
Reisebericht von Gemeinderat Taner Togan
aus der türkischen Provinz Tunceli in Ostanatolien
Die Aktiv im Alter Veranstaltungen leben durch interessante Vorträge und begeistern stets durch Berichte und Fotos aus anderen Ländern.
Taner Togan, Gemeinderat von „Wir für Neulußheim“ und bekannt durch seinen Elvins Schreibwarenladen, hatte für die Gekommenen nicht nur einen Reisebericht aus dem Land und der Region seiner Familie mitgebracht, sondern auch zwei Gastgeschenke. Zum einen Baklava, das Blätterteiggebäck aus Reismehl, getränkt mit Zuckersirup und Pistazien oder Walnüssen und dazu aus Munzur Quellwasser. Zuvor stärkten sich die „Reisenden“, an den frühlingshaft dekorierten Tischen mit Kaffee und Kuchen, das das Aktiv im Alter-Team servierte. Nachdem Baklava zaghaft probiert wurde, fanden sich sofort neue Liebhaber dieses leckeren Gebäcks.
Taner Togan, in Speyer geboren, in Hockenheim aufgewachsen und seit 13 Jahren in Neulußheim mit Frau Sinem, den Söhnen Elvin und Ege sowie Töchterchen Ipek wohnhaft, nahm die Gekommenen mit Bildern und Videos nach Tunceli, 3328 Kilometer von Neulußheim entfernt, 1437 qkm groß, ungefähr 425-mal so groß wie Neulußheim – aber mit etwa nur der Hälfte der Einwohner Neulußheims, mit.
Tunceli heißt wörtlich übersetzt „Bronzene Hand“, bedeutet dem Sinn nach aber „eiserne Faust“. Tunceli ist die Hauptstadt der türkischen Provinz Tunceli in Ostanatolien. Die Stadt liegt etwa 580 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Ankara. Dersim, so lautet der althergebrachte Name der heutigen Provinz Tunceli in der Türkei. Da der Name innerhalb der Bevölkerung eine gewisse Tradition bzw. Geschichte widerspiegelt, findet er immer noch Beachtung und mehr Gebrauch als der offizielle Name Tunceli. Die Provinzhauptstadt liegt am Fuße eines Berges und wird auf allen Seiten von hohen Gebirgsketten umgeben.
Im Pülümür-Tal sind einige der bedeutendsten Pilgerstätten, die mit der unberührten Natur verbunden sind. Die Region gilt als heilige Landschaft, in der Berge, Quellen und Gletscherseen als Wohnsitz von Heiligen verehrt werden. Kerzen werden angezündet, Lämmer geschlachtet, die Gedärme der Natur und freilaufenden Bären übergeben. Taner Togan zeigte in vielen Bildern die unverbrauchte Natur, enge Geröllstraßen und steile Abhänge.
Cemevi-Zeremonien fördern den Zusammenhalt der alevitischen Gemeinschaft in der Region. Im Cem-Haus treffen sich Männer und Frauen. Niemand darf das Haus betreten, der seinen Streit nicht vorher geschlichtet hat oder ein Verbrechen begangen hat. Eine große Rolle spielt die Gitarre Baglama in der Kultur.
Munzur Gözeleri (zu Deutsch etwa „Munzur-Quellen“) sind eine beeindruckende Reihe von natürlichen Wasserquellen und in der ostanatolischen Provinz Tunceli. Sie gelten als der Ursprung des Munzur-Flusses und sind ein bedeutendes Natur- und Kulturdenkmal mit Wasserfällen in der Region. Eisig kalt und zum Baden kaum zu empfehlen, so Togan, der einen Versuch machte. Eisheiliges Wasser, das das ganze Jahr über extrem kalt ist. Aus dieser Region stammt auch das mitgebrachte Quellwasser für die Besucher. Der Legende nach entstanden die Quellen, als der Hirte Munzur Milch aus einem Gefäß verschüttete und an dieser Stelle weißes Wasser aus der Erde sprudelte.
Taner Togan zeigte dazu beeindruckende Bilder von weinenden Klippen. Dazu Videos von glasklaren Flüssen, die sich reißend durch das Gebirge schlängelten.
Eine Aufnahme eines Familienfotos mit seinem Großvater vor den Ruinen des ehemaligen Familienhauses, das mit vielen anderen Häusern dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die Dorfgemeinschaft habe später Grundstücke gekauft und neue Häuser errichtet, in Tunceli auch das Haus der Familie Togan.
Unberührte, felsige Natur, wo es keine großen Städte und Industrie gibt, zeigten Bilder von Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Kühen, Schafzucht und Bienenvölkern bestreiten. Nüsse, Pilze, Käse, alles, was die Natur hergibt, trägt zum Leben bei. Orte, die noch naturbelassen und unberührt von der Moderne der Zeit sind.
Taner Togan berichtete von der Freundschaft des ehemaligen OBs Christian Uhde aus München, der vor 55 Jahren in der Türkei mit Familie Kilic Freundschaft schloss, die bis heute währt. Ihm habe der Ort durch sein Wirken zu verdanken, dass eine Straße geteert wurde. Auch Alexandra Özkalay gab am Ende des Vortrags, der mit viel Applaus endete, ein paar Eindrücke aus dem Leben der Familie ihres Mannes, der aus Güzelsu stammt.
Die nächste Aktiv-im-Alter-Veranstaltung im barrierefreien Gemeindehaus findet am 14.4.2026, 15.00 Uhr, statt. Das DRK wird u. a. über den Hausnotruf berichten.
Bilder und Text: Renate Hettwer


