Der Heilbronner Gemeinderat hat am 26. Februar beschlossen, die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in „Grundschule am Pfühlpark“ umzubenennen. Die Schulgemeinschaft hatte sich bereits im Vorfeld für eine Umbenennung ausgesprochen. Der neue Name soll zum Schuljahr 2026/2027 in Kraft treten – rechtzeitig zur Feier zum 60-jährigen Bestehen der Schule.
Mit der Entscheidung reagiert die Stadt auf die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Gutachtens zur NS-Belastung von Namensgeberinnen und Namensgebern Heilbronner Straßen und Gebäude durch die Historikerin Dr. Susanne Wein. Das vom Stadtarchiv Heilbronn beauftragte Gutachten schließt sich der seit einigen Jahren vorliegenden Neubewertung der historischen Forschung von Hauptmanns Verhalten im Nationalsozialismus an. Nach dieser ließ sich der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann (1862 – 1946) bereitwillig für das nationalsozialistische Regime instrumentalisieren, ignorierte dessen Verbrechen konsequent und pflegte enge Kontakte zu hochrangigen Funktionären. Fazit: Gerhart Hauptmann ist nicht geeignet, Namensgeber einer Schule und damit Vorbild und Identifikationsfigur für Schulkinder zu sein. Sowohl das Gutachten als auch die Stellungnahme einer Expertenkommission empfehlen die Umbenennung der Schule.
Schulen als Orte demokratischer Werte
Mit der Umbenennung setzt die Stadt Heilbronn ein bewusstes Zeichen. Schulen sind Orte der Bildung und Wertevermittlung. Ihre Namensgeberinnen und Namensgeber sollen Orientierung geben und mit den Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar sein. Deshalb wird bei Schulen ein strengerer Maßstab angelegt als bei Straßennamen.
Demzufolge kann die Gerhart-Hauptmann-Straße im Stadtteil Biberach ihren Namen behalten. Auf Empfehlung des Gutachtens und der Expertenkommission wird das Straßenschild jedoch um eine erläuternde Kommentierung ergänzt, die auf die historische Belastung hinweist.
Weitere Entscheidungen stehen aus
Insgesamt empfehlen Gutachterin und Expertenkommission die Umbenennung von sieben Straßen und der Grundschule. Darüber hinaus sollen 27 Straßennamen und ein Gebäude historisch kommentiert werden. Der Gemeinderat wird noch in diesem Jahr über die weiteren Vorschläge beraten und entscheiden.
Die betroffenen Anliegerinnen und Anlieger der zur Umbenennung vorgesehenen Straßen wurden bereits umfassend über das Verfahren informiert und angehört.