GreenTech. Wir müssen Mittelstand und Start-ups vernetzen, damit die Region Denkfabrik und Werkbank bleibt.
  • Und wichtig: Attraktivität. Fachkräfte kommen dahin, wo das Leben gut ist. Kultur, offene Gesellschaft und Sicherheit sind harte Standortfaktoren.

NUSSBAUM.de: Wo sehen Sie die größten Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Wirtschaft und soziale Akzeptanz, und wie würden Sie diese politisch gewichten?

Veits: Für mich ist klar: Klimaschutz ist ökonomische Vernunft. Wer heute nicht in klimaneutrale Innovationen investiert, ist morgen weg vom Markt. Diesen Wandel müssen wir aus einer Position der Stärke gestalten. Konflikte entstehen, wenn Klimaschutz als elitäres Projekt inszeniert wird. Wenn dem Handwerker Angst um seinen Diesel-LKW gemacht wird oder Mieter vor der Nebenkostenabrechnung zittern. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Schutz unserer Lebensgrundlagen bewahrt uns vor enormen Kosten in der Zukunft. Deshalb müssen wir die Modernisierung weiter fördern und sozial abfedern. Darüber werden wir auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel entlasten. Ich gewichte so: Die ökologische Notwendigkeit gibt die Richtung vor, ökonomische Intelligenz zeigt den besten Weg und auf diesem Weg nehmen wir jeden mit. Gute Politik heißt: Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben.

NUSSBAUM.de: Wie wollen Sie den Wahlkreis Wiesloch im Landtag vertreten und für Bürgerinnen und Bürger ansprechbar sein?

Veits: Ich will kein Abgeordneter sein, der den Großteil seiner Zeit in Stuttgart verbringt. Ich bin Nußlocher, aber auch in Wiesloch stark verwurzelt und der Region verbunden. Ich spreche die Sprache unserer Heimat. Daher ist mir wichtig: Starke Präsenz und klare Worte. Ich werde regelmäßige Austauschformate anbieten, aber nicht einfach warten, bis Bürgerinnen und Bürger in mein Büro kommen, sondern aktiv auf die Menschen zugehen. Politik muss da stattfinden, wo das Leben spielt. Ich verstehe mich als Brückenbauer: Ich trage die Anliegen aus dem Wahlkreis 37 direkt in den Landtag sowie die Ministerien und ich bringe Landespolitik verständlich in unsere Heimat zurück. Als Finanzexperte bringe ich frischen Wind und Sachverstand ein. Ich will machen, nicht nur reden. Doch immer im Austausch mit den Menschen unserer schönen Region.

Mehr zur Landtagswahl

Alle wichtigen Infos zur Wahl und zum Wahlkreis 37 Wiesloch gibt es hier

Erscheinung
Wieslocher Woche
NUSSBAUM+
Ausgabe 08/2026
von Redaktion NUSSBAUMHuy Van Jonny Diep
16.02.2026
Orte
Dielheim
Leimen
Malsch (bei Wiesloch)
Mühlhausen
Nußloch