Tuttlingens Vereine werden beim Stadtfest künftig eine stärkere Rolle spielen. 2026 soll es zum ersten Mal nach diesem Muster gefeiert werden. Bei einer Info-Veranstaltung im Ratssaal wurde das neue Konzept vor rund 50 Vereinsvertreter*innen vorgestellt.
Das Drei-Städte-Fest haben alle in guter Erinnerung: Gemeinsam mit Bex und Draguignan wurde zwei Tage gefeiert, trotz kühler Witterung war die Stimmung bestens. Nur ein Aspekt trübt etwas die Bilanz: „Die Stadt Tuttlingen hat für zwei Tage Fest rund 122 000 Euro ausgegeben“, rechnete Wirtschaftsförderer Martin Wycisk am Mittwoch im Ratssaal vor, „die Übernachtungskosten für unsere Gäste aus Bex und Draguignan nicht eingerechnet.“ Auf die einzelnen Vereine heruntergebrochen heißt dies, dass die Stadt einen durchschnittlichen Stand mit über 1400 Euro subventionierte. „Auch im Gemeinderat war man sich einig, dass wir uns das auf Dauer nicht leisten können,“ berichtete Wycisk.
Einer der größten Kostentreiber beim Stadtfest war die Logistik: In allen Straßen des weitläufigen Festes mussten temporäre Stromkabel und Wasserleitungen verlegt werden. Vermeiden konnte man dies bei der bisherigen Fest-Struktur kaum. So schreibt zum Beispiel das Lebensmittelrecht vor, dass auch temporäre Gastro-Stände über einen Warmwasser-Anschluss verfügen müssen. Und da diese und weitere Technik bei Vereinsständen im Vergleich zu professionellen Ständen aufwändiger gestaltet sind, mussten Unmengen an Schläuchen und Kabeln verlegt werden.
Das neue Konzept sieht daher vor, dass die Vereinsstände räumlich eng beieinander liegen, was die Erschließung erheblich vereinfacht. So soll der Festbereich in der Weimarstraße als „Straße der Vereine“ komplett den Ehrenamtlichen gehören. Aber auch der Marktplatz und die Bahnhofstraße werden wieder Teil des Stadtfestes sein. Die Verteilung der Bühnen und Acts wird nach Abstimmung mit allen Partnern geplant, um eine bestmögliche Verteilung über das Festgelände sicherzustellen. Eine Bühne ist unter anderem in der Nähe der Vereinsstände vorgesehen.
Diese Aufteilung hat einen großen logistischen Vorteil: Da gewerbliche Anbieter in der Regel mit komplett ausgestatteten Food-Trucks anreisen, muss in diesem Bereich keine aufwändige Infrastruktur errichtet werden. Außerdem sinkt ein Teil des Organisationsaufwandes für die Vereine in der Weimarstraße, weil der Bodenbelag dort deutlich strapazierfähiger ist als in der Fußgängerzone. Schutzmaßnahmen für den Boden entfallen somit.
Die zweite Änderung: Für die Bespielung der Straße der Vereine sind diese komplett selbst verantwortlich. Sie legen fest, wer wo steht und wie die Stände aufgeteilt werden. Fixe, von der Stadt vorgegebene Parzellen wird es nicht mehr geben. Die Versorgung mit Wasser und Strom wird von den Vereinen in eigener Regie organisiert. Im Gegenzug entfallen die bisherigen Standgebühren. „Sie bekommen hier deutlich größere Freiheiten als bisher“, so Martin Wycisk. Lediglich allgemeine Vorschriften wie Rettungswege oder Hygiene müssten eingehalten werden.
Dass auf die Vereine mehr Verantwortung zukomme, heiße übrigens nicht, dass sich die Stadt herauszieht, so Martin Wycisk. „Wir bleiben ein Teil des Festes und stehen auch weiterhin mit Know-how bereit und unterstützen und beraten sehr gerne.“ So versichert die Stadt das gesamte Festareal, stellt Sicherheitskräfte, sorgt für große Teile des Programms, für die gesamte Infrastruktur rund um den Müll, gewährleistet sanitäre Anlagen und kümmert sich natürlich auch um Straßensperrungen, nötige Umbauarbeiten und die Werbung.
Für die Planung der Straße der Vereine wird sich eine Orga-Gruppe bilden. Elf Interessenten meldeten sich hierfür bereits in der Sitzung am Dienstag.