
Mit Bodo Seidel verliert Hechingen und insbesondere der Stadtteil Weilheim eine Persönlichkeit, die das Ehrenamt wie kaum ein anderer verkörperte. Über Jahrzehnte hinweg prägte der Bürgermedallienträger das Vereinsleben, die Dorfgemeinschaft und vor allem den Sportverein Weilheim mit unermüdlichem Einsatz, Idealismus und großem Gemeinschaftssinn.
Bodo Seidel wurde 1943 in Berlin-Wedding geboren. Im Jahr 1946 kam er im Alter von drei Jahren nach dem Krieg mit seiner Familie eher zufällig nach Hechingen. Die Familie wohnte zunächst in der Kaufhausstraße, später in der Brunnengasse in Boll, danach in der Gammertinger Straße, im Amselweg und schließlich in Weilheim. In Hechingen besuchte Bodo Seidel die evangelische Volksschule und anschließend eine private Handelsschule in Tübingen. Nach seiner Ausbildung zum Bauschlosser arbeitete er zunächst als Betriebsschlosser und anschließend über mehr als 30 Jahre bei der Deutschen Bundesbahn. An der Empfangstheke des Hohenzollerischen Landesmuseums begrüßte Bodo Seidel lange Zeit die Besucher.
Im Jahr 1970 heirateten Bodo Seidel und Marianne Wolf. 1976 bezog die Familie ihr eigenes Haus in der Grosselfinger Straße, in dem die Tochter und die beiden Söhne aufwuchsen und das zum Lebensmittelpunkt der Familie wurde.
Es gab kaum einen Verein oder ein Gremium in Weilheim und Umgebung, in dem Bodo Seidel nicht Mitglied war oder sich engagierte. Er war aktives Mitglied in zahlreichen Vereinen und Gruppierungen und engagierte sich in vielfältiger Weise für die Gemeinschaft, unter anderem in der Althistorischen Narrenzunft Narrhalla Hechingen, bei den Hechinger Hudelgai-Bätscher, den Weilheimer Hutzlabäuch, der Clique Schäflibach aus Urdorf in der Schweiz, im Musik- und Gesangverein, im Kleintierzuchtverein, im Obst- und Gartenbauverein, im Förderverein der Turn- und Festhalle sowie im Förderverein der Hohenzollernklinik Hechingen. Über 25 Jahre war er zweiter Spielleiter und lange Zeit stellvertretender Vorsitzender der Hohenzollernpokal-Gemeinschaft. Außerdem war er Mitglied des Ortschaftsrats sowie über Jahre hinweg Elternvertreter in der Schule.
Sein ganz besonderes Engagement galt jedoch dem Sportverein Weilheim 1963 e.V. Am 1. Juni 1965 trat der damals 22-jährige Bodo Seidel in den Verein ein. Sein erstes Spiel für den SV Weilheim bestritt er am 30. Juni 1968 in Stein beim Hohenzollernpokal gegen Bisingen. Bis 1973 spielte er aktiv in der ersten Mannschaft. Im Laufe der Jahre übernahm er zahlreiche Aufgaben im Verein: Er war aktiver Spieler, Jugendleiter, Betreuer der Reservemannschaft, Schriftführer und Beisitzer. 1982 wurde er zum Vorsitzenden gewählt und führte den Verein zehn Jahre lang bis 1992. Auch danach blieb er dem Verein in verantwortungsvollen Aufgaben treu, unter anderem als Regisseur der Theatertruppe, Schiedsrichterbetreuer und Ehrenamtsbeauftragter. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er 2013 mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Neben vielen weiteren Ehrungen wurde er 2003 zum Ehrenmitglied und 2011 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Bodo Seidel hat das Vereinsleben in Hechingen und Weilheim auf seine ganz eigene Art über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt. Mit seinem Gemeinschaftsgeist, seinem Idealismus und seiner unermüdlichen Einsatzbereitschaft war er für viele ein Vorbild und wird eine große Lücke hinterlassen.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.