
Michael Fitz ist wahrlich kein Unbekannter in Hemsbach. Und sein Publikum ist ihm treu. Entsprechend viele Stühle waren im MAX gefüllt, als der Musiker auf die Bühne trat. Und nach fast exakt 30 Minuten eine Pause einlegte. Zwangsweise.
„Müssen jetzt alle raus?“ Leicht irritiert wirkte Fitz angesichts des gellenden Alarms, der sich in die Ohren seines Publikums bohrte. Rauch aus der Küche war verantwortlich dafür, dass nicht eine seiner Gitarren, sondern ein Melder zwischenzeitlich tonangebend war. Raus musste aber niemand. Und so wurde die ungeplante Pause für einen Plausch mit dem Künstler genutzt. Glatte sieben Minuten dauerte die Unterbrechung. Dann konnte es weiter gehen mit „As Letzte“. Das Programm war aber alles andere als das Letzte, das Fitz zu bieten hatte. Es war eine Zeitreise durch die Lieder des Liedermachers. „Die haben eins gemeinsam: Es sind alles keine Gassenhauer und keine Evergreens“, sagte Fitz mit einem Grinsen im Gesicht. Aber das könne ja vielleicht posthum noch kommen. Und dann legt er los. Es ging um ihn, um den Mann an sich, um das Zwischenmenschliche und – man höre und staune – die Liebe. Seine Frau hatte ihn genötigt, ein Liebeslied zu komponieren. „Wenn Frauen sich etwas in den Kopf setzen, dann kriegt man das nicht mehr weg“, wusste Fitz. Dabei sei er doch für Gefühliges mit Herz und Sehnsucht der völlig falsche Kandidat. Das Publikum dürfte dankbar für die Standhaftigkeit der Gattin sein. Denn mit „Liebeslied“ bescherte der Musiker eine ganz andere Liebeserklärung, als das, was Kitsch-getränkter Pop gerne fabriziert. Echt, ungekünstelt und mit ehrlichen Einblicken in das eigene Seelenleben zeigte sich Michael Fitz. Dass es, weil alle Energie in Wort und Musik geflossen war, dem Titel an Kreativität mangelte, war man gänzlich gewillt zu verzeihen.
Das Echte ist das, was den Musiker Michael Fitz ausmacht. Der Bayer lässt die Menschen teilhaben an dem, was sich in seinem Inneren abspielt, versteht es aber auch, sich dabei nicht gänzlich nackt zu machen. Zumal er den Menschen das vor Augen führt, was sie selbst beschäftigt. So kündigt er mit „Hinter meiner Stirn“ eine Situationsbeschreibung an. „Viel los“ sei da in seinem Kopf. Und zwischendurch nimmt der Künstler die Gäste des MAX mit in die Vergangenheit, zu seinem ersten Computer mit 1 MB Arbeitsspeicher, auf dem er Musik machte. Heute nähere man sich dem Punkt, an dem Computer dem Menschen das Denken abnähmen. „Und den Musikern die Kreativität.“ Seine Antwort verpackte er musikalisch in „Selbst denken“. Überhaupt geht es Fitz um die Eigenverantwortung und die Freiheit, die nicht nur einmal Gegenstand in seinen Liedern ist. Dann wird es politisch. So auch als er über den Elefanten im Raum spricht, über die ganzen Elefantenherden in der Welt. Doch während er über Diktatoren redete, handelte „Der Elefant“ dann von etwas ganz anderem. „Verschwörungsschwurbler“, „Covidiot“ und „Querdenker“ war da zu hören – Worte, mit denen man ihn während der Corona-Pandemie titulierte. Diese Zeit hat bei Fitz offenkundig Spuren hinterlassen. Denn später singt er vom Verlassen des Meinungskorridors, fordert in seinem Lied Freiheit für Meinung, Vielfalt und Diskurs. In Hemsbach hörte man ihm aufmerksam zu. Zumal Fitz verstand, zwischen die schwierigen Themen auch das Augenzwinkern einzubauen – sei es in seinen Liedern oder den Erzählungen zwischen den Stücken. Dass die in tiefstem Bayrisch daherkamen, störte niemanden. Und als es an die Zugabe ging, wurde bei „Das Packerl“ auch noch der MAX-Chor wach. Der Refrain war schließlich so eingängig, dass er schnell im Ohr hängenblieb. Vielleicht ja doch noch der Gassenhauer im Repertoire des Michael Fitz, den er bisher noch vermisst. (cs)


