
Was geschieht eigentlich mit dem Inhalt unserer Wertstofftonnen? Viele vermuten noch immer: „Am Ende wird ja doch alles verbrannt.“ Der Ortsverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollte es genau wissen und besuchte dafür die hochmoderne Sortieranlage für Leichtverpackungen der PreZero Recycling Süd GmbH in Ölbronn.
Überraschend war gleich zu Beginn: PreZero gehört zur Schwarz-Gruppe, also Lidl und Kaufland. Der Konzern, der Verpackungen in riesigen Mengen in Umlauf bringt, betreibt mit PreZero ein eigenes duales System und wirbt mit „Zero Waste“. Doch das Ziel einer Kreislaufwirtschaft gilt bislang nur für die eigenen Verpackungen. Betrachtet man den gesamten Verpackungsstrom, zeigt sich: Von einer echten Kreislaufwirtschaft sind wir noch weit entfernt.
Die Dimensionen sind gewaltig: Deutsche Haushalte erzeugen in 2023 etwa 36,7 Millionen Tonnen Müll, pro Kopf 433 Kilogramm – für eine vierköpfige Familie fast 1,7 Tonnen.
PreZero sortiert bundesweit jährlich mit rund 600.000 Tonnen Wertstoffen nur einen Teil der in 2024 angefallenen 12,5 Millionen Tonnen Wertstoffabfälle aus privaten Haushalten.
In Ölbronn laufen jährlich allein 120.000 Tonnen Leichtverpackungen durch die Anlage – rund um die Uhr, in drei Schichten, mit 60 Beschäftigten. Getrennt wird mit modernster Sensorik und Luftdrucktechnik in bis zu 18 verschiedene Fraktionen wie z.B. Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen (PE), Polystyrol (PS) sowie Mischkunststoffe, Verbundmaterialien (z. B. Getränkekartons) und Metalle wie Weißblech und Aluminium.
So beeindruckend die Sortiertechnik ist, bleibt eine unbequeme Wahrheit: Nur sortenreine Kunststoffe haben einen nennenswerten Marktwert und können recycelt werden: Ein Teil landet jedoch in der energetischen Verwertung – etwa als Ersatzbrennstoff im Zementwerk. Öl und Gas werden eingespart, aber über die Schadstoffbelastung der Luft wird wenig gesprochen.
Es ist nicht so leicht, Kunststoffe in einen Wertschöpfungskreislauf zu bringen. So dürfen Lebensmittelverpackungen nicht aus recyceltem Material hergestellt werden. Recyclingware ist teurer als Neuware aus Erdöl. Ist das echte Kreislaufwirtschaft? Brauchen wir gesetzlich verbindliche Quoten für Recyclingmaterial?
Der Rundgang durch die Anlage war beeindruckend: Geruch, Staub, Geräusche von zahlreichen achterbahnmäßig angelegten Förderbändern, auf denen die unterschiedlichen Fraktionen von einem Trennvorgang zum nächsten sausen, die riesigen Trommeln, die kleine von großen Stücken trennen … die Mengen angelieferten Materials – alles von uns in der Wertstofftonne entsorgt. Brisant sind Fehlwürfe – Akkus und Batterien, die regelmäßig zu Bränden führen.
Danach gelangen wir in einen wohltuend ruhigen und angenehm klimatisierten Raum: die Endkontrolle. Auch hier summen Förderbänder. An jedem Band beobachtet eine Person die vorbeiflitzenden Materialien und führt falsche Stücke mit raschem Zugriff erneut dem Sortiervorgang zu. Welch ein Aufwand – dabei ist doch Müllvermeidung das oberste Ziel des Abfallwirtschaftskreislaufgesetzes.
Und dann die heiklen Fragen: Woher stammen die Plastikmengen in den Meeren? … nicht aus Deutschland, auch nicht aus Europa … nicht von uns, den Großen im Müllgeschäft, da sei alles transparent, verspricht man uns. … .
Dennoch, Mülltrennung ist sinnvoll – aber sie löst das Problem nicht. Solange täglich neue Plastikberge in den Handel strömen, bleibt auch die beste Trenn- und Recyclingtechnik ein Notnagel. Auch politisch muss mehr getan werden, um Abfall zu vermeiden – Verpackungen einzusparen – Mehrweg auszubauen. Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.
Ute Wiegel für die Fraktion