
Bei einbrechender Dunkelheit ertönte der Ruf des Nachtwächters, und nach der launigen Begrüßung begab man sich gemeinsam auf die Wanderung durch das dunkle Speyer, vorbei am „Domnapf“, hinunter zur Steinernen Brücke über den Speyerbach. Ersten Halt machten die neugierigen Stadterkundler beim Kloster St. Magdalena, einem der damals 18 Klöster der Stadt. Aus dem Hintergrund tauchte eine Marktfrau auf, die erzählte, dass in den Klöstern vor allem Kranke Hilfe mit Kräutern erhielten, nach dem Vorbild der Heiligen Hildegard von Bingen. Aus ihrer Tasche holte sie eine Kostprobe für alle hervor, mit würzigen Kräutern ummantelte Marzipankugeln, die für allerlei Wehwehchen gute Dienste leisten sollten.
Ein dunkles Thema des ausgehenden Mittelalters war die Hexenverfolgung. Vor allem rothaarige Frauen und Frauen mit Warzen wurden schnell als Hexen angeklagt und verurteilt. Der damals in Speyer lebende Jesuit Heinrich von Spee setzte sich sehr für diese Frauen ein und half ihnen gegen die Ungerechtigkeit.
Sogenannte „Hübschlerinnen“ boten ihre Dienste an. Wenn sie dann in die Jahre gekommen waren, konnten sie als Pflegerinnen arbeiten, der Bedarf war groß!
Der Weg führte weiter zum Holzmarkt, Hasenpfuhl, Fischmarkt und Salzmarkt, alles wichtige Plätze für die Versorgung und Ernährung der Bevölkerung.
Auch der Nachtwächter hatte noch eine Überraschung im Gepäck: Er hatte für alle Teilnehmer ein Versucherle eines selbstgebackenen würzigen Lebkuchens dabei. „Leibkuchen“ wurden schon im Mittelalter gebacken, es gibt sogar noch ein Rezept davon!
Reinhart Darge, der diesen Ausflug für die Kirchenchorfamilie über den Rhein organisiert hatte, dankte dem Nachtwächter Herrn Feindel und der Marktfrau Frau Denig sehr herzlich für die interessante und kurzweilige Führung. Und dir, Reinhart, ein herzliches Dankeschön vom Kirchenchor für deine Mühen!
B. Bohnert


