Nussbaum-Logo
Umstellung auf Umkehrosmose-Verfahren

Neue Trinkwasseraufbereitung für Weingarten

Die Gemeinde Weingarten wird eine neue Anlage zur Trinkwasseraufbereitung anschaffen. Das beschloss nun der Gemeinderat.
Gebäude des Wasserwerks Weingarten von außen.
Die Wasserversorgung in Weingarten erhält eine komplett neue Anlage.Foto: fri

Die Gemeinde Weingarten wird eine neue Anlage zur Trinkwasseraufbereitung anschaffen. Der Gemeinderat entschied sich mehrheitlich für den Kauf einer Umkehrosmose-Anlage. Die Investitionskosten werden rund 4,66 Millionen Euro (netto) betragen. Zunächst werden die Planungsleistungen ausgeschrieben und vergeben. Die Sanierungsmaßnahmen im Wasserwerk werden frühestens im Herbst 2027 beginnen.

Um die Trinkwasserversorgung in Weingarten langfristig zu sichern, wird die Gemeinde eine Umkehrosmose-Anlage anstellen. Sie ersetzt die bisherige Carix-Anlage, bei der für die Wasseraufbereitung CO2 eingesetzt wurde. Die Carix-Anlage aus dem Jahr 2001 ist inzwischen zu alt, sanierungsbedürftig und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Laut Strukturgutachten von RBS wave läuft die Anlage zu Spitzenzeiten im Sommer im 24-Stunden-Betrieb und kann den maximalen Tagesverbrauch innerhalb eines Tages nicht bereitstellen. Dazu kommt, dass das Wasserwerk einen Reinwasserbehälter mit nur einer Wasserkammer hat. Hier wäre bei der bestehenden Anlage ein zweiter Behälter und damit eine bauliche Vergrößerung des Wasserwerks nötig.

Weniger Platzbedarf, einfachere Technik

Der Gemeinderat entschied sich für die Umstellung auf das Umkehrosmose-Verfahren, das derzeit in 90 Anlagen in Deutschland eingesetzt wird. Etliche Vorteile dieser Technik überzeugten den Gemeinderat: Weniger Platzbedarf, geringerer apparativer Aufwand, mangels CO2-Einsatz geringerer Arbeitsschutz nötig, Nitrat wird zu 65 Prozent eliminiert (bisher rund 22 Prozent). Wichtig war auch, dass es bei den Anlagenbauern einen Wettbewerb gibt; dies ist bei der Carix-Anlage nicht der Fall, da nur ein Anbieter am Markt existiert.

Die Kosten für die Investition einer neuen Wasseraufbereitungs-Anlage sind bei Carix und LPRO ähnlich hoch: 4,3 beziehungsweise 4,6 Millionen. Unterschiede beim laufenden Betrieb sind die Kosten für CO2 und Strom: Die LPRO-Anlage benötigt kein Kohlenstoffdioxid, verbraucht dafür aber mehr Strom. Bei beidem ist die Preisentwicklung für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte jedoch nicht vorhersagbar. Bei der nun beschlossenen Variante LPRO hat die Gemeinde den Vorteil, dass die Anlage kleiner ist und das bestehende Gebäude nicht vergrößert werden muss.

Fast doppelt so viel Trinkwasser zur Verfügung

Künftig wird es möglich sein, pro Tag anstelle der bisherigen 2.000 Kubikmeter Trinkwasser fast doppelt so viel aufzubereiten. Die Gemeinde hat mit der Erhöhung nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch einen Puffer, beispielsweise für die Ansiedlung von Gewerbe mit hohem Wasserverbrauch. Die Aufbereitungskapazität wird daher um 1.850 Kubikmeter erhöht. Zielwert bei der Entkalkung sind 10 Grad dH (deutsche Härte).

Die angedachte Zusammenarbeit mit der Gemeinde Walzbachtal, die derzeit ebenfalls die Sicherung ihrer Wasserversorgung prüft, wird sich möglicherweise nicht realisieren lassen, da die Gemeinde Weingarten auf ihre Anfrage bisher keine Antwort erhalten hat.

Kritik, weil Zulassung noch fehlt

Kritik an der Entscheidung für die Umkehrosmose-Anlage kam von Gemeinderat Bernd Wolf (fraktionslos). Er wies darauf hin, dass es sich bei LPRO um ein noch nicht zugelassenes Verfahren handle. Die ausstehende Zulassung, so die technische Erklärung im Rat, beziehe sich nicht auf das Verfahren oder die gesamte Anlage, sondern auf das Antiskalant, ein Mittel, das die Membran der Anlage vor Ablagerungen und Verblockungen schützen soll. Derzeit arbeiten die Hersteller am Nachweis, welche Stoffe durch die Membran durchgelassen werden. Grenzwerte gibt es noch nicht. Bis 2031 soll dann die Genehmigung erteilt werden. Bürgermeister Eric Bänziger wies darauf hin, dass es in Weingarten die Problematik der PFAS, die aus dem Wasser gefiltert werden müssen, wie im Landkreis Rastatt nicht gebe.

Der Gemeinderat entschied sich mehrheitlich für die Umstellung auf das Umkehrosmose-Verfahren; dagegen stimmte Gemeinderat Bernd Wolf. (fri)

Erscheinung
Weingartener Woche
Ausgabe 06/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
04.02.2026
Orte
Weingarten (Baden)
Kategorien
Gemeinderat
Kommunalpolitik
Politik
Passende Themenseiten
Übersicht
Übersicht