
„Abgeschlossen“, haben Harald Wacker (HW) und Wolfgang Wegner (WW) ihre Zusammenarbeit nicht, ganz im Gegenteil: Die beiden haben sie mit dem gleichnamigen Buch über „Vergessene Orte in Karlsruhe“, so der Untertitel, erst begonnen. Den Leser*innen von Grötzingen Aktuell (GA) haben sie Fragen dazu beantwortet.
Harald Wacker ist 1957 in Karlsruhe geboren, arbeitete in seinem Beruf als Maschinenbautechniker und IT-Spezialist und lief über Jahrzehnte Marathon, Ultraläufe und Triathlon. In den 1980er Jahren begann er, sich mit Fotografie und der Bildgestaltung im eigenen Fotolabor zu beschäftigen. Er lebt in Karlsruhe.
Wolfgang Wegner, geboren 1965 in Triberg, ist promovierter Germanist und Politikwissenschaftler mit den Schwerpunkten Mediävistik und Sprachdidaktik. Er arbeitet als Dozent für Deutsch als Fremdsprache und Lehrbeauftragter für Mediävistik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und als freiberuflicher Autor, Kultur- und Medienschaffender. Er lebt seit zwanzig Jahren in Grötzingen.
GA
Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Buch gekommen?
HW
Ich hatte schon länger den Gedanken, aus der Fülle meiner Bilder aus vier Jahrzehnten ein Fotobuch zum Thema „Vergessene Orte“ zu machen. Nur ein Bilderbuch mit Bildunterschrift wäre mir zu wenig gewesen. Mit meinem Freund Wolfgang Wegner entwickelte sich dann der Gedanke an Bilder und Geschichten. Orte gab es mehr als genug. Mit dem Verlag mussten wir uns wegen der Buchgröße allerdings auf zwanzig Orte einigen.
GA
Was hat Sie besonders beeindruckt?
HW
Als Fotograf sind für mich alle Orte herausfordernd, beeindruckend und spannend. Ich tauche in Welten ein, die nach meinem fotografischen Festhalten so nicht mehr existieren. Das Betätigen des Auslösers mit der Kamera hält einen Moment fest, der nicht mehr wiedergegeben werden kann. Es ist für mich etwas ganz Besonders, als einer der Letzten das Objekt zu fotografieren. Manchmal, etwa beim Rombachhof, hat es Monate gedauert, bis ich eine offizielle Genehmigung zum Fotografieren erhalten hatte.
GA
Wie gingen Sie vor?
HW
Ich hatte mir immer einen ersten Eindruck des Projekts ohne Kamera verschafft. Danach kann ich mich auf die Motive und das Fotografieren konzentrieren. Je nach Größe je nach Größe des Objekts besuchte ich es an mehreren Tagen.
WW
Besonders beeindruckend waren für mich das Kurhaus Sand und der Rombachhof. Zum einen, weil ich sie mit Harald Wacker gemeinsam erkunden konnte. Zum anderen, weil man sich in ihnen die Ereignisse der Vergangenheit noch gut vorstellen kann. Beim Rombachhof kam natürlich noch die Tatsache hinzu, dass hier zehn Menschen ermordet wurden. Das löst doch ein bisschen Gänsehaut aus.
GA
Sind die Texte zu den Bildern real oder fiktiv?
WW
Ich habe alle Informationen zu den Orten real recherchiert. Alle Figuren und ihren Handlungen sind dagegen fiktiv, mit Ausnahme jener in der Geschichte zum Rombachhof. Es war mir ein Anliegen, Atmosphäre und Geschichte der Orte einzufangen, dabei haben mich Haralds wunderbare Fotos inspiriert. Es gehört zum Konzept des Buches, dass jeder Text eine andere Herangehensweise an den "vergessenen Ort" hat. Das unterscheidet unser Buch von anderen Fotobänden, die oft lediglich erklärende Infotexte haben.
GA
Gibt es solche „vergessenen“ Orte auch in Grötzingen?
WW
In Grötzingen wäre die Augustenburg ein "vergessener Ort", der sich durch den neuen Investor jedoch bald verändern wird. Mit der Schnellermühle in Berghausen ist ja ein Ort in der Umgebung im Buch vorhanden. (rist)
(Bildunterschriften: rist oder Zitate aus „Abgeschlossen“)
