Geschichte wiederhole sich nicht. Aber es gäbe durchaus Ähnlichkeiten, und von diesen müsse man lernen. Das sagte Jan Schenck aus dem Wendland bei seiner Lesung am Dienstagabend, 20. Mai 2026 in der Bruchsaler Stadtbibliothek.
Er beschäftigt sich seit 2013 mit „Verbrannten Orten“, sprich mit Plätzen, an denen während der Terrorjahre des Nationalsozialismus‘ Bücher mit verfemter Literatur verbrannt wurden. Bei der Lesung präsentierte er Textausschnitte aus Werken von vier Autorinnen und einem Autor, die unter den Nazis bereits in frühen Jahren des Dritten Reichs den Flammen zum Opfer fielen.
Unter den vorgelesenen Autorinnen war Eva Leidmann, deren Buch „Wie man sich bettet“ auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch verlegt wurde und die damit „in selbstbewusstem Ton“ ein Buch gegen die neue Zeit verfasste. Mit dem zu ihrer Zeit aktuellen Männerbild ist sie auf sogar lustige Weise umgegangen.
Überhaupt war die Lesung nicht nur von schmerzlichen Tönen geprägt. Schenck, der bereits zum zweiten Mal in der Bibliothek auftrat, las auch ein humorvolles Gedicht von Erich Mühsam über die gefährliche Tätigkeit des Revoluzzens vor. Mit angenehmer Stimme (meist bringe er mit ihr seine Tochter ins Bett) regte er zum Zuhören und Nachdenken an.
Parallelen zu heute seien für Schenck in der Verbannung von kritischer Literatur, also zu Themen wie Feminismus oder der Sklaverei, aus den Schulbibliotheken in den USA unter Trump zu sehen. Auch Anne Frank dürfe zum Teil nicht mehr gelesen werden. Aber auch in Deutschland nehme der „Kulturkampf von Rechts“ immer mehr zu und so sei eine pluralistische und offene Bibliothek wie die Bruchsaler ein guter Ort für solch eine Lesung. Nach Jan Schenck hätten sich auch schon vor 90 Jahren Bibliothekarinnen geweigert, das Buch „Mein Kampf“ in die Regale aufzunehmen.
Rüdiger Czolk von der Friedensinitiative Bruchsal machte im Anschluss an die Lesung den Vorschlag, am Kübelmarkt, wo auch Bücherverbrennungen stattfanden, ein Denkmal zu errichten und legte Beispiele von anderen Mahnmalen vor, die in das Pflaster verschiedener Plätze integriert sind. Er würde das Projekt gerne wissenschaftlich und gestalterisch von Schülern Bruchsals begleitet im nächsten Schuljahr umsetzen.
Schencks Fazit des Abends, zu dem 20 Besuchende kamen: „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen.“ Das ist düster, aber leider geschehene Realität.
Autor: Dr. Wolfgang Weismann


