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Noch einmal zum Mohrenbrunnen

1. Der Namenstag des Heiligen Maurus am 15. Januar ist uns Anlass, auf den Mohrenbrunnen und unseren Artikel in Schöntal aktuell vor dem Weihnachtsmarkt...
Foto: Kulturverein Kloster Schöntal e.V.

1.

Der Namenstag des Heiligen Maurus am 15. Januar ist uns Anlass, auf den Mohrenbrunnen und unseren Artikel in Schöntal aktuell vor dem Weihnachtsmarkt zurückzukommen. Der letzte Abt Kloster Schöntals hieß Maurus Schreiner – Maurus war sein Klostername. Er stammte aus Stangenroth in der Rhön; dort war er 1740 auf den Namen Michael getauft worden. Den Heiligen Maurus hatte er sich als Vorbild gewählt und den Namen in einer Art zweiter Taufe bekommen, als er in die Gemeinschaft der Mönche aufgenommen wurde. So war es der Brauch. Ganz offenbar aber war ihm dieser Name wichtig, denn sein Patensohn Michael erhielt ebenfalls den zweiten Vornamen Maurus.

2.

Was hat nun Abt Maurus mit dem Mohrenbrunnen zu tun? Jeder Abt wählte für sein Klosterwappen einen Herzschild, der seinen Namen versinnbildlichte. Am bekanntesten sind wohl der Fuchs von Abt Fuchs, die Fichtenzapfen von Fichtlin und der Knüppel von Benedikt Knittel. Maurus Schreiner wählte sich einen Rumpf mit Federrock und -krone, Ringellocken und wulstigen Lippen – ein „sprechendes Wappen“, eben ein Maure oder Mohr. In farbigen Abbildungen ist seine Hautfarbe Schwarz.

In der Legende des Heiligen Maurus vermischen sich zwei Gestalten: der erste Schüler Benedikts, des legendären Begründers des abendländischen Mönchtums, und der Begründer eines Klosters im südlichen Frankreich zur Zeit Karls des Großen. Der Name hat also einen deutlichen Bezug zum Mönchsein. Unter Mauren verstand man damals die Bewohner Spaniens, die es von Nordafrika aus erobert hatten. War der Heilige Maurus ein Maure, wie sein Name es andeutet? Man weiß es nicht.

3.

Woher nun die schwarze Hautfarbe? Wahrscheinlich spielt hier ein weiterer Heiliger hinein, der Heilige Mauritius. Die Legende erzählt, er habe als Offizier einer römischen Legion und Christ zusammen mit anderen Legionären das Martyrium erlitten. An seinem Sterbeort wurde Jahrhunderte später ein Kloster errichtet, das heutige St. Moritz in der Schweiz. Es handelt sich also um einen weiteren Bezug zum Mönchsein. Die Legion habe aus Ägypten gestammt und in der mitteleuropäischen Überlieferung war Mauritius von schwarzer Hautfarbe.

Abt Schreiner lebte im 18. Jahrhundert, also mehr als 1000 Jahre nach den beiden Klostergründungen. Die geschichtlichen Mauren waren längst vergessen. Was aber neu und Mode und exotisch war im 18. Jahrhundert, das waren die „edlen Wilden“ aus Afrika und Amerika. Sie formten das Bild, das sich Abt Schreiner von einem Mohren machte. Als er den Auftrag für den Brunnen an die, wahrscheinlich württembergische, Eisengießerei gab, diente seine Wappenfigur als Vorlage für den Entwerfer. Da sitzt er nun, der Mohr, bequem die Beine überschlagen und einen Krug als Symbol des Brunnenwassers im Arm – eine der ungewöhnlichsten christlichen Heiligenfiguren. Und eine echte Rarität, denn in ganz Deutschland sind nur drei Mohrenbrunnen bekannt, und die sind aus späterer Zeit.

Hans Lindner

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Ausgabe 03/2026
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