
Die Vierhornziege stammt ursprünglich aus Österreich. Dass die Tiere vier Hörner haben, schreibt man einer Mutation zu, dennoch geht aus alten Berichten hervor, dass die Tiere bereits schon sehr lange gezüchtet werden. Hin und wieder haben die Tiere auch nur zwei oder drei Hörner, da die Hörner zusammenwachsen können, oben sind dann aber vier Enden zu erkennen. Die Tiere wurden vor langer Zeit und für lange Zeit gezüchtet. Auch im Barock war die vierhörnige Ziege eine Attraktion. Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) hat Vierhornziegen im Belvedere in Wien gezüchtet. Damals waren sie in der ganzen Österreich-Ungarischen Monarchie verbreitet.
Auch im Alten Testament ist von einer Ziege zu lesen, deren Hörner in alle Himmelsrichtungen standen.
Irgendwann wurde die Ziege nicht mehr gezüchtet, sondern es wurde begonnen, diese auszurotten, da man in der Ziege rund um das Mittelalter das Abbild des Teufels sah.
Auch wenn die Ziege noch nicht als eigene Rasse anerkannt ist, wird dafür gekämpft. Der Bestand dieser Tiere ist nach wie vor sehr stark gefährdet. Im Jahr 2016 gab es nur noch zwischen 30 und 40 Tiere in ganz Österreich. Heute gibt es nach wie vor nur wenige Tiere. Man geht von ca. 20 Böcken und 20 Ziegen in Österreich und 12 Böcken und 50 Ziegen in Deutschland aus.
Im vergangenen Jahr kam nun „Michi“ zu uns, ein Bock wie aus dem Bilderbuch. Lange Hörner, große Statur, eindringlicher Bock-Geruch. Die Ziegendamen, die einst bei dem Damwild auf der Anlage anzutreffen waren, wurden ebenfalls im letzten Jahr zu der Damengruppe um „Michi“ dazugesetzt.
Vierhornziegenweibchen sollten im ersten Jahr ihres Lebens nämlich nicht gedeckt werden, da sich dies negativ auf ihr Wachstum auswirken kann und sie dann Gefahr laufen, nicht mehr weiterzuwachsen. Ebenso waren sie eine der ersten Kinder unseres anderen Zuchtbockes „Monty“, der bis letztes Jahr bei den Damen im Gehege war. Dieser musste dann für „Michi“ die Damengruppe verlassen und läuft aktuell in unserer reinen Bockgruppe mit.
Aufgrund dessen, dass die Tiere so selten sind und wir eine der größten Zuchtgruppen besitzen, sind die Vierhhornziegen in einigen Gehegen durch den Park anzutreffen. Denn, wie bereits berichtet, müssen Jungtiere zuerst ausgewachsen sein, bevor mit ihnen gezüchtet werden kann, und natürlich soll auch blutsfremd gezüchtet werden, was zu einer logistischen Meisterleistung führt. Welche Tiere mit wem, wohin und ab wann wieder zu welcher Gruppe dazu – aber keine Sorge, wir haben alles im Blick.
Unser „Michi“ hat jedenfalls schon eine ganz stattliche Arbeit geleistet, auch wenn er anfangs eher nicht an den Damen interessiert war. Unsere Dame „Feli“ hat ein kleines Ziegenböckchen zur Welt gebracht, dessen Körper genau geteilt ist, vorne Schwarz, hinten weiß. Ein wunderschönes Tierchen und auch ausgefallen.
Unsere liebe „Schecke“, eine Tochter von „Monty“, hat nur zwei Hörner. Da sie aber das Vierhorn-Gen in sich trägt, ist darauf zu hoffen, dass sie dieses auch weitervererbt. Zwei kleine Zicklein brachte sie zur Welt: Einen gescheckten Bock und eine „Michaela“. „Michaela“ ist das genaue Abbild ihres Vaters. Die Färbungen und die Gesichtszeichnungen stimmen überein und nun wurde auch der Name angepasst. Eine andere Mutterziege brachte einen kleinen „Michi“ zur Welt.
Ob alle Jungtiere vier oder zwei Hörner haben, wird sich in der nächsten Zeit herausstellen, wenn die kleinen Spitzen aus dem Kopf schauen.