Seit Beginn der Fastenzeit hängt in den Pfarrkirchen unserer Seelsorgeeinheit wieder das Hungertuch. Es ist dasselbe, das wir bereits aus dem vergangenen Jahr kennen.
Sie kennen diesen Satz – er steht in vielen Variationen im Evangelium. Vinzenz von Paul (1581-1660), erschüttert von den sozialen Verhältnissen seiner Zeit, widmete sein Leben notleidenden Menschen und machte „Liebe sei Tat“ zum Leitsatz seines Dienstes und Lebens – und des Lebens der Frauen, die sich als „Vinzentinerinnen“ in die Nachfolge Jesu begaben.
Und nun taucht dieser Satz als Programm erneut auf: Im Hungertuch von MISEREOR.
Wo ist Liebe heute? Inmitten ständiger Nachrichten von Krieg und Klimakrise, scheint die Liebe zu fehlen. MISEREOR setzt sich intensiv für Entwicklung ein. Dazu braucht es Zusammenarbeit, Strategien, Engagierte vor Ort und Finanzierung. Und Liebe! Was aber gibt uns in unserer Welt Kraft zur Hoffnung, Kraft für eine positive Sicht auf das Morgen, die Zuversicht schenkt?
Diese Frage zielt mitten in die Szenerie des neuen Hungertuches. Die Erfurter Künstlerin Konstanze Trommer hat das Bild als Fotocollage am PC entworfen und auf Leinwand drucken lassen. Es zeigt Menschen aus Partnerprojekten von Misereor – und andere, die die Künstlerin selbst aufgenommen hat.
Im Mittelpunkt des Hungertuches stehen Kinder: Eine bunte Gruppe lebt allein – umgeben von Meer und bedroht von einem Sturm – auf einer kahlen Sandbank. Und doch legt das Bild Hoffnungsspuren: Die Kinder packen ihr Überleben tatkräftig an und probieren, wie ein gelingendes Miteinander aussehen kann. Das Bild erzählt viele kleine Geschichten von trotziger Zuversicht, die sich der Gleichgültigkeit und Verzweiflung entgegenstemmen. Die Künstlerin betont: Allein tatkräftige Liebe – und nicht das Gerede darüber – wird uns helfen, Krisen zu überwinden. Das Hungertuch ist Einladung zur Einmischung, damit „Liebe zur rettenden Insel im Meer der Worte“ werden kann. – Liebe ist ein Tunwort!
So wird uns das Hungertuch und das Thema „Liebe sei Tat“ während der Fastenzeit in unseren Gemeinden und Gottesdiensten begleiten.
Ich wünsche Ihnen und uns allen eine gesegnete Fastenzeit.
Ewald Ginter