
Das „Credo“, voll besetzt wie immer, bildete den feierlichen Rahmen für die erste Jubiläumsveranstaltung. Dirigent Holzwarth hatte dazu ein Programm zusammengestellt, das sowohl für sein Orchester als auch für das Publikum zahlreiche Leckerbissen parat hielt.
„Finlandia“ und die „Nordische Sonate“ – eindeutig nordisch angehaucht war der überwiegende erste Teil des Programms. „Finlandia“, die populäre sinfonische Dichtung von Jean Sibelius gehört heute zum nationalen Kulturgut Finnlands und ist Ausdruck des Ringens Finnlands um Freiheit und Unabhängigkeit seines Volkes. Der gesangliche Mittelteil gilt noch heute für viele Finnen als inoffizielle Nationalhymne.
Die Freundschaft zu Dietmar Walther, Akkordeonlehrer und -virtuose in Wiesbaden, brachte Gerhard Mohr das Instrument Akkordeon nahe und veranlasste ihn, Werke für dieses Instrument zu schreiben. Entstanden sind dabei zehn Kompositionen für Akkordeonorchester, aus denen die dreisätzige „Nordische Sonate“ schon aufgrund ihrer Länge von über zwanzig Minuten herausragt. Jeder Satz ist dabei geprägt von einem musikalischen Thema. Dirigent Holzwarth brachte diese vorab dem Publikum näher.
Der Paso Doble „Man soll mit dem Feuer nicht spielen“ vom gleichen Komponisten ist Zeugnis dafür, was Gerhard Mohr zu Beginn seiner musikalischen Karriere komponierte: Salon- und gehobene Unterhaltungsmusik. Lange Zeit gehörte der Paso Doble zum Repertoire von Zirkus- und Varieté-Orchestern. Rhythmisch, zackig ... gerade recht, um das Publikum in die Pause zu schicken.
„Tango Nuevo“ – aus kaum einem Akkordeon-Konzert wegzudenken ist mittlerweile das von Astor Piazzolla geschaffene Genre, das sich viele Komponisten als Vorbild nehmen. So auch Thomas Ott mit seinem „Tango Appassionado“ mit dem charakteristischen Wechsel zwischen stark rhythmisch betonten Passagen und balladenartigen Themen.
Neujahrskonzert mit „Strauss“ oder ohne? Ein Thema, das immer wieder auftaucht und dem auch Dirigent Holzwarth in seiner Moderation nachging. Fans der Musik von Johann Strauss jedenfalls kamen mit „Eine Nacht in Venedig“, einer von Akkordeonorchestern eher selten gespielten Ouvertüre, auf ihre Kosten. Darin verarbeitet sind mehrere Melodien der Operette, unter anderem das bekannte Gondellied („Komm in die Gondel“).
Südamerikanische Rhythmen ... dafür stehen wie kaum andere Komponisten der Puerto-Ricaner Rafael Hernandez, der kubanische „Mambo-König“ Perez Prado und der populäre brasilianische Samba-Komponist Ary Barroso. „El Cumbanchero“, „Mambo Jambo“ und „Brasil“, diese drei Kompositionen, zusammengefasst in „Brasilia“, einer rasanten Bearbeitung von Willi Münch, dem langjährigen Leiter des Nürnberger Akkordeon-Orchesters, forderten sowohl das Orchester als auch die Schlagzeuger. Und das Publikum wurde ebenfalls von der Spielfreude angesteckt.
Gleich sechs „Ohrwürmer“ erklangen im Potpourri aus Frederick Loewes Musical „My Fair Lady“, ebenfalls in der Bearbeitung von Willi Münch, zusammen mit Herbert Bausewein. Wer kennt sie nicht: „With a little bit of luck“, „I could have danced all night“, „On the street where you live“ und all die anderen Melodien.
Lang anhaltender Beifall belohnte das Orchester und den Dirigenten für intensive Probenarbeit und daraus resultierend ein technisch wie musikalisch beeindruckendes Konzert mit dem „Instrument des Jahres 2026“. Selbstverständlich gab es auch noch eine Zugabe, die den „Kreis nach Norden“ schloss: „Return to Värmeland“ von Hans-Günther Kölz, der darin das schwedische Volkslied „Ack Värmeland, du sköna“ verwendete.
Das zweite Konzert im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten findet ebenfalls im „Credo“ statt: am 26. April 2026 laden wir ein, unserer Musik und der unserer Gäste, des Akkordeon-Clubs Wendlingen, zu lauschen und in die Annalen des Orchesters zu tauchen. Sicher werden auch ehemalige Spielerinnen und Spieler anwesend sein und so manche Anekdote wieder zum Leben erwecken.