99,48 Prozent – das ist die exakte Quote aller Haushalte, die Laudenbach mit einem Gigabit-Anschluss (1.000 Mbit/s oder mehr) erreicht. Damit zählt die kleine Bergstraßengemeinde nicht nur zu den Vorreitern in der Region, sondern im ganzen Land. In Baden-Württemberg schaffen bislang nur 88 von 1.101 Kommunen eine Versorgung von über 98 Prozent mit dem schnellsten Internet. Innenminister Thomas Strobl hat Laudenbach dafür nun in Stuttgart mit einem Award ausgezeichnet. Die Gemeinde darf sich nun offiziell „Gigabitkommune@BW“ nennen.
Bei der Feierstunde im Innenministerium der Landeshauptstadt betonte Strobl, dass „leistungsfähige Netze heute kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Stärke, eine moderne Verwaltung und gleichwertige Lebensverhältnisse“ sein sollten. Dennoch haben das längst nicht alle Kommunen erreicht, denn die Umsetzung bleibt oftmals ein kommunaler Kraftakt. 33 Kommunen zeichnete der stellvertretende Ministerpräsident für diesen Kraftakt mit dem „Gigabit-Award“ aus. 55 erhielten die Auszeichnung bereits bei der ersten Verleihung im vergangenen Jahr. „Die Preisträger zeigen: Es geht, wenn man es gemeinsam will und konsequent organisiert“, so Strobl, in dessen Resorts auch die Digitalisierung fällt. Die Preisträger, zu denen neben Laudenbach aus dem Rhein-Neckar-Kreis auch die Stadt Eppelheim und die Gemeinde Reichartshausen gehören, lobte der Minister als „Kommunen, die weitsichtig voranschreiten“.
Laudenbach erreichte den Meilenstein eines flächendeckenden Ausbaus mit schnellstem Internet endgültig im Oktober 2025, als das neue Netz der „Deutschen GigaNetz“ nach neun Monaten Bauzeit in den Regelbetrieb überging. Doch auch in der Bergstraßengemeinde war der Weg dorthin nicht ohne Hürden, bedurfte viel Organisations- und Kommunikationsarbeit. Weil die Versorgung mit dem bisherigen Kupfernetz nicht schlecht genug war, gab es für den Großteil des Orts keinerlei Fördergelder. Die Gemeinde suchte deshalb Kooperationspartner für einen eigenwirtschaftlichen Ausbau.
Dabei haben sowohl Bürgermeister als auch Gemeinderat stets auf einen Vollausbau – statt nur der rentabelsten Bereiche – gepocht, um langfristig Chancengleichheit für alle herzustellen. Die hartnäckige Forderung der Gemeinde zog sogar den Rückzug und Wechsel des Kooperationspartners „NetCom BW“ zur „Deutschen GigaNetz“ nach sich – zahlte sich aber letztlich für die Froschgemeinde aus. Inzwischen liegen in Laudenbach über 38 Kilometer neuste Glasfasertrasse, über 3.100 Haushalte haben die Möglichkeit auf einen Glasfaseranschluss.
Besonders stolz ist die Gemeinde dabei auf den Anschluss der für das Unternehmen wenig profitablen Weschnitzsiedlung, der eigens mit einer aufwendigen Spülbohrung unter der Autobahn hindurch realisiert wurde. „Der Glasfaserausbau war das wohl größte Infrastrukturprojekt in Laudenbach. Schnelles Internet stärkt unseren Wohn- und Wirtschaftsstandort und wird die kommenden Jahre immer mehr an Bedeutung gewinnen. Davon werden wir noch Jahrzehnte profitieren“, betonte Bürgermeister Benjamin Köpfle, der sich über die Wertschätzung aus Stuttgart für die Laudenbacher Bemühungen freute.
Mit der Auszeichnung „Gigabitkommune@BW“ würdigt das Digitalisierungsministerium den schnellen Fortschritt beim Ausbau leistungsfähiger Glasfaser- und gigabitfähiger Netze in Baden-Württemberg. Kommunen mit mindestens 90 Prozent Gigabitverfügbarkeit dürfen die Bezeichnung „Gigabitkommune@BW“ führen. Kommunen mit mindestens 97,9 Prozent erhalten zusätzlich eine physische Auszeichnung.
Die Auswahl der ausgezeichneten Kommunen basiert auf den im Breitbandatlas des Bundes veröffentlichten Versorgungsdaten. Bisher erhielten 88 Kommunen den Gigabit-Award.