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Ein Festival, das Grenzen sprengt

Mannheimer Sommer 2026: Musik in der Quadratestadt

Der Mannheimer Sommer ist seit vielen Jahren ein Highlight in und um Mannheim. Klar, dass sich die UNESCO City of Music auch 2026 wieder ins Zeug legt
Schauspieler Charly Hübner und das Ensemble Resonanz bringt die düsteren Songs von Nick Cave mit Schuberts Stücken in Einklang.Foto: Jann Wilken

Wenn Oper auf Pop trifft, ein Streichquintett im Fußballstadion spielt und ein Drum-Roboter im Museum zum Mitmachen einlädt, dann ist wieder „Mannheimer Sommer“. Vom 18. bis 28. Juni 2026 verwandelt das internationale Festival für Musik und Theater die UNESCO City of Music in einen Ort voller überraschender Begegnungen, ungewöhnlicher Perspektiven und großer Gefühle.

Unter dem Motto „Lasst euch entgrenzen!“ lädt das von der Oper des Nationaltheaters Mannheim veranstaltete Biennale-Festival dazu ein, Musiktheater neu zu entdecken – offen, neugierig und an Orten, an denen man es vielleicht nicht unbedingt erwartet. Neben den Bühnen des Nationaltheaters werden auch neue Spielorte in der Stadt bespielt. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

Zwischen Tradition und Aufbruch

Das künstlerische Leitungsteam um Jan Dvořák und Jakob Kotzerke versteht das Festival als Einladung, vertraute Grenzen hinter sich zu lassen und neue künstlerische Räume zu betreten. Genau dieser Geist prägt das Programm: Es reicht von großer Oper über Tanz und Performance bis zu intimen Konzerten und experimentellen Formaten. "Unser Motto ›Lasst euch entgrenzen‹ soll ein Signal für Neugier und Entdeckungsfreude sein – wir wollen dazu verführen, die künstlerischen Gebiete jenseits der traditionellen Grenzen zu erkunden", erklärt Jan Dvořák. Und Jakob Kotzerke ergänzt: "Die Festivalausgabe 2026 wird zu großen Teilen in und rund um unsere Interimspielstätte OPAL stattfinden. Wir sind begeistert, dass viele ungewöhnlichen Veranstaltungsorte in der Stadt hinzu kommen und wir großartige Kooperationspartner gewinnen konnten."

Das Festivalteam Albrecht Puhlmann (Intendant Oper), Julia Warnemünde (Festivaldramaturgin), Jan Dvořák (Künstlerischer Leiter), Cordula Demattio (Chefdramaturgin Oper), Jakob Kotzerke (Künstlerischer Leiter) freut sich auf einen spannenden Mannheimer Sommer.Foto: Natalie Grebe

Zauberflöte und Chatbots

Ein Schwerpunkt liegt auf den Eigenproduktionen des Nationaltheaters Mannheim. Zur Eröffnung am 18. Juni steht Mozarts „Die Zauberflöte“ in der Inszenierung von Cordula Däuper im OPAL auf dem Programm. Als zweite große Opernneuproduktion folgt Monteverdis „L’Orfeo“ im Schlosstheater Schwetzingen – ein Werk, das seit mehr als 400 Jahren zu den Grundsteinen der Oper gehört und bis heute existenzielle Fragen nach menschlichen Grenzen und ihrer Überwindung stellt.

Mit „E.L.I.Z.A.“ zieht außerdem ein hochaktuelles Thema ins Festival ein: Die Musiktheater-Installation von Kommando Himmelfahrt widmet sich im Studio Werkhaus dem ersten Chatbot der Geschichte und entwirft eine düstere Zukunftsvision zwischen Selbstoptimierung, digitaler Verheißung und emotionaler Steuerung.

Vier Uraufführungen, vier ganz eigene Blickwinkel

Besonders spannend sind die vier Uraufführungen, die aus dem Projektwettbewerb „TO THE EDGES“ hervorgegangen sind. Die eingeladenen Künstlergruppen erkunden ausgehend von Mozart neue Formen des Musiktheaters – ortsspezifisch, experimentell und mit ungewöhnlichen Zugängen.

So lädt das Berliner Regieduo Vöcks de Schwindt mit „Queer Opera Love. Ein dokumentarischer Hausbesuch“ zu einem sehr persönlichen Opernerlebnis ein. In „Mozart. Schwarzenegger. Hitler“ erzählen Isabella Sedlak und Thomas Moked Blum die tragikomische Geschichte eines Mozart des 21. Jahrhunderts – irgendwo zwischen Rokoko, TikTok und Selbstzweifel. Das Pariser Kollektiv †een▲ge god verwandelt mit „Don Giovanni (Justin Bieber Remix)“ die Mannheimer Friedenskirche in einen rituellen Pop- und Musiktheaterraum. Und auch das berühmte „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem wird neu befragt – als begehbare Tanztheater-Installation ebenfalls in der Friedenskirche.

