Es sind manchmal die kleinen, unspektakulären Augenblicke, die dennoch von großer Tragweite sind. Einer dieser Augenblicke fand am letzten Schultag im Bruchsaler Rathaus statt. Bruce Darrow, Arzt aus New York und derzeit mit seiner Familie auf Europareise, nutzte die Gelegenheit, um nach Bruchsal zu kommen und die Heimatstadt seiner jüdischen Großmutter Rose Stern kennenzulernen.
Rose Stern, Jahrgang 1912, wuchs in der Salinenstraße auf und emigrierte 1936 in die USA. Später folgten auch ihre Geschwister und Eltern und überlebten so die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick begrüßte Bruce Darrow, seine Frau Sarah und die beiden Töchter Lydia und Beverly im ehemaligen Trauzimmer. Als Gastgeschenk überreichte sie Bruce Darrow neben einem Buch zur Geschichte der Bruchsaler Juden eine Kopie der Geburtsurkunde von Rose Stern mitsamt Übersetzung ins Englische. In Anlehnung an seine Heimatstadt New York schenkte Dr. Darrow der scheidenden Oberbürgermeisterin ein kleines Modell eines gelben Taxis sowie Honig und Ahornsirup von der Ostküste der USA. Für das Bruchsaler Archiv übergab er auch noch das Gebetsbuch seines Urgroßvaters in deutscher und hebräischer Sprache aus dem Jahr 1864.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit der Oberbürgermeisterin besichtigte die Familie in der Friedrichstraße das ehemalige Synagogengelände und ließ sich über den geplanten Denkort Fundamente informieren. Bruce Darrow und seine Familie waren sehr an den Stolpersteinen interessiert, die in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Bruchsal und in zahlreichen weiteren Städten verlegt sind. Der Austausch verlief sehr lebhaft und kenntnisreich, und die ganze Familie zeigte sich von dem herzlichen Empfang tief berührt. Bruce Darrow drückte es sinngemäß so aus: „Es war, als ob ein Stück abstrakter Geschichte auf einmal lebendig geworden und die Verbindung zu den eigenen Wurzeln hergestellt worden wäre.“ Dieser Besuch ist eine beeindruckende Bestätigung dafür, wie wichtig auch heute noch die Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Dritten Reich ist und welche Bedeutung das ehemalige Synagogengelände auch für die kommenden Generationen hat.