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Flurbereinigung Wildberg Nagoldhang Ost

Nach fast 30 Jahren stehen nur noch Restarbeiten an

Auf dem Nagoldhang Ost rollen derzeit die Bagger.
Ein Bagger auf einem aufgegrabenen Feldweg
Foto: Stadt Wildberg

Ein merkwürdiger Anblick inmitten der idyllischen Landschaft mit Streuobstwiesen, Waldrändern, Feldern und anderen wertvollen Lebensräumen. Maßnahmen wie diese haben die Gestaltung des Nagoldhang Ost als Erholungsgebiet für Menschen und Lebensraum für Tiere aber erst möglich gemacht.

Der Nagoldhang Ost erstreckt sich ein weites Stück zwischen den Gemarkungen Wildberg und Sulz am Eck. Dabei handelt es sich um einen etwa 3,5 Kilometer langen Steilhang zwischen dem Nagoldtal und dem angrenzendem Heckengäu. Und es handelt sich um das Gebiet einer Flurbereinigung, in dem seit nunmehr knapp 30 Jahren diverse Maßnahmen umgesetzt werden. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet Nagoldtal, Teilflächen von zusammen rund 1 Hektar sind als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Die Freiflächen mit rund 50 Hektar sind als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) gemeldet.

Welchen Anlass gab es für die Flurbereinigung Wildberg (Nagoldhang Ost)?

Wie der Begriff vermuten lässt, soll mit einem solchen Verfahren Ordnung in der Landschaft geschaffen werden. Im Fall des Nagoldhang Ost verteilte sich der Grundbesitz auf viele landwirtschaftliche Flächen und private Waldflächen, was das Gebiet kleinparzellig und zersplittert machte. Gleichzeitig waren die Flächen unzureichend erschlossen und teils unwirtschaftlich geformt. Das macht das Arbeiten für alle Beteiligten schwer, seien es die Landwirte, die Forstwirtschaft oder die Landschaftspflege. Wirtschaftswege und Furten zum Treiben der Schafe fehlten, weshalb die waldfreien Flächen zu großen Teilen nicht mit Schafen bewirtschaftet und beweidet werden konnten. Auch in den Waldflächen fehlte es teilweise an den notwendigen Erschließungen.

Die Folge: Die offenen Flächen verbuschten zunehmend. Das hatte negative Auswirkungen auf die gewachsene, ökologisch hochwertige Kultur- und Erholungslandschaft. Dabei wurde auch das für die Stadt Wildberg bedeutsame Landschaftsbild am östlichen Nagoldhang ungünstig verändert. Aus diesem Zustand ergaben sich die wichtigsten Ziele für die Flurbereinigung: Zurückdrängen der Verbuschungen, insbesondere auf Brach- und Sukzessionsflächen, Offenhaltung und langfristige Sicherung der Freiflächen als Mindestflur durch landwirtschaftliche Nutzung und Pflege, Erhaltung, Sicherung und Entwicklung der blüten- und artenreichen Flachlandmähwiesen in den ausgewiesenen Teilflächen des FFH-Gebietes „Calwer Heckengäu“, Schaffung zusammenhängender Grünflächen zur Wiederaufnahme und Fortführung der extensiven Bewirtschaftung, Verbesserung der Weidenutzung, insbesondere die Herstellung von Wegen und Furten für den Schaftrieb sowie Sicherung und Entwicklung von Biotopen und Landschaftselementen sowie zur Gestaltung des Landschaftsbildes.

Ein Hauptwerkzeug zur Offenhaltung und langfristigen Sicherung der Freiflächen ist die für Wildberg so typische Beweidung durch Schafe (und Ziegen und Rinder). Die Bewirtschaftung und Pflege der Wacholderheiden und Magerrasen und das Zurückdrängen, vor allem des Schlehenaufkommens, wurde jedoch infolge fehlender Triebwege immer schwieriger. Die Flurbereinigung ermöglicht in diesem Zusammenhang die Verbesserung der Weidenutzung durch Herstellung von Wegen und Durchgängen. Als Ergänzung zur Beweidung der Flächen ist eine maschinelle Nachmahd erforderlich, um die Verbuschungen nachhaltig zurückzudrängen. Hierzu kann jeder Grundstückseigentümer seine Flächen selbst mähen oder die Pflege über die zuständige Kommune durch eine geeignete Landschaftspflege-Firma durchführen lassen. Im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens wird das Wegenetz so optimiert, dass alle Flurstücke zur Bewirtschaftung erschlossen sind.

Um all diese Aufgaben zu koordinieren, wurde ein Nutzungs- und Pflegekonzept erstellt, welches eine nachhaltige Bewirtschaftung und Offenhaltung der Flächen sicherstellt.

Welche Maßnahmen stehen noch aus?

Bereits im Herbst wurden baubegleitende Ausstockungs- und Entbuschungsmaßnahmen zur Freistellung von Wegen durchgeführt. Zwischenzeitlich haben auch die restlichen Baumaßnahmen begonnen. Diese wurden in Zusammenarbeit mit der unteren Flurbereinigungsbehörde des Landratsamtes Calw und dem Verband der Teilnehmergemeinschaften (VTG) vergeben und werden mit 75 Prozent aus öffentlichen Mitteln bezuschusst. Ausführendes Bauunternehmen ist die Firma Rath aus Haiterbach.

Vor Weihnachten sollen noch der Schotterweg im Gewann „Katzendarm“, zwei Grundstückszufahrten sowie der Waldweg im Gewann „Martinshölzle“, einschließlich einer weiteren Zufahrt, ausgebaut werden. Außerdem soll bereits mit der Herstellung eines derzeit nicht befahrbaren Erschließungsweges begonnen werden. Die restlichen Baumaßnahmen – insbesondere die „Oberjettinger Steige“ und die Verbesserung des schadhaften Schotterwegs oberhalb der Kastanie im Gewann „An der Eck“, sind für nächstes Jahr vorgesehen.

Während der Bauphase ist die Nutzung dieser Wege nicht oder nur eingeschränkt möglich. Im Bereich der Baumaßnahmen kann es zu Behinderungen kommen. Außerdem dürfen die zur Markierung von Grenzen angebrachte Holzpflöcke nicht entfernt werden. Die Stadtverwaltung bittet hierfür um Verständnis.

Die Standorte der vorgesehenen Baumaßnahmen können im Internet unter www.lgl-bw.de/2283 im Bereich „Neugestaltung des Verfahrensgebiets“ – „Wege- und Gewässerplan mit landschaftspflegerischem Begleitplan“ – „4. Änderung“ eingesehen werden.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
09.12.2025
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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Wildberg
Kategorien
Panorama
Tiere, Natur & Umwelt