Was passiert hinter den Kulissen eines Zoos, wenn Tierärztinnen und Tierärzte um das Leben bedrohter Arten kämpfen, komplexe Zuchtprogramme koordinieren und täglich Entscheidungen treffen zwischen Hoffnung und Risiko? Die neue SWR Reihe „Zoo-Docs“ liefert diese seltenen Einblicke - nah dran, emotional und spannend. Die Tierärzte Lukas Reese und Marco Roller sowie der Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt gewähren außergewöhnliche Einblicke in Routineuntersuchungen und hochdramatische Tier-Momente. Besonders spektakulär in der Vorbereitung ist die Blutabnahme bei einer Giraffe ohne Spritze.
Im Interview mit NUSSBAUM.de verrät Dr. Matthias Reinschmidt, der durch mehr als 1800 Fernsehpräsenzstunden wie „Elstners Reisen“ in diversen Dokumentationen und Tiersendungen einem breiten Publikum seit Jahren bekannt ist, was so besonders an seiner Arbeit ist.
NUSSBAUM.de: Herr Reinschmidt, man kennt Sie als guten Freund von Frank Elstner, mit dem Sie für Tierfilme vor der Kamera standen. Stehen Sie noch in Kontakt zu ihm?
Dr. Matthias Reinschmidt: Die Freundschaft zu Frank ist über die Jahre sehr tief geworden. Wir haben nicht nur weiterhin Kontakt, sondern treffen uns fast jede Woche zu einem Spaziergang und erkunden so nebenbei immer wieder unsere Heimat neu.
NUSSBAUM.de: Wie ist für Sie die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen, soeben haben Sie ja eine dreiteilige Reihe abgedreht, in der Sie auch vorkommen: „Die Zoo-Docs“?
Reinschmidt: Die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen sehe ich als große Chance, Menschen für bedrohte Tiere zu sensibilisieren. Das Artensterben ist neben der Klimakrise eines der größten Probleme für unseren Planeten. Und wir können als Zoo anhand vieler Arten zeigen, wie moderner Artenschutz heute funktioniert. Grundlage ist der sogenannte One Plan Approach, kurz OPA genannt, der Weltnaturschutzunion IUCN. Dabei werden Schutzmaßnahmen in menschlicher Obhut und direkt im natürlichen Lebensraum gemeinsam gedacht. Zoos, Behörden, Wissenschaft und weitere Partner arbeiten eng zusammen, um bedrohte Arten langfristig zu erhalten. Kombiniert mit spannenden Geschichten direkt bei unseren Tieren, lassen sich auch solche Themen gut transportieren.
Ein Zoo ist für viele eine Art Vergnügungspark, wo man wilde Tiere ansehen kann. Warum ist ein Zoo so viel mehr als das?
Reinschmidt: Wenn die Menschen erst einmal zur Erholung oder zum Vergnügen in den Zoo kommen, ist das ja auch nicht schlecht. Wir versuchen aber als Zoo – teilweise einfach nebenbei – zu vermitteln, warum wir uns für die Tiere, den Arten- und Naturschutz einsetzen. Das geht zum Beispiel sehr gut bei den kommentierten Fütterungen. Da erfahren die Zoogäste allerhand Interessantes über die Tiere, warum sie in der Natur bedroht sind und was jeder selbst ändern kann.
Die Tierärzte, die im Zoo arbeiten, sind das ganz normale Tierärzte?
Reinschmidt: Grundsätzlich haben beide Veterinärmedizin studiert, zusätzlich jedoch auch den Fachtierarzt für Zoo-, Gehege- und Wildtiere abgelegt. Sie engagieren sich viel in der Forschung und geben regelmäßig Publikationen heraus. Lukas und Marco haben eine immens große Expertise. Für uns als Zoo Karlsruhe ist es fantastisch, sie in unseren Reihen zu haben.
Welches Verhalten wünschen Sie sich von den Zoogästen und warum?
Reinschmidt: Die allermeisten Zoogäste verhalten sich sehr gut, wenn sie bei uns sind. Ich freue mich vor allem darüber, wenn sie nach einem Besuch bei uns mit anderen Augen auf die Natur schauen. Wir brauchen mehr Menschen, die für den Artenschutz sensibilisiert werden und dies auch weitertragen.
► Matthias Reinschmidt im Porträt
Die Zoo-Docs
3 Folgen ab dem 01.06.2026 immer montags um 21.00 Uhr
und anschließend in der ARD Mediathek.


