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Kabarett & Theater

MAX Hemsbach: Stefan Waghubinger begeistert mit Best-of

Stefan Waghubinger begeistert mit scharfsinnigem Kabarett und skurrilen Anekdoten. Sein Humor spielt mit Alltag, Philosophie und überraschender Logik.
Ein Mann schaut in die Kamera, Licht scheint in sein Gesicht.
Stefan Waghubinger war mit einem Best-of seiner Bühnenprogramme zu Gast in Hemsbach.Foto: cs

Vor einigen Jahren war Stefan Waghubinger schon einmal im MAX. Und nie war es schöner, einem Gescheiterten zuzuhören. Doch im realen Leben ist Waghubinger alles andere als ein Gescheiterter. Der Träger des Stuttgarter Besens steht seit 15 Jahren auf der Bühne. In Hemsbach brachte er einen Streifzug durch das Schaffen dieser Zeit.

„Hab ich euch das schon erzählt?“ Immer wieder ist dieser Satz so oder so ähnlich zu hören. Und dann steht er da. Den Blick vom einen zum anderen werfend, leicht irritiert. Der Titel ist bei Stefan Waghubinger Programm.

Und zu erzählen hat er viel. Von gestrickter Captain-Kirk-Jacke im Biene-Maja-Look, in die er zu Weihnachten gezwängt wird, von Gott und dem Opferstock, denn ein bisschen Geld kann jeder gebrauchen, selbst wenn er allmächtig ist und vom Zwang zur Sünde, denn irgendwas musste er als katholischer Schüler schließlich zu beichten haben. Das alles bewegt Waghubinger, der seine Gedanken ganz unschuldig in die Ohren seines Publikums schleust.

Dass er mit seinen Erklärungen dann auch mal verdammt daneben liegen kann, ist offenkundig. Weil das Unschuldige ins Naive driftet und sich die Schlichtheit des Denkens den Weg ebnet in dem, wie der Österreicher die Welt zeichnet. Und um die Komfortzone zu wahren, muss auch die eine oder andere Verdrehung sein.

Anpassung? Sicher. Deswegen habe er auch nichts gegen die Natur. „Aber wenn die hier mit uns leben will, dann muss sie sich halt anpassen.“

Und dass in China angeblich kein Reis mehr produziert wird, ist nur folgerichtig. „Die Chinesen arbeiten alle in Fabriken ohne Umweltstandard und produzieren die Sachen, die wir billig kaufen möchten, denn wir sind ja nicht blöd“, kommentiert Waghubinger die gewollte Konsumflut, bestellt bei Temu und Co. – auf Kosten anderer. Dafür kann Europa bei fortschreitendem Klimawandel dann den Reis anbauen.

Denn wenn alles unter Wasser steht, hilft auch kein Demonstrieren mehr. Doch Waghubinger wäre nicht der, der er ist, hätte er nicht auch hier die Lösung: „Dann muss man das einfach reparieren.“ Etwa durch das Herausfischen der Blauwale im Meer – Masse verdrängt schließlich Wasser.

Die Problembewältigung in Stefan Waghubingers Welt ist wie seine Bühnenfigur: einfach gestrickt. Und wenn sich das Universum eh um die eigene Person dreht, dann ist es auch egal, wenn die Gattin Geburtstag hat. „Wir haben doch alles, ich bin zufrieden. Was soll ich ihr noch schenken?“ Und den Tag zu vergessen ist auch egal – Frauen leben eh fünf Jahre länger als Männer.

Wo andere Kabarettisten sich an einer solchen Stelle in die Geschlechter-Thematik fallenließen, zieht Waghubinger gleich weiter. Und das ist vielleicht das Geheimnis seines Best of, in dem er auch Anekdoten seiner Reisen und Auftritte teilt: Er lässt, was zu erzählen ist, aufblitzen, legt es ad acta, um es irgendwann wieder hervorzuholen. Nie reitet er Themen, nie versteigt er sich in eine sich überbietende Pointenschlacht.

Der Österreicher, der seine Herkunft dank seines charmanten Zungenschlags nicht verhehlen kann, bleibt wohl dosiert. So hält er es auch mit der Stimmung: Mal mit heiterer Miene und blitzenden Augen, mal mit ausdruckslosem Blick und hängenden Schultern steht er da, setzt dem Witz die Melancholie gegenüber, lässt Worte zu Spielen werden, die von der Oberfläche in die Tiefe tauchen – und die wirklichen Lebensfragen aufwerfen. Wenn es doch so vieles gibt, was er machen wollte, wenn er wüsste, dass er stirbt, warum macht er dann nicht? „Ich weiß ja, dass ich irgendwann sterbe.“

Der Abend mit Stefan Waghubinger hat am Ende alles, was man sich von gutem Kabarett verspricht. Das Zünden der tieferen Bedeutung des Gehörten beim zweiten Gedanken eingeschlossen. Gerade das ist eine Kunst, die der Österreicher meisterlich beherrscht und die ihm das Publikum im leider übersichtlich gefüllten MAX am Ende des Abends dankt.

Ein Mann sitzt auf einem Stuhl und spricht.
Der Österreicher erzählte von Kindheit und Ehefrau und machte sich genauso Gedanken über Religion und Klimawandel.
Erscheinung
Hemsbacher Woche
NUSSBAUM+
Ausgabe 40/2025
von Redaktion NUSSBAUMChristina Schäfer
03.10.2025
Orte
Hemsbach
Kategorien
Bühne
Kultur
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