Der Wahlkreis Rhein-Neckar wurde bisher immer von den Direktkandidaten der CDU gewonnen; so auch im Februar 2025. Oppelt holte sogar mehr Stimmen als 2021, dennoch zog er dieses Mal nicht in den Bundestag ein. Sein Direktmandat fiel der neuen Regelung zur Verkleinerung des Bundestags zum Opfer, nach der erstmals nicht automatisch jeder Sieger des Wahlkreises einzieht. Denn die CDU holte zu wenig Zweitstimmen und so blieb Oppelt knapp außen vor und war unter den möglichen Nachrück-Kandidaten die Nr. 1.
Dieser vermeintliche Karriereknick erweist sich nun als Glücksfall. Manuel Hagels Wunschkandidat für das Justizministerium war frei. Seit diese Nachricht die Runde macht, hat Oppelt einen Termin nach dem anderen. Am Mittwoch wird er offiziell zu Baden-Württembergs Oberhaupt über das Ministerium der Justiz und für Migration ernannt; er folgt damit auf Marion Gentges, die Agrarministerin wird.
Der 37-jährige Moritz Oppelt ist ein echtes Kind der Stadt: In Neckargemünd als Ältester von fünf Geschwistern aufgewachsen und zur Schule gegangen, lebt er auch heute hier mit seiner Frau und ist frischgebackener Vater des dritten Kindes. Nach seinem BWL- und Jurastudium in Mannheim zog es ihn 2018 zur Finanzverwaltung Baden-Württemberg nach Stuttgart, wo er bis zu seiner Wahl zum Bundestagsabgeordneten 2021 als Sachgebietsleiter in der Steuerfahndung arbeitete.
Als Stephan Harbarth – langjähriger CDU-Kandidat für den Bundestag im Wahlkreis 277 – im Juni 2020 Präsident des Bundesverfassungsgerichts wurde, war der Weg für Oppelt plötzlich frei. „So erhielt ich die Chance, mein Hobby zum Beruf zu machen“, sagte er damals im Kandidateninterview des Neckarboten. Tatsächlich zog er 2021 als Gewinner des Wahlkreises in den Bundestag ein. Damals in der Opposition (die SPD kam bekanntlich an die Macht) war er Mitglied im Innenausschuss. In jenem Jahr wurde er auch zum Bezirksvorsitzenden der CDU Nordbaden gewählt.
Nachdem er im letzten Jahr aus dem Bundestag ausscheiden musste, bekommt er nun die Chance, das Justizsystem in Baden-Württemberg zu reformieren. Als entsprechender Minister ist Oppelt für die Verwaltung der Gerichte, Staatsanwaltschaften und Justizvollzugseinrichtungen zuständig und vertritt die Justizbelange des Landes. Die größten Herausforderungen der nächsten fünf Jahre werden wohl die Stärkung des Rechtsstaats, die Digitalisierung der Justiz sowie der Umgang mit Cyberkriminalität und sogenannten „Deep Fakes“ sein.
Dazu kommen alle Belange, die das Thema Migration auf Landesebene betreffen. Nicht nur in diesen Fällen wird es auch darum gehen, beschleunigte Gerichtsverfahren und -prozesse in die Wege zu leiten, wofür es mehr Richter und Staatsanwälte braucht. An Aufgaben wird es Oppelt sicherlich nicht mangeln.
