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27.000 Kleider verbrannt

Nach Brand in Ulmer Theaterlager: Prozess um Mio.-Schaden

Bei einem Feuer im Requisitenlager des Theaters Ulm werden Tausende Kostüme zerstört. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 42-Jährigen Brandstiftung vor. Was der Angeklagte zu den Vorwürfen sagt.
Blick auf die Angeklagtenbank in einem Gerichtssaal. Drei Männer stehen hinter Tischen.
Nach dem Feuer im Requisitenlager des Theaters Ulm sind Tausende Kostüme zerstört. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 42-Jährigen Brandstiftung vor.Foto: Andreas Kempf/dpa

Ein 42-Jähriger steht vor dem Landgericht Ulm, weil er Ende Juni einen Brand in der Lagerhalle des Theaters der Stadt gelegt haben soll. Das Gebäude brannte fast vollständig aus. Durch das Feuer entstand nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von fünf Millionen Euro, am Inventar von sogar acht Millionen Euro. Der Obdachlose sitzt in Untersuchungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte an mehreren Stellen in dem Gebäude Feuer gelegt haben. Er wollte sich den Ermittlungen nach dafür rächen, dass er tags zuvor aus dem Gebäude verwiesen worden war. Zusammen mit anderen Wohnsitzlosen hatte sich der 42-Jährige dort ein Übernachtungslager mit Gegenständen aus dem Theaterfundus eingerichtet. Als dies dem Personal aufgefallen war, wurde der Angeklagte mit seinen Begleitern vertrieben und wegen Einbruchs und Diebstahl angezeigt.

Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Der Angeklagte ist in den vergangenen 15 Jahren immer wieder mit dem Gesetz aneinandergeraten. Das Vorstrafenregister reicht von Leistungsbetrug über mehrere Einbrüche und Drogendelikte bis zu einer Reihe von Körperverletzungen. Er lebte eigenen Angaben nach seit zwei Jahren auf der Straße und bezog 500 Euro Bürgergeld.

Der Angeklagte deutete am ersten Prozesstag an, dass er sich zum Sachverhalt während des Verfahrens nicht äußern wolle. Laut Staatsanwaltschaft machte er nach früheren Angaben geltend, dass er zur Tatzeit alkoholisiert gewesen sei. Diesen Eindruck hatte auch eine Beamtin der Bundespolizei, die ihn in der Brandnacht in der Nähe des Hauptbahnhofs beobachtet hatte, wie sie als Zeugin im Prozess aussagte.

Vor Gericht beschrieb der Angeklagte, dass er regelmäßig das Geld aus staatlichen Leistungen, Gelegenheitsjobs und eingelösten Pfandflaschen für Bier und Schnaps ausgab. Ein Sachverständiger verfolgt das Verfahren, um ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen.

Zwischenlösung für Ulmer Theater gefunden

Seit 2013 hatte das Theater Ulm die ehemalige Paketposthalle am Bahnhof als Lager für den Fundus genutzt. Zudem waren dort zwei Probebühnen eingerichtet. Durch den Brand wurden der Großteil der dort gelagerten Requisiten sowie 27.000 Kostüme zerstört. Damit hat das Theater eigenen Angaben nach zwei Drittel des Bestandes verloren.

Lager Theater Ulm
Bei dem Feuer ist ein Millionenschaden entstanden. (Archivbild).Foto: Theater Ulm/dpa

Der Fundus war über sechs Jahrzehnte hinweg entstanden und wuchs mit jeder Produktion weiter. Die Stadt Ulm hat inzwischen für 1,1 Millionen Euro eine Zwischenlösung für das Theater finanziert, das nun in einer anderen Halle neue Probebühnen eingerichtet hat. Das Landgericht hat insgesamt vier Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll demnach am 26. März kommen.

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