Der Dämmelwald ist ein beliebter und stark frequentierter Naherholungsraum für die Wieslocher Bevölkerung. Gepflegte Fuß- und Radwege, Sitzbänke und ein Abenteuer-Spielplatz laden ein, dort Zeit mit der ganzen Familie zu verbringen. Auf einem 2,5 Kilometer langen Natur-Erlebnis-Pfad informieren Tafeln über das vielfältige Leben im Wald, in einem Teich können Molche und Libellen beobachtet werden, und die Carl-Steingötter-Hütte bietet Unterschlupf bei Regen.
In der Nähe des Spielplatzes, an der Kreuzung von Wald- und Kußmaulstraße, führt ein Waldweg zu der rund zehn Meter langen Murmelbahn, die dieser Tage von Bürgermeister Ludwig Sauer der Öffentlichkeit übergeben wurde. Von ihm war zu erfahren, dass die Idee von Revierförster Benno Künzig kam, dem das Wohl des Waldes am Herzen liege und dem immer wieder etwas einfalle, um ihn attraktiver zu machen. Künzig suchte für eine rund 25 Meter hohe und über 100 Jahre alte abgestorbene Eiche am Waldrand eine Möglichkeit, sie im Bewusstsein der Menschen weiterleben zu lassen. Dazu wandte er sich an Micha Reichert aus Mönchzell, der mit der Kettensäge so erfolgreich Bänke und Tiere schnitzt, dass er davon leben kann und in einem Wettbewerb in Kanada bereits einen internationalen Preis gewann.
Das robuste und widerstandsfähige Eichenholz verspricht eine lange Lebensdauer und es war nicht schwierig, eine der Maserung folgende Rinne für die Murmeln in den liegenden Stamm zu schneiden. Damit war der Künstler aber nicht zufrieden. Angeregt durch die neu angelegten Feuchtbiotope für Amphibien starten die Murmeln inmitten einer Nachbildung von Froschlaich, rollen weiter an einer kleinen Kaulquappe vorbei und fallen schließlich aus dem Maul eines großen Frosches in eine Schale. In den rund fünf Meter hohen Stumpf des abgesägten Baumes hat Reichert eine von ihm geschnitzte Eule in eine Aushöhlung gesetzt – eine Mahnung, dass Sterben zum Leben gehört, denn dieses nachtaktive Tier steht einerseits für Weisheit, andererseits gilt es als Todesbote. Die entstandenen Kosten hat dankenswerterweise die Volksbank Kraichgau übernommen.
Die „Einweihung“ der Bahn durfte der Sohn des Künstlers übernehmen. Als die Glasmurmeln aus der Schale sprangen, rief er seinem Vater voller Begeisterung zu: „So eine Murmelbahn musst Du mir im Garten auch bauen“. Den Zuschauern erklärte Reichert, dass die Bahn eigentlich für rauere und damit trägere Holzkugeln geschaffen sei. Man bekomme sie gegen Geld bei zwei in Sichtweite aufgestellten ehemaligen Kaugummiautomaten. Natürlich könnten Besucher auch mit jeder anderen Kugel ihr Glück versuchen.
Wenn Opas und Omas der Generation Ü70 mit ihren Enkeln vorbeikommen, werden sie sicher an ihre Kindheit erinnert, in der man mit Glicker, wie damals die Murmeln hießen, miteinander und gegeneinander spielte. „Glickerbahnen“ wurden da per Hand und mit Erde selbst geschaffen. Im Internet ist nachzulesen, dass Kugelbahnen bei Kindern kognitive Fähigkeiten und die Motorik fördern. Darüber hinaus werde die Raumwahrnehmung verbessert und logisches Denken und Auge-Hand-Koordination geschult. Für Künzig und Reichert ist die Murmelbahn vor allem als Lockmittel gedacht, damit Kinder den Wald besuchen, von den Erwachsenen wissen wollen, was die geschnitzten Figuren bedeuten und sich vielleicht auf den Weg machen, um sie in der Natur aufzuspüren. (aot)



