AWO und Heimatfreunde Malsch hatten am Sonntag, 12. Oktober, zur Historischen Dorfrunde eingeladen. Dabei ging es um Malschs ehemalige Wirtschaften, um Kriege, historische Gebäude und: um die Listigkeit und Sturheit der Malscher.
Malsch hat eine reiche Geschichte – und wenn Donald Werthwein von den Heimatfreunden Malsch sie erzählt, dann ist das eine sehr kurzweilige, lebendige Geschichte. Malsch, offiziell 960 Jahre alt, aber vermutlich viel älter, hat so einige Besonderheiten zu bieten.
Das Dorf hatte zum Beispiel zwei Herren, es war badisch und württembergisch. Die Malscher nutzten listig diesen Umstand aus, um beide gegeneinander auszuspielen und sich verschiedene Rechte zu sichern, unter anderem das Recht, Todesurteile zu sprechen. „Stur waren sie, die Malscher“, so Donald Werthwein.
Stur waren sie auch beim Neubau der Kirche St. Cyriak um das Jahr 1830. Die Malscher wollten eine ganz neue Kirche, der großherzogliche Baumeister Friedrich Weinbrenner lehnte den Neubau ab und übergab die Arbeiten an einen Schüler. So kam die heutige Optik der Kirche zustande: Die Basis der alten Kirche auf dem Hügel blieb erhalten, ebenso das Taufbecken.
Rund um die Kirche St. Cyriak wurde bei der Historischen Dorfrunde, zu der über 20 Malscher gekommen waren, die Geschichte lebendig: Von der ehemaligen Apotheke in der Hauptstraße aus organisierte während der badischen Revolution 1849 Prinz Wilhelm von Preußen die Belagerung von Rastatt. Die Malscher unterdessen waren auf Seiten Revolutionäre aktiv.
Auch die Geschichte der Malscher Schulen beginnt bei der Kirche: Wo heute das AWO-Gebäude steht, stand einst die erste Malscher Schule, in der der Messner die Kinder unterrichtete. Die zweite Schule, rechts des Kirchplatzes errichtet, bestand aus gerade einmal einem Raum, in dem sich 120 Schüler drängten. Und so wurde eine dritte Schule gebaut – auf der anderen Seite von Kirchplatz und Hauptstraße beim jetzigen Rathaus.
Die Dorfrunde führte von der Kirche durch bis zum ehemaligen Waaghäusel – über die Hauptstraße, an der sich früher das Leben in Malsch abspielte. So hatte Malsch zahlreiche Schuhgeschäfte, eine Kaffeerösterei, etliche Kolonialwarengeschäfte, Bäckereien und sogar ein kleines Kino, die sogenannte „Flohkiste“, in der für 50 Pfennige auf harten Holzbänken Filme geschaut wurden. Heute steht der Raum in der Hauptstraße leer.
Vor allem eines gab es: Wirtshäuser. Rund 20 Wirtshäuser hatte Malsch und alle gingen gut, erzählte Donald Werthwein. Der Besuch in der Gaststätte war allerdings den Männern vorbehalten, die Frauen mussten zu Hause bleiben. Und eine Besonderheit ist schon fast vergessen: der Eiskeller unter dem Biergarten, der heute noch existiert, aber nicht mehr betreten werden darf. Hier wurde früher das Eis, das auf gefluteten Wiesen gestochen wurde, eingelagert und das ganze Jahr über genutzt.
Beim Rundgang erinnerte Donald Werthwein auch an die jüdische Bevölkerung Malschs. Bei der Kirche erinnert ein Denkmal daran, dass vor 85 Jahren die jüdischen Bürger ins Internierungslager Gurs deportiert wurden.
Wo einst die Synagoge stand, hinter der Hauptstraße 26, ist heute ein Parkplatz mit Mahnmal. Auf der anderen Seite, an der heutigen Waldprechtsstraße 1, stand die Mikwe, das traditionelle jüdische Bad. Auch dieses Gebäude wurde von den Nazis vernichtet.
Wer heute die Adlerstraße, Ecke Kreuzstraße sieht, kann sich kaum vorstellen, wie es hier noch im vorigen Jahrhundert aussah. „Auf der Adlerstraße war tote Hose“, erzählte Werthwein.
Beim Gasthaus Ochsen (heute Volksbank-Gebäude) war der Teufel los. Das lag aber nicht am Wirtshaus, sondern an der Ochsenbrücke, eine extrem schmale Sandsteinbrücke, über die sich der gesamte Verkehr zwischen Ettlingen und Muggensturm bewegte oder besser: staute. Sie wurde abgerissen, der Bach in den 1960er Jahren überdeckelt und so erhielt dieser Teil der Straße seine heutige Breite.
Mit dem ältesten Haus Malschs, am Pfarrgässle, endete die Historische Dorfrunde. Das Fachwerkhaus, einst gebaut als Badehaus, hat als eines von nur drei Gebäuden in Malsch den Dreißigjährigen Krieg überstanden und 1796 die Schlacht von Malsch, in der viele Häuser zerstört wurden. Mimi Rübenacker von der AWO freute sich über den gelungenen Rundgang und betonte, „wie wichtig es ist, Geschichte aufrechtzuerhalten“.



