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„Ich mach‘ was mit Medien“

Menschen in Durlach: Serdar Dogan

Serdar Dogan aus Durlach ist vielseitig im Medienbereich aktiv. So ganz einfach lässt sich sein Schwerpunkt nicht ausdrücken. Uns gab er Einblicke.
An ihren Arbeitsplätzen blickt das Team von Qreate auf das alte Schlachthof-Gebäude.Foto: rist

Lampen, Taschen, Kabel, Kameras, Computer, ein Schlagzeug, Elektronik aller Art - zum Termin hat Serdar Dogan die Berichterstatterin in sein Büro in der Pferdeschlachthalle eingeladen.

Dort arbeitet der Durlacher Regisseur? Künstler? Filmemacher? Techniker? „Es ist schwer, zu sagen, was ich mache“, erklärt Serdar Dogan und lacht. „Ich sage immer, ich mache irgendwas mit Medien - viel mit Kunst, Video Animation, Fotos, alles Mögliche.“

Schon im Kopf

Seine Agentur heißt „Qreate“, angelehnt an to create, englisch für schaffen, erstellen. „Ich erschaffe gern Neues, etwas, das Spaß macht“, sagt er. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Film und Animation.

Sechs feste und mehrere freie Mitarbeiter:innen arbeiten bei Qreate in einem „tollen Team“, so Serdar Dogan. „Wir haben ein schönes Büro, ich bin froh, dass wir im Alten Schlachthof sind.“ In Durlach habe er leider nichts gefunden.

Alles sei leichter, wenn alle motiviert seien. „Ich versuche auch, die anderen zu eigenen Projekten zu animieren und unterstütze sie dabei“, sagt er weiter. Er bekomme öfters die Rückmeldung, dass er auch in chaotischen Situationen einen kühlen Kopf bewahre. „In meinen Kopf weiß ich ja schon, wie etwas werden wird, also gibt es keinen Grund zur Panik“, erklärt Dogan.

Freie Hand lassen

Serdar Dogan führt Regie, schreibt Drehbuch, führt die Kamera, macht den Schnitt, handelt Verträge aus, entwirft Konzepte. „Am liebsten ist mir, wenn ich freie Hand habe“, sagt er. Manche Auftraggeber:innen kommen diesem Wunsch entgegen und lassen ihn einfach machen. Belohnt werden sie mit witzigen, actionreichen Spots, die Produkte auf ungewöhnliche Art bewerben: Um das vermeintlich letzte Zimmer in einem Schwarzwald-Hotel treten Männer in eine launige Kampfsport-Show-Auseinandersetzung; eine Unterputzdose, die nicht eingegipst werden muss, rettet die Welt …

„Ich arbeite in zwei Bereichen“, sagt er. „Ich mache Auftragsarbeiten und ich mache künstlerische Projekte.“ So entstehen Filme mit Ben Becker, Cosma Shiva Hagen oder mit Schriftstellern wie Ferdinand von Schirach. Begonnen hatte er seine Karriere mit Spielfilmen, auf seiner inneren Agenda steht ein weiteres Spielfilm-Projekt: „Ich möchte mich mit meiner Herkunft auseinandersetzen“, sagt er. „Erst jetzt habe ich die Kapazität, mein Leben einzusortieren.“ Der Film soll vom Zusammenführen der Kulturen handeln.

Permanent mit Rassismus konfrontiert

Serdar Dogan ist 46 Jahre alt. Geboren wurde er in der Türkei, mit seinen Eltern kam er als Kind in ein kleines Dorf bei Mühlacker. „Es gibt Rassismus und ich war permanent damit konfrontiert“, sagt er. Verdächtigungen, Unterstellungen, Kontrollen, Erniedrigungen, Gewalt habe er über sich ergehen lassen müssen. Es sei nicht einfach, sich nicht als Opfer zu fühlen. Wer blond und blauäugig ist, könne diese Erfahrungen überhaupt nicht machen und dürfe deshalb nicht behaupten, dass es keinen Rassismus gebe.

Mit zunehmendem Alter sei er sicherer geworden und habe eine Resilienz entwickelt. Es seien jedoch die Privilegierten an der Startlinie, und die Benachteiligten müssten aufholen. Er staune selbst darüber, wie er aufgeholt habe. „Wenn damals jemand zu meinem kleinen Ich gesagt hätte, dass alles gut wird, das hätte mir schon sehr geholfen“, stellt er nachdenklich fest.

Insgesamt habe er sich seine heutige Situation so nicht aussuchen können, es habe sich entwickelt. „Eine Arbeit hat mich zur nächsten gebracht“, sagt er. „Es geht immer ein Tor auf und dann muss man entscheiden, ob man durchgeht.“

Eine seiner größten beruflichen Entscheidungen war, doch nicht, wie er es ursprünglich wollte, Profi-Gitarrist und -Schlagzeuger zu werden. „Ich hatte eine Band, die schon sehr weit oben kurz vor Plattenverträgen war“, sagt er, „und gleichzeitig hatte ich erste Erfolge mit Filmen. Das schien mir dann realistischer, um meine Familie zu ernähren." Er mache immer noch gerne Musik – weshalb im Büro auch ein elektrisches Schlagzeug steht.

Zwei Schutzengel

Glücklich ist er, dass er zwei Schutzengel habe. „Das hat jemand zu mir gesagt, weil ich als Kind einen schweren Unfall überlebt habe“, erinnert er sich. „Es ist toll, zwei Schutzengel zu haben.“

Überhaupt macht Serdar Dogan einen sehr zufriedenen und bewusst dankbaren Eindruck. Auch deshalb unterstützt er mit seiner Arbeit häufig soziale Projekte. Er sei gut in der Schule gewesen, habe immer viel Kraft aus Musik, Theater und Kunst gezogen, habe früh gelernt, bewusst und aufmerksam zu sein. Dennoch vergisst er nicht: „Eine subjektive Wahrnehmung zu haben, ist kein Wahrheitsbestand.“ (rist)

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
16.04.2025
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