
Die Antwort lieferte die Jazzmatinee am 18. Januar im Weil der Städter Klösterle. Zu Gast waren das Judith Goldbach Quartett und der Handglockenchor Glox.
Ein langer Tisch vor der Bühne, auf dem gut 20 Glocken unterschiedlichster Größe sowie zehn Chimes und etliche Notenblätter platziert waren, weckte bereits im Vorfeld die Neugierde der Besucher. Die ersten Glockentöne ertönten jedoch erst nach den ersten beiden Stücken des Judith Goldbach Quartetts, „Freie Variationen“ und „Change“. Das Quartett ließ den „Speedking“ mit jagenden Unisonophrasen vom Stapel, bevor der Handglockenchor Glox bei „Chondritchen“ – mit einem fulminanten Vibraphon-Solo von Claus Kiesselbach – erste Akzente setzte.
Klaus Hügl, der Leiter des Handglocken-Ensembles, hatte das Arrangement für die Nummern der Jazzband zu Papier gebracht und punktgenau wurden entsprechende Glocken und Chimes intoniert – mit einer Qualität, die beim Publikum für staunende Gesichter sorgte. Musikalische Interaktion auf höchster Stufe, die auch lächelnde Minen bei den Akteuren hervorrief.
Im weiteren Verlauf des Vormittags glänzten die Werke, die teilweise eine jazzige Weiterführung von Béla-Bartók-Kompositionen waren, mit Groove und Präzision, faszinierenden Harmonien, überraschenden Breaks und natürlich solistischer Klasse. Über Judith Goldbach selbst braucht man vermutlich nicht mehr viele Worte zu verlieren. Im Online-Magazin „Jazzreportagen“ wurde ihre musikalische Klasse mehrmals beschrieben und man darf die Bassistin durchaus in der Champions League der Vier-Saiten-Zupfer ansiedeln.
Klangplattenzauberer Claus Kiesselbach war durchgehend mit vier Schlägeln unterwegs, die er effektvoll, nuancenreich und teils in einem atemberaubenden Tempo einsetzte. Gitarrist Sebastian Böhlen versank oft in melodischen Klanggemälden aus denen dann rasende Gitarrenriffs ausbrachen. Martin Grünenwald war an diesem Morgen für Michael Fischer eingesprungen und spielte, als wäre er ein festes Mitglied des Quartetts: leicht, einfühlsam und bei der Samba „Bartiktok“ auch mal brasilianisch treibend.
„Ederlezi“ rundete das Konzert mit einem Akkordeon-Beitrag von Klaus Hügl gefühlvoll ab. Er und seine vier Mitstreiterinnen, Hannah Schlayer, Luna Mohr, Sandra Graf und Gabi Schlayer, haben erfolgreich bewiesen, dass die aus dem sakralen Kontext (USA) bekannten Instrumente durchaus auch im Jazz ihren Platz haben können. Insgesamt eine runde Sache, die gerne fortgeführt werden darf.