
Waghäusel. Das muss erst jemand nachmachen: Wer kann eine solche Begeisterung auslösen, dass sich das Publikum am Ende des Konzerts gleich dreimal hintereinander zum Applaus erhebt, mit Klatschen und Bravo-Rufen seinem Entzücken freien Lauf lässt? Was der Gospel- und Jazzchor bot, beeindruckte zutiefst. Knapp 70 Sängerinnen und Sänger in Bestform, herausragende Solisten und ebenso überzeugende Musiker rissen die Besucher ihrer beiden „Wohnzimmerkonzerte“ im Vereinsheim des Liederkranzes mit genussvollen und temperamentvollen Auftritten mit.
„Music is the answer“ stand über der dekorierten Bühne zu lesen. Musik ist die Antwort auf Ihre Probleme, heißt es im übersetzten deutschen Text. So ist es, so war es: Wer kam, konnte sich entspannen, alle Probleme vergessen und zweieinhalb glückliche Stunden erleben. Den vollauf motivierten Akteuren stand die Freude ins Gesicht geschrieben. Die Choreografie stimmte, die rhythmischen Bewegungen harmonierten. Zugaben forderte das Publikum, schwärmte vom abwechslungsreichen Programm und lobte die Darbietungen mit 26 Songs und elf Solisten. Der Erfolg ist vor allem dem einfühlsamen, erfahrenen Dirigenten Jochen Seitz zu verdanken.
Gospel, so heißt es immer wieder, stehe für Lebensfreude, Hoffnung und Gemeinschaft. Den Beweis traten die Kirrlacher an. „Wir schaffen es, Gospel, Jazz, Rock, Blues, Pop und geistliche Lieder zum Leben zu erwecken“, ist auf der Homepage des Chors zu erfahren. Ja, das stimmt. In der näheren Umgebung gibt es keinen Gospel- und Jazzchor mit so vielen Aktiven wie im Waghäuseler Stadtteil. „In Rekordzeit waren beide Konzerte ausverkauft“, hieß es zu Beginn. Bereichernd und inspirierend wirkte die Profi-Begleitband mit Gitarre, Schlagzeug, Bass und Saxophon.
Von Anfang an verstand es der Chor, die Funken überspringen zu lassen und die Zuhörer zu fesseln. Äußerst temperamentvoll ging’s zur Sache. Jeder, der schwarz gekleideten Gesangskünstler zeigte, dass er die schwierigen englischen Texte beherrscht. Als wäre alles leicht und einfach, sangen die Interpreten das 26-teilige Repertoire auswendig, ohne ein Notenblatt zu Hilfe zu nehmen. Die Bühne lebte, die langen Reihen bewegten sich, swingten, wippten, gestikulierten, klatschten.
Zum Auftakt präsentierte die stimmenstarke Schar das bekannte „Amen“, zum Finale gab es „Freedom“ und „Music“. Zum durchweg grandiosen Repertoire gehörten „Oh happy day“, „Lean on me“, „Bohemian Rhapsody“, „Adiemus“, „All night long“ – und weitere gern gehörte Highlights.
Erneut zeigte sich: Die i-Tüpfelchen sind stets die choreigenen Solisten, so Katharina Endres, Jasmin Oechsler, Roland Oechsler, Steffen Nickler, Stefanie Martus, Lisa Rau, Peter Schwab, Steffi Haas, Luisa Wohlfahrth, Julika Ritter und Simon Hartkorn.
(W. Schmidhuber)