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Leutershausener Landfrauen auf jüdischen Spuren

Der Landfrauenverein Leutershausen erhielt nach einer Synagogen-Führung einen weiteren Einblick in die jüdische Geschichte Leutershausens. Martina Schulz-Hamann...
Der Ortsrundgang begann auf dem Meier-Heller-Platz.Foto: Penk

Der Landfrauenverein Leutershausen erhielt nach einer Synagogen-Führung einen weiteren Einblick in die jüdische Geschichte Leutershausens. Martina Schulz-Hamann und Michael Penk vom Synagogen-Arbeitskreis führten die Gruppe durch den Ort. Anhand eines Dutzends noch erhaltener Gebäude berichteten Schulz-Hamann und Penk über die jüdischen Familien.

Um 1860 lebten rund 165 Jüdinnen und Juden in Leutershausen, die als Händler, Handwerker und Vereinsmitglieder das öffentliche Leben aktiv mitgestalteten und gut integriert waren. Im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden wohnten die jüdischen Familien in Leutershausen nicht abgeschieden in einer sogenannten „Judengasse“, sondern mitten im Ortskern – Tür an Tür mit ihren nichtjüdischen Nachbarn.

Neben den ehemaligen Wohnhäusern in der Hauptstraße, der Vordergasse, der Mittelgasse und der Martin-Stöhr-Straße standen auch das erste Bethaus und die Mikwe auf dem Programm. Hans Behrendt, Pfarrer im Ruhestand, erzählte der Gruppe die Geschichte dieses rituellen jüdischen Bades, das auf seinem Grundstück steht.

In der ehemaligen Schule in der Mittelgasse 15 lebten gleich zwei herausragende Persönlichkeiten der Gemeinde. Kantor Meier Heller war aktives Vereinsmitglied, gefragter Festredner und Mitbegründer des bis heute bestehenden Odenwaldklubs Leutershausen. Nach ihm ist auch der Platz neben der Synagoge benannt. Ebenfalls in dem Haus wohnte Kurt Hermann Weil – „wohl der international bekannteste Leutershausener“, wie Penk betonte. Der Ingenieur diente als Flieger im Ersten Weltkrieg, konstruierte später Flugzeuge für Junkers, war an der Organisation der Berliner Luftbrücke 1948 beteiligt und lehrte schließlich als Professor für Maschinenbau in den USA.

An einigen Stationen wurden das Leid und die Verfolgung jüdischer Familien während der NS-Zeit greifbar. So konnten einige Familien in die USA oder nach Palästina emigrieren, mussten alles aufgeben, was ihr Leben bislang ausgemacht hatte. Andere hatten versucht Zuflucht in den Großstädten zu finden, in dem Trugschluss dort untertauchen zu können – meist vergeblich.

Noch immer besuchen Nachkommen jüdischer Familien Hirschberg, um die Orte ihrer Vorfahren kennenzulernen. So bleibt die Geschichte jener Gemeinschaft lebendig, die einst ein selbstverständlicher Teil des Dorflebens war, und deren Erbe bis heute Mahnung und Auftrag zugleich ist. Der Synagogen-Arbeitskreis trägt mit Recherche, Dokumentation und Bildungsarbeit dazu bei, diese Erinnerung wachzuhalten. Führungen bietet der Synagogen-Arbeitskreis auch für weitere interessierte Gruppen an.

Hans Behrendt erzählt die Geschichte der Mikwe.Foto: Penk
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