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Nachhilfe von Bosch – Mitarbeitende unterstützen Abschlussklassen

Pünktlich mit dem Gong betritt Volker Mehl um 14.00 Uhr den Klassenraum der Zehntklässler der Stettenfels-Gemeinschaftsschule in Untergruppenbach....

Pünktlich mit dem Gong betritt Volker Mehl um 14.00 Uhr den Klassenraum der Zehntklässler der Stettenfels-Gemeinschaftsschule in Untergruppenbach. Der Projektleiter für Testkoordination in der Bremssystementwicklung kommt direkt aus dem Büro in Abstatt – gekleidet im Hemd, den Bosch-Ausweis an der Hose befestigt. Englisch steht auf dem Stundenplan, mit dem Schwerpunkt Konversation. Dazu sollten die Schülerinnen und Schüler kleine Dialoge vorbereiten. Doch als eine Schülerin auf Deutsch zu erklären versucht, warum sie ihre Hausaufgabe nicht erledigen konnte, reagiert Mehl prompt: „In English, please“. Er nimmt seine Aufgabe als Nachhilfelehrer ernst – natürlich, schließlich sollen die Jugendlichen bestens für ihre bevorstehenden Abschlussprüfungen im Frühling gerüstet sein.


Denn genau darum geht es bei seinem Ehrenamt: Volker Mehl rief den Förderunterricht für Jugendliche vor den Abschlussprüfungen zum Schuljahr 2021/2022 ins Leben. Inzwischen machen sich Bosch-Mitarbeitende jeden Donnerstagnachmittag auf den Weg zur Stettenfels- Gemeinschaftsschule, um den Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen in Mathematik und Englisch, früher auch in Deutsch und Französisch, zu helfen. Die Idee entstand als Antwort auf die Herausforderungen der Corona-Zeit, in der viel Unterricht ausfiel und Bildungsrückstände wuchsen. Mehl sieht die Verantwortung auch bei der Politik, die seiner Meinung nach mehr in Bildung investieren müsse. Doch anstatt nur Kritik zu üben, beschloss er, selbst aktiv zu werden. „Anstatt mich über die Bildungsreform aufzuregen, habe ich entschieden, etwas zu tun – auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist“, erklärt er.

Zusammenarbeit für den Erfolg

Schließlich trug Mehl seine Idee zur Personalabteilung und zum Arbeitskreis Spenden und Soziales bei Bosch in Abstatt. Über diesen Arbeitskreis entstand der Kontakt zur Stettenfels-Gemeinschaftsschule, die das Angebot erfreut aufnahm und den wöchentlich geplanten Förderunterricht für ihre Abschlussklassen nun auch in deutlich kleineren Gruppen durchführen konnte. Von Oktober bis Ostern läuft das Programm in einem festen System: Die Abschlussklassen werden je nach Schülerzahl in drei bis sechs Gruppen aufgeteilt, je nachdem, ob sie den Realschul- oder Hauptschulabschluss anstreben. Jede Woche stehen zwei Fächer parallel auf dem Stundenplan – beispielsweise Englisch in zwei Räumen und Mathematik in den anderen beiden. Im Januar wechseln die Gruppen dann das Fach und die Lehrkraft, sodass alle Schülerinnen und Schüler gezielt in den prüfungsrelevanten Fächern unterstützt werden.


Zwei Räume weiter stehen heute Projektkoordinator Christoph Brisch und Ingenieur Martin Liebau gemeinsam an der Tafel, während auf dem Pult Kekse und Weihnachtsgebäck eine einladende Atmosphäre schaffen. Auch die Klasse ist bestens vorbereitet: Auf den Tischen stapeln sich Bücher, Taschenrechner und Geodreiecke – alles, was man benötigt, um mathematische Körper zu berechnen, das Thema der Stunde. Während die Schülerinnen und Schüler eifrig an einer Aufgabe arbeiten, skizzieren Brisch und Liebau mit Kreide eine Pyramide an die Tafel. Obwohl ihre eigene Schulzeit schon eine Weile zurückliegt, haben sie das Wissen fest im Griff. Das Gefühl, nun hinter dem Pult zu stehen, gefällt den beiden. „Wir versuchen aber, nicht wie die Chefs rüberzukommen, sondern die Inhalte locker und auf Augenhöhe zu vermitteln“, erklärt Liebau mit einem Lächeln. Und das Konzept geht auf: Beim Besprechen der Aufgaben freuen sich viele über ihre richtigen Ergebnisse.

Aus Fehlern lernen

„Die Summe der Katheten im Quadrat ist gleich dem Quadrat der Hypotenuse“, sagt Alexander Welcke. Geduldig unterstützt er ein Stockwerk tiefer einen Schüler, der versucht, sich die Formel vom Satz des Pythagoras herzuleiten. Für den erfahrenen Applikationsingenieur ist das reine Routine, doch er legt Wert darauf, dass der Schüler den Weg zur Lösung selbst versteht. „Ich möchte, dass du es machst, bis du es wirklich verstehst“, ermutigt Welcke mit ruhiger Stimme. Trotz wiederholter Fragen bleibt er gelassen und hilfsbereit.


„Ich habe entschieden, etwas zu tun – auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist.“

Volker Mehl

In solchen Momenten zeigt sich die Stärke dieses Förderprojekts: Flache Hierarchien, keine Noten und eine entspannte Atmosphäre ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, ohne Angst vor Fehlern zu lernen. „Die Atmosphäre ist wirklich locker und wir dürfen sogar alle duzen“, erzählt eine Schülerin. Dieser respektvolle und zwanglose Umgang kommt bei den Jugendlichen besonders gut an.

Neben der fachlichen Unterstützung gewährt der Unterricht den Schülerinnen und Schülern spannende Einblicke in die Arbeitswelt. So erzählt Herbert Grill während seiner Englischstunde von seiner Tätigkeit als Fahrzeugingenieur bei Bosch und von Autotests auf zugefrorenen Seen in Schweden. Seine Erzählungen wecken Neugier und er verspricht mit einem Lächeln: „Für das nächste Mal bereite ich eine Präsentation über Schweden vor.“


Alle Schülerinnen und Schüler, die bisher am Förderunterricht teilgenommen haben, haben erfolgreich ihren Haupt- oder Realschulabschluss bestanden. Geht es nach Volker Mehl, soll diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortgeschrieben werden. „Ich hoffe, dass wir mehr Bosch-Mitarbeitende für das Projekt gewinnen können oder dass auch andere Standorte sagen, was in Abstatt möglich ist, können wir ebenso erreichen.“

Text und Bilder: Volker Mehl, Bosch

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Die Brücke – Amtsblatt der Gemeinde Untergruppenbach
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Ausgabe 11/2025
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