Große Namen, besondere Orte

Auch im Gastspielprogramm verspricht der „Mannheimer Sommer“ zahlreiche Höhepunkte. Ein besonderer Moment dürfte die Rückkehr von Diana Damrau sein, die am 19. Juni für einen Liederabend auf die Bühne des Mannheimer Nationaltheaters zurückkehrt – dorthin, wo ihre Karriere einst als Ensemblemitglied begann.

Wiedersehen mit Diana Damrau: Die große Sopranistin kehrt nach Mannheim zurück.Foto: Jiyang Chen

Nick Cave trifft Björk und Mozart

Schauspieler Charly Hübner und das Ensemble Resonanz verbinden in „Mercy Seat“ Schuberts „Winterreise“ mit Songs von Nick Cave. Direkt im Anschluss fährt die historische Mannheimer Straßenbahn als Festivalshuttle ins OPAL zum "Maskenball" (20.06., Festivalzentrum und Foyer) im venezianischen Stil. Kat Frankie bringt zusammen mit dem Vokalenemble B O D I E S mit „Hunter“ ein von Björk inspiriertes Musiktheater zwischen Pop, Oper und Elektronik nach Mannheim (23.06.) und ist zusätzlich in einem Solokonzert (24.06.) zu erleben. Mit Boris Charmatz kommt zudem einer der prägendsten Choreografen der Gegenwart zum Festival: Seine gefeierte Arbeit „10000 Gesten“ macht Mozarts „Requiem“ zum körperlich erfahrbaren Ereignis (25.06., OPAL).

Wilde Jagd: Die Performance "Hunter" von Liesa van der Aa, Kat Frankie und BODIES ist inspiriert von Björks »Homogenic«.Foto: Peter van Heeesen

Beyoncé im Rhein-Neckar-Stadion

Ein besonderes Profil gewinnt das Festival auch durch sein Ensemble in Residence: Wooden Elephant, ein international besetztes Streichquintett, das Pop- und Elektronik-Alben in raffinierte Kammermusik verwandelt. Das Ensemble ist mit mehreren Konzerten, einem Workshop und Pop-up-Auftritten präsent. Für „Lemonade“ von Beyoncé zieht es sogar ins Rhein-Neckar-Stadion – ein ebenso ungewöhnlicher wie spektakulärer Konzertort.

Ebenso außergewöhnlich ist Moritz Simon Geists Installation „MR-808“ im Technoseum. Der überdimensionale Drum-Roboter kann live vom Publikum programmiert werden und schlägt damit die Brücke zwischen Robotik, Performance und elektronischer Musik.

Sind nach ihrem Schwetzinger Gastspiel 2024 wieder zurück in Mannheim: Wooden Elephant.Foto: Christian Kleiner

Festivalstimmung für die ganze Stadt

Der „Mannheimer Sommer“ beschränkt sich nicht auf klassische Aufführungsräume. Konzerte in der Friedenskirche, Klangerlebnisse im Planetarium, ein Familientag mit kostenfreien Veranstaltungen, die Operngala „Schloss in Flammen“, Parties und Nachgespräche machen das Festival zu einem vielseitigen Erlebnis für ganz unterschiedliche Besucherinnen und Besucher.

Auch das letzte Festivalwochenende verspricht noch einmal besondere Momente – vom musikalisch-vergnüglichen „Phantom der Operette“ über Orchesterkaraoke bis zum stimmungsvollen Abschluss mit „Landschaftsmusik“ im Luisenpark.

Ein Sommer für Neugierige

Der „Mannheimer Sommer“ zeigt, wie lebendig, überraschend und offen Musiktheater heute sein kann. Zwischen Opernklassikern, Pop-Bezügen, Technik, Tanz und neuen Spielorten entsteht ein Festival, das Lust macht, sich treiben zu lassen – und Mannheim im Juni aus einer ganz besonderen Perspektive zu erleben.

Der „Mannheimer Sommer“ wird unter anderem von der Stadt Mannheim, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie weiteren Förderern und Stiftungen unterstützt.

Tickets und das komplette Programm gibt es hier

Erscheinung
exklusiv online
von NTM Nationaltheater Mannheimpm/red
10.04.2026
Orte
Heidelberg
Mannheim
Altlußheim
Angelbachtal
Bammental
Kategorien
Klassik & Jazz
Kultur
Musik