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Zwischen Mythos und Gegenwart

„L’Orfeo“-Premiere bei Schwetzinger SWR Festspielen

In einer Neuproduktion von Markus Bothe brachte der SWR in Kooperation mit dem Nationaltheater Mannheim „L’Orfeo“ von Monteverdi auf die Bühne.
Orpheus, gespielt von Julian Prégardien, und Eurydike, gespielt von Amelia Scicolone bei der ausverkauften Premiere am Samstag.Foto: Christian Kleiner

In einer Neuproduktion von Markus Bothe brachte der SWR in Kooperation mit dem Nationaltheater Mannheim unter der musikalischen Leitung von Jörg Halubek eine der ältesten Opern überhaupt im Rahmen der Schwetzinger Festspiele auf die Bühne: „L’Orfeo“ von Claudio Monteverdi nach dem Libretto von Alessandro Striggio dem Jüngeren.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Sängers Orpheus (Julian Prégardien), der nach dem Tod seiner geliebten Eurydike (Amelia Scicolone) in die Unterwelt hinabsteigt, um sie zurückzuholen — und sie doch durch einen Moment des Zweifelns endgültig verliert. Die Oper umfasst einen Prolog und fünf Akte. Die Premiere am Samstagabend im Rokokotheater war ausverkauft; zudem erhielten die Besucher eine ausgesprochen informative Begleitbroschüre.

Von Monteverdi bis heute

Die Oper „L’Orfeo“, die vor 419 Jahren entstand, wurde unzählige Male aufgeführt. Ihre Uraufführung fand am 24. Februar 1607 auf dem Höhepunkt des Karnevals im herzoglichen Palast in Mantua statt. Claudio Monteverdi, in Cremona in ärmlichen Verhältnissen geboren, wurde von Marc’Antonio Ingegneri, dem Kapellmeister des Doms von Cremona, ausgebildet. Später schrieb er zahlreiche Madrigale und entwickelte diese Form entscheidend weiter — vom mehrstimmigen Gesang hin zum Sologesang mit instrumentaler Begleitung, dem Generalbass.

Welten zum Leben erwecken

Monteverdi war ein Erneuerer und folgte damit dem Geist seiner Zeit, einer Epoche großer Entdeckungen und Umbrüche, in der etwa das Mikroskop erfunden und das Weltbild durch Galileo Galilei und Johannes Kepler neu bestimmt wurde. Zugleich rückte der Mensch als Individuum mit seinen Gefühlen stärker in den Mittelpunkt. Mit dem Erkenntnisgewinn stellte sich jedoch auch die Frage nach dessen Grenzen. „Wenn Orfeo sich mit dem Tod nicht abfindet, sondern seine geliebte Eurydice aus der Unterwelt zurück zu den Lebendigen bringen möchte, setzt er die Regeln der Natur und der Götter außer Kraft“, sagte Regisseur Markus Bothe in einem Interview. „Für mich ist das die Kraft von Kunst: Welten lebendig werden zu lassen.“

Bühnenbild

Das erklärt auch das ungewöhnliche Bühnenbild von Robert Schweer in Schwetzingen. Zu Beginn sieht man Menschen, die ein großes Renaissance-Gemälde betrachten — eine Anspielung auf Botticellis„Primavera“, in dem Hirten und Nymphen in einem Wald erscheinen. Auch das Bühnenbild der Unterwelt ist stark bildhaft angelegt und greift Gemälde wie Pieter Claesz’ „Stillleben mit Totenkopf“ oder Cecco Bravos „Pluto raubt Proserpina“ auf.

Publikumsreaktion

Das Publikum zeigte sich von der Aufführung begeistert, ebenso von den gesanglichen Leistungen und der musikalischen Qualität des Ensembles Il Gusto Barocco. Besonders eindrucksvoll wirkten Bühnenbild und Inszenierung, die sich über drei Ebenen erstreckten — mit dargestellten Gemälden, dem Handlungsgeschehen auf der Bühne und dem teilweisen Spiel bis in die vorderen Reihen des Zuschauerraums. „Sei immer tot in Eurydike — singender steige, preisender steige zurück in den reinen Bezug“, zitierte Besucherin Dr. Hannah Menyer einen Vers aus Rainer Maria Rilkes Sonette an Orpheus und ergänzte: „Die Funktion von Kunst ist es, aus diesem Jammerleben herauszuhelfen.“

Die Neuinszenierung von „L’Orfeo“ wurde mit Unterstützung der Fuchs SE sowie von Manfred und Lilo Fuchs gefördert. Der Monteverdi-Zyklus am Nationaltheater Mannheim wird von der Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt.

Mehr zum Thema

Die Spielzeit der Schwetzinger SWR Festspiele läuft bis Samstag, 23. Mai.

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