
Museum und Sonderausstellung sind am Sonntag, den 15.03., von 12 bis 16.30 Uhr geöffnet.
Diese vom Verband Region Stuttgart initiierte Wanderausstellung „Stimmen für Demokratie und Vielfalt“ im Anna-Haag-Geburtshaus Althüttelädt zum Innehalten und Nachdenken ein. Seit Ausstellungsbeginn im Mai 2025 in Stuttgart war die Ausstellung u. a. in Schorndorf und Murrhardt sowie vielen anderen Orten in der Region Stuttgart zu sehen. Jetzt ist sie bis zum 15.3.2026 in Althütte zu sehen.
In seiner Begrüßung führte der Althütter Bürgermeister, Reinhold Sczuka, aus: „Gerade in der heutigen Zeit ist eine Ausstellung wie diese mehr als notwendig. Wir erleben, wie demokratische Grundwerte infrage gestellt werden. Wir erleben Polarisierung, Hassrede, Relativierung von Unrecht und – besonders erschütternd – die Verharmlosung von Rassismus. Dass sich auch prominente Persönlichkeiten klar positionieren, ist deshalb von großer Bedeutung.
Wenn etwa Vincent Kompany, heute Trainer des FC Bayern München, mit einer eindrucksvollen Rede Stellung gegen die Verharmlosung rassistischer Äußerungen bezieht – im Zusammenhang mit Aussagen von José Mourinho, Trainer von Benfica Lissabon –, denn zeigt das: Demokratie ist kein Thema nur für Parlamente oder Geschichtsbücher. Sie betrifft alle Bereiche unseres Lebens – auch den Sport, auch die Öffentlichkeit, auch den Alltag."
Warum macht diese Wanderausstellung Station in Althütte? Die Antwort darauf gab Reinhold Sczuka: „Anna Haag war Schriftstellerin, Pazifistin, Frauenrechtlerin, Widerstandkämpferin – und vor allem eine unbeirrbare Demokratin. Sie hat ihre Stimme erhoben, als es gefährlich war, als es unbequem war, als es Mut erforderte. Dass die Ausstellung gerade hier an diesem besonderen Ort, nämlich in ihrem Geburtshaus, stattfindet, verleiht ihr eine besondere Tiefe und Authentizität“.
Neben ehemaligen Bundespräsidenten wie Dr. Theodor Heuss und Dr. Horst Köhler, weltbekannten Industriellen wie August Robert Bosch, Zeitgenossen wie z. B. Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender VFB Stuttgart, kommt auch die 1888 in Althütte geborene Anna Haag wie folgt zu Wort: „Zuweilen habe ich den Eindruck, als ob ein Massenwahnsinn das deutsche Volk ergriffen habe und als ob ein Gehirnschwund in großem Ausmaß um sich fräße. Denken ist heute überhaupt nicht mehr Mode.“
Bei den Begrüßungsworten für unseren Gast, Frau Ebert, bezeichnete die Mitorganisatorin der Ausstellung, Julie Faust, Anna Haag als „Kämpferin“ und führte aus, dass wir „stolz auf sie sein können und wir ihr viel zu verdanken haben“.
Zur Vernissage am 22. Februar konnten wir als Gast Frau Gesa Ebert begrüßen. Frau Ebert, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken von Anna Haag beschäftigt und ausführlich darüber berichtet. Frau Ebert konfrontierte das Publikum auch mit unbekannten Facetten von Anna Haags Persönlichkeit. Jeder, der sich auch nur am Rande mit Anna Haag beschäftigt hat, muss davon ausgehen, dass sie wohl eine sehr selbstbewusste Frau gewesen ist. Als man ihr 1946 die Kandidatur für den ersten Landtag in Württemberg-Baden angeboten hat, hat sie aber gezögert und mit sich gehadert, sich darauf einzulassen.
Zu verdanken haben wir Anna Haag z. B. Artikel 4 Abs. 3 unseres Grundgesetzes, worin es heißt: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“. Die Vorlage dieses Artikels für den Parlamentarischen Rat geht u. a. auf eine Initiative von ihr zurück. Im Parlamentarischen Rat stimmten 43 Abgeordnete aller Parteien für den Antrag und lediglich 3 dagegen. Leider muss gesagt werden, dass es im Vorfeld der Abstimmung im Landtag sehr unschöne Debatten gab und ein Großteil der Abgeordneten nicht an der Abstimmung teilgenommen hat.
Die Ausstellung sowie die einfühlsamen Worte von Frau Ebert, Frau Faust und Herrn Sczuka zeigen, dass Demokratie vom Widerspruch lebt. Sie lebt vom Mut, nicht zu schweigen. Sie lebt davon, dass Menschen ihre Stimme erheben – so wie Anna Haag es getan hat.
H. Sczuka schloss mit den Worten: „Diese Ausstellung lädt uns ein, zuzuhören! Hinzusehen! Nachzudenken! Und vielleicht auch zu fragen: Welche Stimme bin ich? Wo erhebe ich meine Stimme? Wofür stehe ich ein?
Die Ausstellung ist für Besucher geöffnet. Wir freuen uns auf viele Besucherinnen und Besucher im Heimatmuseum Althütte, Rathausplatz 3. Der Eintritt ist frei.


