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Drag Queens in der Spargelstadt

Maayan Licht und die Queens of Mannheim in Schwetzingen

Ein Projekt, das im Rahmen der Pride Days in Amsterdam Premiere hatte, holte die künstlerische Leiterin der Festspiele nach Schwetzingen.
Musiker:innen, Sänger und Performer beim Schlussapplaus.Foto: aw

Maayan Licht und die Queens of Mannheim

Ein Projekt das im Rahmen der Pride Days in Amsterdam Premiere hatte, holte die künstlerische Leiterin der Festspiele Cornelia Bend nach Schwetzingen und fügte die Dragqueens aus Mannem hinzu. Eine gelungene Aufführung die sich zwischen Kunst, Klischees und Weltoffenheit bewegt.

Das Quintett CLUB CLASSIQUE aus Amsterdam, das als Auftrag sieht Klassik für jeden zu spielen, gab den Arien aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet 1875 komponiert eine neue Perspektive.(Arrangements Marijn van Prooijn) Den berühmten Kubanischen Tanz Habanera aus der Oper gab es zwar nur andeutungsweise und wer den Torero – der nur musikalisch aufblitzte – vermisste wurde anderweitig entschädigt. Denn dafür gab es genug Spektakel auf der Bühne, eine Bar in der José (Tenor Mitch Raemaaekers) die Drinks mischte. Seine Liebesbeteuerungen an Carmen fanden kein Gehör, was diese – wie im Original – mit dem Leben bezahlte. Doch das schauspielerische und gesangliche Selbstbewusstsein, das queere Selbstverständnis dieser quirligen Dame (gesungen und gespielt vom Sopranisten Maayan Licht) bekam vom Publikum enorme Sympathiebekundungen, genau wie die Damen aus der Queeren Community Mannheims. David /Künstlername Pyper, Damian/Onyx und Jonas/Macy schillerten nicht nur in glitzernden Kleidern, sondern bewegten sich auf der Bühne als wäre es ihre Passion.

Geschulte Stimmen

Musikalisch geführt von Geigerin Myrthe Helder, Jelmer de Moed (Klarinette), Leonard Besseling (Cello), Gwylim Janssens und Lestari Scholtes vierhändig am Klavier, wobei letztere die Kastagnetten bediente wurden die „Ohrwürmer der Musikgeschichte“ instrumental aneinandergereiht. Die wunderbare Sopranstimme des israelischen Sängers Maayan Licht kokettierte in „L´amour est un oisean rebell“ (Die Liebe ist ein wilder Vogel) mit der Aussage „Liebe ist Liebe für alle“. Und im berühmten finalen Duett des niederländischen, lyrischen Tenor Mitch Raemaekers als José und Sopranist Maayan Licht als Carmen, das erst Harmonie ausstrahlt und dann doch im Kampf endet, waren die beiden geschulten Stimmen zu bewundern. In dieser avantgardistischen Neuinterpretation eines klassischen Opernstoffes als Geschlechtervielfalt thematisierende Performance die Menschen bewegt und fällige Auseinandersetzung anstößt.

Der Star an der Bar

Nach der Vorstellung ließ sich das Ensemble im Foyer vom Publikum feiern. Susanne Benda, Moderatorin von SWR Kultur, interviewte die Musiker, allen voran Maayan Licht der in seiner quirligen Art das Publikum bezauberte. Er stellte die neue Sichtweise der Figur CarMEN dar, die er nicht geschlechtsspezifisch, sondern als neutrales Individuum sieht. Cornelia Bend gefiel dies als „HALTUNG“, entsprechend dem Motto der diesjährigen Festspiele. Und Licht verriet, dass er als Sänger des Barock und der Frühklassik, der 2025 den Award als Newcomer der Oper International gewann, sich vorstellen könne beim ESC (Eurovision Song Contest) aufzutreten. Aber sich erst einmal am Samstagabend mit Harfenist Joel von Lerber nochmals von einer anderen künstlerischen Seite zeigen möchte. Man darf mit Spannung erwarten, was diese aufstrebende, aufregende Stimme der Opernszene noch alles zu bieten hat! Und wer sich für die Szene der Dragqueens aus Mannheim interessiert sei auf die Dokumentation des SWR „Queens of Mannem“ verwiesen. (aw)

Erscheinung
Schwetzinger Woche
Ausgabe 21/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
18.05.2026
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