
Haßloch in der Pfalz gilt als Mustergemeinde, wenn es um Konsumverhalten geht. Ginge es um Wahlverhalten, könnte Bad Schönborn diese Rolle einnehmen, zumindest, wenn es um die Zweitstimmen geht. Mit 70,4 Prozent war die Wahlbeteiligung erfreulich hoch. Der Abstand der Grünen, die mit 29 Prozent der Zweitstimmen in der Kurgemeinde als Sieger hervorgehen, zur CDU mit 28,2 Prozent, zeigt ein ähnliches Bild wie die Zahlen auf Landesebene.
Das ist durchaus bemerkenswert, da in sämtlichen umliegenden Gemeinden die CDU die Nase vorn hat und selbst in Bruchsal Grüne und CDU mit 31 Prozent gleichauf liegen. Die SPD ist mit 6,5 ein Prozent stärker, aber auch die FDP und die Linke scheitern in Bad Schönborn knapp. Nur die AfD hat sich mit 20,2 Prozent nicht verdoppelt, sondern war schon vorher recht stark. Bei den Erststimmen konnte sich Dr. Thorsten Schwarz von der CDU mit 32,9 Prozent der Stimmen behaupten. Er konnte sich auch im Wahlkreis Bruchsal gegen Tobias Dammert, dem Kandidaten der AfD (23 Prozent), durchsetzen und tritt die Nachfolge von Ulli Hockenberger (CDU) an. In allen vier Wahlkreisen ging das Direktmandat an die CDU, und somit bleibt das Land der 1000 Hügel eine Hochburg der CDU.
Bei den Erststimmen lag in Bad Schönborn die Kandidatin der Grünen Nicole Heger mit 25,7 Prozent hinter Schwarz. Tobias Dammert (AfD) lag mit 21,4 Prozent auf dem dritten Platz. Christian Holzer (SPD) konnte 10,3 Prozent erreichen, stärkster Kandidat wurde er lediglich in seiner Heimatgemeinde Forst.
Auch die Briefwahl wurde stark genutzt, wobei auffällig ist, dass diese vor allem von CDU-Wählern in Anspruch genommen wird, während AfD-Wähler generell in allen Wahlkreisen lieber selbst zur Wahlurne gehen. Insgesamt hat die AfD auch in Bad Schönborn an Bedeutung gewonnen. Hochburgen sind jedoch nach wie vor Philippsburg und Zaisenhausen sowie Eppingen als große Kreisstadt.
Es ist interessant zu sehen, wie die einzelnen Wahlbezirke in Bad Schönborn gewählt haben. Hier gibt es durchaus Unterschiede. Im von der Gemeinde veröffentlichten Wahlergebnis ist dies mit den Ergebnissen der Briefwahl genau aufgespalten. Hingegen erschließt sich nicht, wie die Jungwähler abgestimmt haben, die erstmals ab 16 Jahren mitentscheiden durften.
Die nächste wichtige Wahl in Bad Schönborn wird nun die Bürgermeisterwahl Anfang 2027. Es hat sich bei der Landtagswahl gezeigt, dass sie vor allem eine Persönlichkeitswahl war und weniger Fraktionen und Wahlprogramme im Vordergrund standen. Das ist auch bei Bürgermeisterwahlen, wo der Fokus auf der Person, deren Kompetenzen und Vertrauenswürdigkeit liegt, sogar noch stärker der Fall. Hier differenzieren die Bürger noch genauer zwischen kommunaler Ebene und Bundespolitik und somit sind lokale Bekanntheit, Charisma und Verwaltungserfahrung wichtiger als die Parteizugehörigkeit. Auf jeden Fall wäre es wünschenswert, dass die Wahlbeteiligung in Bad Schönborn ähnlich hoch bleibt. Es wird spannend, wer in den nächsten Monaten den Hut in den Ring wirft. Bürgermeister Klaus Detlev Huge tritt nach zwei Amtszeiten nicht mehr an. (cm)
